Wirtschaftsweiser befürchtet mehr Schwarzarbeit durch Flüchtlinge

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Noch vor Monaten hatten Unternehmen die Hoffnung, mit dem Zuzug von Flüchtlingen ihren Fachkräftebedarf stillen zu können. Jetzt sagt der Wirtschaftsweise Lars Feld: Die Migration sei vielmehr ein Beschäftigungsprogramm für die Schwarzarbeit.

Arbeitsmarkt

Noch vor Monaten hatten Unternehmen die Hoffnung, mit dem Zuzug von Flüchtlingen ihren Fachkräftebedarf stillen zu können. Jetzt sagt der Wirtschaftsweise Lars Feld: Die Migration sei vielmehr ein Beschäftigungsprogramm für die Schwarzarbeit.

Von Sebastian Hölzle

München – Als am Sonntag die Nachricht bekannt wurde, alle 30 Dax-Konzerne in Deutschland würden insgesamt nur 54 Flüchtlinge beschäftigen, schien die letzte Hoffnung der Wirtschaft endgültig begraben: Die Hoffnung, der Flüchtlingszuzug könnte die „Grundlage für das nächste deutsche Wirtschaftswunder“ sein (Daimler-Chef Dieter Zetsche).

Für Lars Feld ist dieser Befund alles andere als überraschend. Der 49-Jährige ist Ökonom und erforscht als einer der fünf sogenannten Wirtschaftsweisen im Auftrag der Bundesregierung die wirtschaftlichen Folgen der Einwanderungswelle.

Feld hat Statistikprogramme mit Daten gefüttert und Szenarien simuliert, um belastbare Aussagen treffen zu können. Statt Wirtschaftswunder lautet der Befund: „Die Flüchtlingsmigration ist vor allem ein Beschäftigungsprogramm für die Schwarzarbeit.“ Das sagte Feld am Montagabend in München. Seine Forscher-Kollegen des Ifo-Instituts hatten den Freiburger Wissenschaftler in die bayerische Landeshauptstadt eingeladen.

Zwei Fragen wollte Feld beantworten: Zum einen, wie sich die massenhafte Zuwanderung auf den Arbeitsmarkt auswirkt. Zum anderen: Wie kommen die öffentlichen Haushalte unterm Strich mit der zusätzlichen Belastung klar? Die eine Frage hängt mit der anderen zusammen. Finden die Flüchtlinge möglichst rasch einen regulären Job, zahlen sie automatisch Steuern und Sozialabgaben. Das könnte sogar helfen, das Demografieproblem in Deutschland zu lösen, sobald die geburtenstarken Jahrgänge in den kommenden Jahren in Rente gehen.

Das Problem: Die Arbeitsmarktintegration ist schwieriger als gedacht. Selbst fünf Jahre nach der Einreise dürfte weniger als der Hälfte der Flüchtlinge der Sprung in den Arbeitsmarkt gelungen sein, befürchtet Feld. Unmittelbar nach der Einreise sei die Chance auf einen Job ohnehin zunächst aussichtslos, während der Monate des Wartens auf das Asylverfahren gebe es für Flüchtlinge keine Möglichkeit, zu arbeiten. Selbst nach Beginn des Asylverfahrens dürfte nur einer verschwindend geringen Anzahl von Flüchtlingen der Sprung in den regulären Arbeitsmarkt gelingen, zeigen Felds Analysen. Die Folge: „Die Zuwanderer werden sehr lange in der Arbeitslosigkeit bleiben“, erwartet der Forscher.

Dabei mangelt es nicht an Ausbildungsplätzen: In Bayern beispielsweise verharrt die Zahl der offenen Lehrstellen auf einem Rekordniveau, wie die Industrie- und Handelskammer gestern mitteilte. Momentan seien bayernweit noch immer knapp 37 000 Ausbildungsstellen in Industrie und Handel unbesetzt, lediglich das Handwerk meldet eine allmähliche Besserung. „Falls Unternehmen aber hoffen ihren Fachkräftemangel zu beseitigen, müssen sie sich diese Hoffnung nicht machen“, sagt Feld.

Statt einer langwierigen Ausbildung bevorzugen viele Flüchtlinge lieber das einfache und schnell verdiente Geld durch Schwarzarbeit, glaubt Feld. Geld für die Familien in den Heimatländern – oder für die Bezahlung der Schlepper, befürchtet der Ökonom.

Bleibt die Frage, wie sehr die öffentlichen Haushalte unter den Zusatzbelastungen ächzen werden, wenn – wie von Feld prognostiziert – zunächst nur wenige den Sprung in den Arbeitsmarkt schaffen werden. Die Überraschende Antwort: Die Puffer der öffentlichen Hand seien hoch. Trotz der Ausgaben für Flüchtlinge sei weiterhin mit einer schwarzen Null in den Kassen zu rechnen – und sollte dies nicht der Fall sein, dann eher ausgelöst durch andere Ursachen wie die Folgen des Brexits. Obwohl die Haushalte den Zuzug wohl verkraften – volkswirtschaftlich rechnet sich die Einwanderung nicht. Fazit des Wissenschaftlers: „Ja, wir schaffen das – aber es kostet Geld.“

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