Zwei Strompreiszonen für Deutschland?

Teuer im Süden, günstig im Norden: In Süddeutschland könnten die Strompreise bald steigen. Die EU plant die Teilung des deutschen Strommarktes in zwei Preiszonen. foto: dpa
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Teuer im Süden, günstig im Norden: In Süddeutschland könnten die Strompreise bald steigen. Die EU plant die Teilung des deutschen Strommarktes in zwei Preiszonen. foto: dpa

Die Europäische Union droht damit, Deutschland in zwei Strompreiszonen aufzuteilen. Grund ist das Nord-Süd-Gefälle bei der Erzeugung von Ökostrom in Kombination mit dem schleppenden Netzausbau. Macht die EU ernst, ist Strom in Süddeutschland bald deutlich teurer als im Norden.

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Die Europäische Union droht damit, Deutschland in zwei Strompreiszonen aufzuteilen. Grund ist das Nord-Süd-Gefälle bei der Erzeugung von Ökostrom in Kombination mit dem schleppenden Netzausbau. Macht die EU ernst, ist Strom in Süddeutschland bald deutlich teurer als im Norden.

Berlin – In Deutschland entstehen immer mehr Windkraftanlagen – vor allem im windreichen Norden. An den nötigen Leitungen, um den Strom in Regionen, in denen der Bedarf hoch ist, zu transportieren, fehlt es allerdings. Der Netzausbau, um das Nord-Süd-Gefälle bei der Ökostromerzeugung auszugleichen, kommt nur schleppend voran. Dieses Problem ist nicht neu, ruft jedoch laut einem Zeitungsbericht jetzt die Europäische Kommission auf den Plan. Wie die „Welt am Sonntag“ berichtet, plant die Kommission, Deutschland in zwei Strompreiszonen aufzuteilen. Damit würde süddeutscher Strom künftig nur noch im Süden angeboten, norddeutscher Strom im Norden. Weil im Süden aber Energieflaute herrscht, würden die Preise hier steigen – und zwar um rund zehn Prozent in Bayern und Baden-Württemberg, schätzt die Zeitung.

Bereits im Februar hatte es in Brüssel ähnliche Überlegungen zu einer Spaltung des deutschen Strommarktes gegeben, die jedoch vorerst wieder verworfen wurden. Hintegrund sind – auch beim aktuellen Vorstoß der EU-Kommission – die jahrelangen Verzögerungen beim Ausbau der deutschen Stromnetze. Mittlerweile zeichnet sich ab, dass viele große Stromautobahnen in Deutschland bis zum geplanten Atomausstieg im Jahr 2022 nicht fertig werden dürften.

Der erneute Vorstoß der EU zu einer Teilung des deutschen Strommarktes gründet sich laut „Welt am Sonntag“ zudem auf Beschwerden von einigen Nachbarländern. Kritisiert werde zum einen, dass Deutschland zu wenig Leitungskapazitäten habe, um europäische Stromhandelsgeschäfte zu tätigen; zum anderen, dass in Zeiten hoher Windstromproduktion billige Überschussenergie aus Deutschland in die Netze der Nachbarländer dränge und dort konventionelle Kraftwerke unwirtschaftlich mache. Der in die Nachbarländer überfließende Überschussstrom sei „eine Quelle politischer Konflikte und behindert die Integration der west- und osteuropäischen Strommärkte“, zitiert die „Welt am Sonntag“ die EU-Kommission. Am Jahresende werde die Kommission Pläne vorlegen, in denen der Zuschnitt von Preiszonen angesprochen werden soll, so die Zeitung. Die Gespräche mit dem Bundeswirtschaftministerium laufen demnach bereits. Ob es wirklich zu einer Teilung komme, hänge davon ab, ob der Netzausbau den rapiden Zuwachs erneuerbarer Energien aufholen könne, heißt es weiter mit Verweis auf Brüssel.

Die EU-Kommission hat dabei Europa im Blick. Von einem Zwei-Preiszonen-System in Deutschland verspricht sie sich ein Ende der Billigstrom-Flut im Norden sowie Anreize für den Bau von Winkraftanlagen im Süden. Eine Teilung des Strommarktes in verschiedene Preiszonen wäre in Europa zudem kein Novum. Vor fünf Jahren hat die EU-Kommission bereits ernst gemacht und den schwedischen Strommarkt in vier Preiszonen aufgeteilt.

Um die Strompreis-Pläne der EU zu verhindern, setzt Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (CDU) derweil auf eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Geplant ist, künftig sogenannte Netzengpassregionen auszuweisen, in denen der Neubau von Windkraftanlagen durch Ausschreibungen gedrosselt werden soll. Angedacht sind Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordhessen. Dadurch, dass an den Ausbauzielen nicht gerüttelt werden soll, würde sich die Zahl der Windräder in anderen Bundesländern erhöhen. Die Stromleitungen zwischen Nord- und Süddeutschland wären entlastet. Ob dieser Vorschlag Zustimmung in den Bundesländern findet, wird sich zeigen. Am morgigen Dienstag treffen sich die Ministerpräsidenten und die Kanzlerin zum EEG-Gipfel.

Für Bayerns Energieministerin Ilse Aigner (CSU) gilt es, unterschiedliche Strompreiszonen in Deutschland unbedingt zu verhindern. „Wir müssen die aktuelle Reform des EEG dazu nutzen, den Ausbau im Norden zu drosseln“, erklärte sie gegenüber unserer Zeitung. Bei der Reform des EEG gehe es darum, „den Ausbau der Erneuerbaren im ganzen Land zu ermöglichen“. Ziel des neuen EEG müsse es sein, so Aigner, „den Automatismus zwischen dem Ausbau der Erneuerbaren im Norden und immer neuen Netznotwendigkeiten zu durchbrechen“.  mad

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