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Ryanair: Abgekartetes Spiel um Airberlin

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Von Hannes Koch. Berlin – Die irische Billigfluglinie Ryanair hat sich am Mittwoch aus dem Rennen um die insolvente Fluglinie Airberlin verabschiedet.

„Wir werden uns in diesen Prozess nicht einmischen. Es ist ein abgekartetes Spiel“, sagte Chef Michael O’Leary in Berlin. Unter fairen Bedingungen wäre er interessiert, begründete er seine Entscheidung. Die Insolvenz sei künstlich erzeugt, damit Lufthansa Airberlin schuldenfrei übernehmen könne.

Das Bieterrennen um die Übernahme der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft ist in vollem Gange. In den kommenden zwei Wochen soll eine Entscheidung fallen. Dabei geht es um den Erhalt oder die Zerschlagung der nach der Lufthansa zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft. Und um gut 8000 Arbeitsplätze – 1500 Piloten, 3700 FlugbegleiterInnen sowie 2800 Beschäftigte in Technik und Verwaltung.

Die Vorbehalte gegen Ryanair waren ohnehin groß. Piloten der irischen Firma würden teilweise keine Lohnfortzahlung bei Krankheit erhalten, sagte Markus Wahl, Sprecher der Vereinigung Cockpit. Außerdem „versucht Ryanair sich vor den Sozialabgaben zu drücken“, so Wahl. Laut der Unabhängigen Flugbegleiterorganisation (UFO) erhalten Kabinen-Beschäftigte ein monatliches Nettogehalt von 900 bis 1200 Euro. Sie seien zum Teil nicht bei Ryanair direkt, sondern bei einer Personalleasing-Firma angestellt. Ryanair widerspricht diesen Angaben und verweist auf ihren Haustarifvertrag.

Nun bleiben fünf Bewerber, mit denen die Air Berlin-Gläubigerausschüsse sprechen können: Lufthansa, Easyjet, Condor, Hans Rudolf Wöhrl und Ex-Formel 1-Fahrer Niki Lauda. Einzig Wöhrl erklärte bisher, Airberlin komplett übernehmen und neu ausrichten zu wollen. Die anderen Bieter interessieren sich für Teile des Unternehmens.

Unbestätigten Angaben zufolge will die Lufthansa-Tochter Eurowings bis zu 90 der 140 Air Berlin-Flugzeuge übernehmen. Die Firma hat bereits begonnen, Piloten und Kabinenpersonal von Air Berlin abzuwerben. Easyjet hat angeblich bis 40 Maschinen mit Besatzungen im Auge, Condor eine zweistellige Zahl.

Ab Ende September streicht die insolvente Airline alle Langstreckenflüge. Ausnahmen: Berlin–New York und Berlin–Miami. Um selbst den reduzierten Verkehr vorläufig aufrechtzuerhalten, braucht das Unternehmen frisches Geld. Die Bundesregierung will einen Überbrückungskredit von 150 Millionen Euro zur Verfügung stellen, über dessen Modalitäten aber noch verhandelt wird.

Der Eilantrag der Fluggesellschaft Germania gegen den Staatskredit für die insolvente Airberlin wird indes nach Darstellung des Bundeswirtschaftsministeriums die Auszahlung nicht verzögern. Das Einreichen des Antrags von Germania habe keine aufschiebende Wirkung, so ein Sprecher des Ministeriums.

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