Die Würde mit Füßen getreten

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(Ver-)zweifelnde Mutter.

studenten-massaker in Mexiko . Mexiko-Stadt – Epifanio Álvarez ringt mit den Tränen.

„Die Regierung tritt unsere Würde mit Füßen“ , sagt der Bauer. „Mit diesem Schmerz können wir nicht nach Hause zurückkehren.“ Der Familienvater hat gerade erfahren, dass die mexikanische Generalstaatsanwaltschaft seinen Sohn und 42 seiner Kommilitonen für tot erklärt hat. Álvarez will das nicht hinnehmen. Er und die anderen Eltern glauben, dass ihre Kinder noch am Leben sind. Verschleppt von Polizisten und Soldaten, eingekerkert im Keller irgendeiner Kaserne.

Für die Ermittlungsbehörden ist der Fall weitgehend abgeschlossen. „Die Studenten wurden entführt, getötet und verbrannt“, sagt Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam. „Daran gibt es keinen Zweifel.“ Bei einer Pressekonferenz legt er Geständnisse, Zeugenaussagen und gerichtsmedizinische Untersuchungsberichte vor, die seine These untermauern sollen.

Ende September hatten Polizisten in der Stadt Iguala auf Anweisung des Bürgermeisters die 43 Studenten des linken Lehrerseminars Ayotzinapa entführt und sie der kriminellen Organisation „Guerreros Unidos“ übergeben. Mehrere Bandenmitglieder räumten den Mord an den jungen Leuten ein. Ihre Leichen übergossen sie demnach auf einer Müllkippe mit Diesel und steckten sie in Brand.

Der Anwalt der Angehörigen, Vidulfo Rosales, glaubt, die Regierung wolle den unangenehmen Fall rechtzeitig vor den Regionalwahlen im Sommer zu den Akten legen. „Es gibt noch immer keinen wissenschaftlichen Beweis, dass die Kameraden getötet wurden“, sagt er. Tatsächlich ist erst ein Opfer zweifelsfrei identifiziert. Allerdings sind die Knochenreste der Übrigen so stark verkohlt, dass Gentests kaum möglich sind.

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