SERIE: WIE GEHT INNOVATION? - IN DER INDUSTRIE

Jeder kann Ideengeber sein

ODU-Geschäftsführer Dr. Kurt Woelfl (links) und Entwicklungs-Leiter Dr. Georg Staperfeld. sen/ re

Ideen sind ein gern gesehenes „Zusatzprodukt“ der täglichen Arbeit bei ODU in Mühldorf. Bei über 1000 Mitarbeitern vor Ort und über 2000 weltweit kommt da eine Menge frischer Input zusammen. Der muss gesammelt, gesichtet und von Fachleuten bewertet werden. Ideen im Haus einen festen Stellenwert einzuräumen, ist Teil des Innovationsmanagements.

Mühldorf– Ein Rohrleitungssystem für Erdöl, das tausende Haushalte mit Heizenergie versorgt, birgt in seinem Innersten das Wichtigste, damit das Öl auch zum Verbraucher kommt: Die Hardware. In ihrem Innersten wiederum sorgen Pipeline-Inspektionssysteme mit Steckverbindern von ODU aus Mühldorf dafür, dass das Fördersystem dicht bleibt – trotz extremen Druckverhältnissen bis zu 200 bar und dem Einsatz von Tensiden und hohem Wasserdruck bei der Reinigung.

Damit elektrische, mechanische und drucktechnische Aspekte diesen Steckverbinder praktikabel und langlebig machen, erfanden die Entwickler im Haus einen speziellen Glasverguss. Ähnliche Beispiele gibt es bei ODU viele, schildert der Leiter der Entwicklungsabteilung, Dr. Georg Staperfeld: Steckverbinder, die in Kreislaufgeräten für Taucher sicherstellen, dass die Atemluft per Computersteuerung zuverlässig aufbereitet wird. Steckverbinder, die Sensoren in Wasserkraftwerksrohren mit der elektrischen Signalleitung zusammenführen. „Wir haben es fast täglich mit neuen Projekten zu tun, bei denen für die unterschiedlichsten Branchen individuelle Lösungen gefunden werden müssen“, erklärt Geschäftsführer Dr. Kurt Woelfl die Notwendigkeit einer ständigen Ideenproduktion im Unternehmen.

Physikalische Verhältnisse simuliert

Selten könne man auf Standardprodukte zurückgreifen, sondern müsse möglichst schnell und kostensparend vorzeigbare Prototypen für den Kunden konstruieren, die möglichst zeitnah zur Produktion des gewünschten Steckverbinders führen. Dabei arbeitet man mit digitalen Simulationsmodellen, die schon in einem sehr frühen Stadium der Prototypenentwicklung erlaubt, weitere, physikalische Parameter mit einzubeziehen und Modifikationen am Modell vorzunehmen.

Es sei nicht allein diese Technologie, mit der man sich gegenüber Mitbewerbern abheben könne, sind sich Woelfl und Staperfeld einig – sondern wegen der Fähigkeit, Steckverbinder für schwierige und komplexe Umfelde zu konstruieren, ob es sich dabei um den Bereich der Kernfusion oder der Medizintechnik handele. Die Unternehmenskultur im Haus mache es den Fachleuten möglich, bei der Realisierung individueller Produktanforderungen flexibel und innovativ zu sein. Vor allem ermögliche sie jedem Mitarbeiter, ein Ideengeber zu sein. Die Basis dafür ist laut Woelfl und Staperfeld ein Innovationsmanagement, das im Haus fest verankert ist. „Wir haben eine Struktur geschaffen, bei der die Mitarbeiter direkt miteinander kommunizieren. Und in der Entwicklung, Konstruktion und Produktion eng vernetzt arbeiten – ohne dafür ständig hierarchische Stufen überwinden zu müssen“, beschreibt Staperfeld die internen Vorgänge. Es könne auch sein, dass ein neues Produktionsverfahren eingeführt werden müsse oder für ein Produkt neuartige Materialien benötigt werden.

Mitarbeiter müssten dann in der Lage sein, sich selbst Informationen zu beschaffen, das Know-how ins Unternehmen zu holen und vor allem: abteilungsübergreifend und interdisziplinär an einem Projekt zu arbeiten.

„Uns ist wichtig, dass nicht eine einzelne Abteilung für Innovationen zuständig ist und die kreative Arbeit für den Rest der Mannschaft erledigt, sondern sich jeder im Haus für Innovation zuständig fühlt.“ Bewusst habe man sich daher auch gegen einen sogenannten Innovationsmanager entschieden.

Alle Ideen werden ernst genommen

Damit frische Ideen nicht ungehört in den Fluren des weitverzweigten Industriegebäudes verhallen, werden diese an mehreren Boards gesammelt und bearbeitet. Die Mitarbeiter notieren ihre Ideen dafür handschriftlich auf vorgefertigte Formulare. Ein Ideenmanager in jeder Abteilung kümmert sich dann darum, dass diese Vorschläge weiterverarbeitet werden. So werden sie von Experten im Haus auf ihre Umsetzbarkeit und ihren Nutzen hin überprüft und der Ideengeber bekommt schließlich eine Rückmeldung dazu. „Das können Ideen zur Ausbildung sein, zum Informationsfluss, aber auch zu konkreten Produkten oder Parametern an Maschinen.“ Was herauskomme, sei eine Win-win-Situation, so Woelfl: Freilich zahlten sich gute Ideen, die als neues Produkt oder als verbessertes Verfahren in die Praxis übergehen, für das Unternehmen früher oder später ökonomisch aus. Aber auch für die Mitarbeiter lohne sich das System: Je nachdem, wie wertvoll und nutzbringend eine Idee ist, werde sie auch honoriert. Mit einer Sach- oder Geldprämie etwa. Manchmal mündeten Ideen aber auch in einem Patent, für das der Ideengeber entsprechend honoriert werde.

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