„Wir lehnen jede weitere Regulierung ab“

streit um werkverträge München – Nach der Debatte um Zeitarbeit, ist ein Streit um Werkverträge entbrannt.

Gewerkschaften werfen Arbeitgebern vor, dass Werkverträge die Stammbelegschaft verdrängen. Sie fordert mehr Kontrolle und gesetzliche Regelungen. Arbeitgeber verteidigen die Fremdvergabe von Leistungen als „unverzichtbar“, um wettbewerbsfähig zu bleiben. So auch Betram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm. Er beruft sich auf die Ergebnisse einer aktuellen Studie.

Im Auftrag der bayme vbm hat Professor Axel Tuma von der Universität Augsburg, Unternehmen aus der bayerischen Metall- und Elektroindustrie befragt. Das Ziel: belastbare Daten. Wo und wann greifen die Betriebe auf Zeitarbeiter zurück oder kaufen Leistungen zu? Das Ergebnis: In rund 80 Prozent der Unternehmen erbringt das Stammpersonal mehr als 60 Prozent der Wertschöpfung. Das heißt im Umkehrschluss: Gut ein Drittel der Leistung wird durch Zeitarbeiter erbracht oder durch Dienst- und Werkverträge zugekauft.

Die Umfrage ergab außerdem, dass vor allem in den Bereichen Logistik, IT-Management, Infrastruktur und Staff Services (darunter fallen zum Beispiel die Bereiche Kantine und Werkschutz) ausgelagert wird. Neun von zehn Unternehmen gaben zudem an, in Zukunft den Anteil an fremdvergebenen Leistungen unverändert zu lassen oder zurückzufahren.

„Fremdvergabe von Leistungen ist kein Massenphänomen“, folgert Brossardt. Ein Verdrängen von Stammbelegschaft finde weder durch Zeitarbeit noch durch andere Formen der Fremdvergabe statt. Auch die vielfach geäußerte Vermutung, nach der Einführung von Branchenzuschlägen in der Zeitarbeit würden viele Unternehmen auf Werkverträge ausweichen, sei unzutreffend. „Es gibt im Arbeitsrecht keine Beschäftigten zweiter Klasse“, beteuert Brossardt. „Scheinwerkverträge, etwa als Ersatz für Zeitarbeit, sind nach geltendem Recht verboten. Die gesetzlichen Sanktionen reichen aus, um Missbrauch zu verhindern. Jede weitere Regulierung lehnen wir ab.“ Gewerkschaften sind da anderer Meinung – daran dürfte vermutlich auch die Studie der Arbeitgeber nichts ändern. manuela Dollinger

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