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Energiekrise

Top-Ökonom Sinn: „Wir sind in der Hand von Herrn Putin und das macht das Ganze unkalkulierbar“

  • Lisa Mayerhofer
    VonLisa Mayerhofer
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Der Streit um die Nutzung von Atomkraft in Deutschland angesichts der Gas-Krise tobt weiter. Top-Ökonom Hans-Werner Sinn bezieht klare Stellung und warnt: „Die Lage ist ernst.“

München – Inflation und Energiekrise beherrschen die Debatten in Deutschland. Die Corona-Pandemie und die Folgen des Ukraine-Kriegs haben unter anderem die Inflation in Europa in den vergangenen Monaten stark steigen lassen. Dazu droht die Gefahr, dass Putin Deutschland den Gas-Hahn endgültig abdrehen und damit in eine handfeste Energiekrise schlittern lassen könnte. Gas, das dringend zum Heizen benötigt wird, würde knapp werden.

Der Rohstoff trägt außerdem auch rund zehn Prozent zur Stromproduktion in Deutschland bei. Wenn man länger auf Atomenergie setzen würde, könnte man also mehr Gas zum Heizen nutzen, sagen Befürworter einer Verlängerung der AKW-Laufzeiten. Zu diesem Kreis gehört auch der Top-Ökonom und ehemalige Chef des Münchner ifo Instituts, Hans-Werner Sinn.

Top-Ökonom Sinn: „Habeck ist ja ein vernünftiger Mann“

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ordnete unter diesen Gesichtspunkten einen neuen Stresstest zur Stromversorgung an. Ergebnisse sollen laut Ministerium in den nächsten Wochen vorliegen. Einen Weiterbetrieb der verbliebenen Atomkraftwerke schließt der Grüne „unter bestimmten Voraussetzungen“ nicht mehr aus. Aktuell sind noch drei Atomkraftwerke in Deutschland am Netz: Emsland in Niedersachsen, Isar 2 in Bayern und Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg. Sie sollen laut Gesetzeslage aber Ende 2022 abgeschaltet werden.

Sinn zeigt sich im Gespräch mit Focus Online erleichtert zum Umschwenken des Wirtschaftsministers: „Ein Glück, Habeck ist ja ein vernünftiger Mann.“ Es sei widersinnig, Atomkraft nicht zu nutzen, wenn die Gefahr bestehe, „dass wir nicht mehr zurechtkommen, wenn Putin uns das Gas abstellt“. Die sechs Atomkraftwerke, die 2021 noch in Betrieb waren, würden 20 Prozent mehr Strom produzieren als die photovoltaischen Anlagen. Der Ökonom warnt gegenüber dem Nachrichtenportal vor der Volatilität des Stroms aus erneuerbaren Energien, da diese auf die Wetterverhältnisse angewiesen seien. Sinn betont laut Focus Online: „Atomstrom ist ein regelbarer Strom, den man anbieten kann, wenn er gebraucht wird.“

Hans-Werner Sinn ist emeritierter Hochschulprofessor an der Ludwig-Maximilians-Universität und war von 1999 bis 2016 Chef des ifo-Instituts.

Sinn sieht kein schnelles Ende der Inflation

Ökonom Sinn warnt auch mit Blick auf die deutsche Wirtschaft: „Die Lage ist ernst, wir sind in der Hand von Herrn Putin und das macht das Ganze unkalkulierbar. Wir sind in einer Grundsituation, die sich fundamental unterscheidet von den vergangenen Jahren. Jetzt ist alles anders: Wir haben eine Pandemie, wir haben angebotsseitige Beschränkungen und wenn das Drosseln des Gases noch dazu kommt, werden die angebotsseitigen Beschränkungen noch gravierender“, sagt Sinn gegenüber Focus Online. Verbraucher müssen sich aus seiner Sicht noch lange mit der Inflation herumschlagen. (lma/dpa)

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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