Wofür die Piloten wirklich streiken

Lufthansa-Maschinen bleiben heute auf dem Boden: Der Konzern hat wegen des Pilotenstreiks 876 Kurz- und Langstreckenflüge für Mittwoch abgesagt. Betroffen sind nach Konzernangaben rund 100 000 Passagiere. foto: AFP
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Lufthansa-Maschinen bleiben heute auf dem Boden: Der Konzern hat wegen des Pilotenstreiks 876 Kurz- und Langstreckenflüge für Mittwoch abgesagt. Betroffen sind nach Konzernangaben rund 100 000 Passagiere. foto: AFP

Wegen des Pilotenstreiks hat die Lufthansa deutschlandweit hunderte Flüge gestrichen. Zugleich hoffte sie am Dienstagabend noch auf Hilfe vom Gericht. Der Konzern hatte eine einstweilige Verfügung beantragt, um den Streik noch abzuwenden.

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von rolf obertreis

Frankfurt – Wegen des 14. Pilotenstreiks seit April 2014 muss die Lufthansa am heutigen Mittwoch 876 der insgesamt geplanten rund 1800 Lufthansa-Flüge. aus Deutschland heraus streichen. Davon sind 51 Langstrecken-Verbindungen nach Nord- und Südamerika, Asien und Afrika betroffen. Rund 100 000 Passagiere werden nach Angaben der Lufthansa ihre Flüge nicht antreten können. Sie können ihre Flüge kostenfrei umbuchen oder stornieren. Für innerdeutsche Ziele kann das Ticket gegen einen Bahn-Gutschein getauscht werden (siehe unten).

Die Lufthansa versuchte noch am Dienstagnachmittag vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt den Streik mit der Erwirkung einer einstweiligen Verfügung zu verhindern. Teile der Forderung der Pilotenvereinigung Cockpit (VC) seien „nicht streikfähig“. Im September 2015 hatte das Hessische Landesarbeitsgericht einen Pilotenstreik gestoppt, weil es auch um das Sparkonzept des Unternehmens gegangen sei. Das aber könne kein Ziel eines Streiks sein.

Eine Entscheidung des Gerichts stand bis zum Abend noch aus. Zuvor hatte die Lufthansa VC erneut aufgerufen, im seit fünf Jahren währenden Gehaltstarif-Konflikt einer Schlichtung zuzustimmen. Das lehnt VC strikt ab. Vorstandsmitglied Jörg Handwerg sprach von einem Scheinangebot, es sei kein belastbarer Vorschlag für eine Schlichtung.

Einem Lufthansa-Sprecher zufolge können rund 2130 der rund 3000 Flüge des Konzerns bei Lufthansa, Austrian, Swiss und Brussels Airlines trotz des Streiks stattfinden, weil sich auch etliche bei VC organisierte Piloten freiwillig zum Dienst melden würden. Auch Piloten aus dem Management steigen wie schon bei vergangenen Streiks wieder ins Cockpit.

Insgesamt beschäftigt die Lufthansa im Passagier- und Frachtverkehr und bei Germanwings allein 5400 Piloten, in der Gruppe mit Austrian, Swiss , Brussels Airlines sowie Eurowings sind es insgesamt rund 10 000. Um die Folgen des Streiks abzumildern, setzt etwa Austrian auf der Verbindung zwischen Wien und Frankfurt größere Maschinen ein.

Einzelne Langstreckenflüge sollen ungeachtet des Streiks stattfinden, etwa von Frankfurt nach Chicago, Tokio, Delhi, Houston, Miami und Washington und von München nach San Francisco, Newark und Charlotte. Die bisherigen 13 Pilotenstreiks seit April 2014 haben der Lufthansa Einbußen von rund 460 Millionen Euro beschert.

In der vergangenen Woche hatte VC die Gehaltstarifverhandlungen für gescheitert erklärt und vorerst unbefristete Streiks angekündigt, von denen nur die Weihnachtstage vom 24. bis 26. Dezember ausdrücklich ausgeklammert werden. Ansonsten werde jeder Streik 24 Stunden vorher angekündigt. Dies hatte VC für den heutigen Streik am Montagabend getan. Vorstandsmitglied Handwerg betont, dass VC für die vergangenen fünf Jahre pro Jahr im Schnitt einer Erhöhung um 3,66 Prozent verlange. Das summiert sich auf 18,3 Prozent. Faktisch sind es unter Berücksichtigung des Zinseffektes aber sogar rund 22 Prozent. Im Übrigen erhalten die Piloten jedes Jahr unabhängig vom Tarifvertrag rund drei Prozent mehr. Handwerg erwähnt dies nicht, betont aber, dass die Lufthansa „seit Jahren“ sehr gute Zahlen ausweise, 2015 ein Rekordergebnis erzielt habe und in diesem Jahr wieder hervorragend abschneide. Außerdem seien die Grundgehälter des Vorstandes um bis zu 30 Prozent und die Bezüge der Aufsichtsräte noch stärker erhöht worden.

Trotzdem habe die Lufthansa bis zuletzt kein abschlussfähiges Angebot vorgelegt. „Ein Angebot von 2,5 ist kein Angebot, wenn dafür mindestens eine Gegenleistung in gleicher Höhe verlangt wird. Die dauerhafte Verweigerung der Konzernführung auch dem Cockpitpersonal eine angemessene Gehaltsanpassung zu gewähren, ist nicht akzeptabel“, sagt Handwerg.

Bereits am Dienstag hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in Hamburg und Düsseldorf zum Streik des Kabinenpersonals bei Eurowings aufgerufen. Auch hier geht es um die Erhöhung der Gehälter von knapp 500 Beschäftigten. 62 von 442 geplanten Flügen fielen aus, 4100 Passagiere waren betroffen. Bei Eurowings kommt dazu, dass sich Verdi und die Kabinengewerkschaft Ufo um die Vertretung der Beschäftigten streiten. Beide führen getrennte Verhandlungen mit der Geschäftsführung.

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