Oft versagt der Einbruchschutz

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Wer Türen und Fenster vor Einbrechern sichern will, sollte die Hilfe von Fachleuten und der Polizei einholen. f.: Panthermedia

Die Zahl der Einbrüche steigt seit Jahren an. Viele Hausbesitzer und Mieter rüsten ihre Haustüren mit extra Schlössern und Riegen nach. Minutenschnelle Versuchs-Einbrüche der Stiftung Warentest zeigten nun, dass viele Produkte versagen.

Test

Die Zahl der Einbrüche steigt seit Jahren an. Viele Hausbesitzer und Mieter rüsten ihre Haustüren mit extra Schlössern und Riegen nach. Minutenschnelle Versuchs-Einbrüche der Stiftung Warentest zeigten nun, dass viele Produkte versagen.

Alle drei bis vier Minuten wird in Deutschland eingebrochen – Tendenz steigend. Die Kriminalstatistik zeigt aber auch, dass Einbrecher zunehmend scheitern. Rund 40 Prozent der Einbruchversuche bleiben mittlerweile erfolglos. Die Stiftung Warentest hat 15 nachrüstbare Türsicherungen geprüft – darunter Querriegelschlösser, Stangenschlösser, Kastenzusatzschlösser und Bandsicherungen. Das Ergebnis ist alarmierend: Jedes zweite „Bollwerk“ war schnell geknackt. Und das bei Preisen von bis zu 695 Euro.

Angriff mit Einbruchwerkzeugen

Der Handel bietet zum Schutz vor Einbrechern verschiedenartige nachrüstbare Türsicherungen. Die Stiftung Warentest hat 15 getestet: Querriegelschlösser, die eine Tür über die gesamte Breite absperren, Stangenschlösser zum Verriegeln von oben nach unten, Kastenzusatzschlösser als Zusatzriegel für die Schlossseite der Tür und Bandsicherungen, die das Aufhebeln auf der Scharnierseite verhindern sollen. Im Test mussten die Schlösser und Riegel zeigen, wie stabil sie sind, wie sie sich montieren und bedienen lassen und vor allem, ob sie Angriffen mit einfachen Einbruchwerkzeugen wie Schraubendrehern standhalten. Das Ergebnis: Neun Sicherungen sind „mangelhaft“ – in jeder Kategorie mindestens eine. Von den Kastenzusatzschlössern ist keines zu empfehlen – Einbrecher haben mit ihnen leichtes Spiel. „Gute“ und „sehr gute“ Ergebnisse gibt es aber auch. Mit einigen der getesteten Querriegeln, Stangenschlösser und Bandsicherungen lassen sich Türen zuverlässig vor ungebetenen Gästen schützen. Zwei der Querriegel verfügen über einen zusätzlichen Sperrbügel. Der erlaubt es, die verschlossene Tür einen Spaltbreit zu öffnen.

Gute und nicht so gute Lösungen

Ein Querriegel reicht meist, um eine solide Tür nachträglich zu sichern, schreiben die Tester. Empfehlenswert (Note „sehr gut“) ist laut Test der Querriegel Abus PR2700, der zugleich der günstigste im Test war (240 Euro). Er ist einfach zu montieren. Auch der Riegel Econ SRB ohne Sperrbügel (380 Euro, Note „gut“) schützt demnach sehr gut. Auch hier ist die Montage einfach, der Anleitung fehlen jedoch Hinweise zum erforderlichen Werkzeug und den Anforderungen an das nachzurüstende Türelement. Der teure Icon DRS 8447 (695 Euro, Note „gut“) bietet guten Einbruchschutz. Der Querriegel Basi PR 1000 (350 Euro, Note „mangelhaft“) hingegen hielt dem Einbruchversuch mit Werkzeug nicht stand. Die Montageanleitung war zudem lückenhaft.

Polizei berät kostenlos

Beim Nachrüsten von Türen kommt es darauf an, alle Türelemente und Zusatzsicherungen in ihrer Wirkung sinnvoll aufeinander abzustimmen. „Jede Tür lässt sich nachträglich ertüchtigen“, sagt Kriminalhauptkommissar Jens Fritsch, Fachberater für Einbruchschutz beim Landeskriminalamt Berlin. „Dabei sollte man aber nicht in blinden Aktionismus verfallen.“ Er empfiehlt, sich bei einer Beratungsstelle der Polizei zu informieren. „Die Beratung ist kostenlos und schützt vor teuren Fehlkäufen“, rät Fritsch. „Nicht jede zusätzliche Sicherungsmaßnahme passt zu jeder Tür.“

-Tipp: Sehen Sie sich die möglichen Angriffsstellen Ihrer Tür an. Welche Schließtechnik ist eingebaut? Wie stabil sind Türblatt, Zarge und Mauerwerk? Machen Sie Fotos und Notizen. Gehen Sie damit zu einer polizeilichen Beratungsstelle. Adressen finden Sie unter www.k-einbruch.de. In manchen Fällen können Sie auch eine Vor-Ort-Beratung vereinbaren.

Leichte Türen halten nicht

Ob eines der geprüften guten Schlösser die eigene Wohnung wirklich sicherer macht, kommt auf die Gegebenheiten vor Ort an. Ein solider Querriegel reicht in der Regel, um eine Tür zu sichern. Bei zweiflügeligen Altbautüren funktionieren Querriegel jedoch nicht. Da empfiehlt sich ein Stangenschloss, das die Tür vertikal verriegelt. Dann sollte aber zusätzlich eine Bandsicherung die Scharnierseite schützen. Handelt es sich allerdings um eine leichte Röhrenspantür, nutzt auch der beste Riegel nichts. Dann sollte zunächst das Türblatt mir einer Metall- oder Holzplatte verstärkt werden.

Einbrecher hebeln Türen einfach auf

Die Stiftung Warentest hat sich beim Test an den einschlägigen Normen und den Erfahrungen der Polizei orientiert. „Drei bis fünf Minuten, länger halten sich Einbrecher in der Regel nicht mit einer Tür auf“, sagt Hauptkommissar Fritsch. „Dann wird das Risiko entdeckt zu werden, zu groß, und sie ziehen weiter.“ Während Eindringlinge in Eigenheimen vor allem durch Fenster, Balkon- oder Terrassentüren ins Haus kommen, gehen sie in Mehrfamilienhäusern meist durch die Wohnungstür. „In der Regel hebeln sie abgeschlossene Türen einfach gewaltsam mit Werkzeugen auf“, so Fritsch. „Dass Schließzylinder gezogen oder aufgebohrt werden, kommt selten vor.“

Schlösser in einer Minute geknackt

Um die Prüfung zu bestehen, musste jede Türsicherung neben einem statischen Belastungstest den Attacken von Herrn T. drei Minuten standhalten. Der Einbrecher vom Dienst hatte für jedes Schloss insgesamt 15 Minuten Zeit, um sich zwischendurch auszuruhen. So schreibt es die Norm vor. So viel Zeit war allerdings selten nötig – die „mangelhaften“ Modelle waren meist nach weniger als einer Minute geknackt. Das ist umso erschreckender, als einige der Bollwerke richtig ins Geld gehen: bis zu 78 Euro für Bandsicherungen, bis zu 155 Euro für Kastenzusatzschlösser und bis zu 695 Euro für Querriegel- und Stangenschlösser – teils plus Kosten für Zubehör wie Schließzylinder. Hinzu kommt der Einbau.

-Tipp: Mieter und Eigentümer können Zuschüsse für den Einbau und das Nachrüsten von Einbruchschutz beantragen. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördert Maßnahmen, die zwischen 2000 und 15 000 Euro kosten, mit zehn Prozent der Handwerker- und Materialkosten. Anträge kann man sich im Internet unter www.kfw.de/einbruchschutz herunterladen.

Einbau besser Profis überlassen

Die Bandsicherungen von Basi und Brundert bereiteten bei der Montage Probleme, das Stangenschloss von Ikon ebenfalls, weil die Anleitungen unvollständig waren oder fehlten. Aber auch mit einer guten Anleitung sind handwerkliche Laien schnell mit der Montage überfordert. Auf den Packungen fehlen oft wichtige Hinweise, etwa zum erforderlichen Werkzeug oder zu den Voraussetzungen an Türelemente und Bausubstanz. „Wir empfehlen, den Einbau einbruchhemmender Technik in die Hände von Fachleuten zu legen“, sagt Hauptkommissar Fritsch. Die Landeskriminalämter nennen zertifizierte Betriebe. Was passiert, wenn ein Schloss falsch eingebaut ist, zeigt der Test eindrücklich: Bei einer Bandsicherung montierten die Prüfer zwei Schrauben an der falschen Stelle. Herr T. hebelte die Tür in 48 Sekunden auf. Erst nachdem der Gutachter den Fehler entdeckt hatte und die Schrauben für einen weiteren Versuch korrekt montiert waren, hielt das Türband – und Herr T. kam wieder ins Schwitzen.

Tipps für Mieter

Mieter, die ihre Türen und Fenster sichern wollen, sollten zunächst mit ihrem Vermieter darüber reden. Vielleicht beteiligt er sich an den Kosten. Verpflichtet ist er dazu aber nicht. Bauliche Veränderungen sollten grundsätzlich abgesprochen werden. Stellt sich der Vermieter quer, muss der Mieter sie beim Auszug zurückbauen. Ist der Vermieter einverstanden, sollte man in einer Modernisierungsvereinbarung die Details regeln. Übernimmt der Vermieter die Kosten, so kann er elf Prozent davon auf die Jahresmiete umlegen.

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