Wenn im Flieger das Handgepäck verlorengeht

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leser fragen – experten antworten . Christa L.: „Wie beurteilen Sie die Chance, gegen Ryanair vorzugehen?

Folgende Situation hat dazu geführt, dass ich seit Monaten vergeblich versuche, wenigstens eine Antwort zu bekommen: Auf dem Rückflug von Fuerteventura nach Hahn hatte ich meinen kleinen Fotoapparat im Handgepäck – wie es ja empfohlen wird. Leider war dann im Gepäcknetz kein Platz mehr und die Stewardess nahm meinen Handkoffer in Verwahrung. Nach der Landung bat ich um Rückgabe meines Handgepäcks und bekam zur Antwort, dieses würde ganz normal übers Gepäckband kommen. Zuhause habe ich dann gemerkt, dass die Kamera fehlt. Ich habe dann sogar Anzeige bei der Polizei erstattet und Ryanair umgehend angeschrieben. Die erste Mail wurde mit einem automatisch erstellen Schreiben beantwortet, in welchem die Fluggesellschaft ausdrücklich darauf hinweist, Wertgegenstände im Handgepäck zu verstauen, was angesichts der Situation eine Unverschämtheit ist. Alle weiteren Emails an Ryanair blieben seit der Zeit unbeantwortet.“

Ihre Chance, erfolgreich gegen Ryanair vorzugehen, hängt davon ab, ob Sie nachweisen können, dass der Verlust der Kamera auf ein Verschulden des Luftfrachtführers oder einer seiner Leute zurückzuführen ist. Ein Anspruch auf Schadensersatz für abhanden gekommenes Handgepäck ist im so genannten Montrealer Übereinkommen (MÜ) geregelt. Die entscheidende Vorschrift ist in Art. 17 Abs. 2 S. 3 MÜ festgehalten. Darin ist geregelt, dass eine Haftung für verloren gegangenes Handgepäck oder persönliche Gegenstände nur bei einer schuldhaften Schadensverursachung besteht. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass das Bordgepäck grundsätzlich in der Obhut des Reisenden bleibt.

Die Beweislast für ein Verschulden trifft somit Sie. Sie müssten also nachweisen können, dass der Luftfrachtführer oder seine Mitarbeiter, wie zum Beispiel die Stewardess, vorsätzlich oder zumindest fahrlässig den Verlust Ihrer Kamera herbeigeführt haben. Ein solcher Nachweis dürfte nur schwer möglich sein. Wir gehen davon aus, dass Sie nicht belegen können, dass das Personal des Luftfrachtführers die Kamera aus Ihrem Bordgepäck entwendet hat.

Sie können vermutlich auch nicht nachweisen, dass die Stewardess wusste, dass sich in Ihrem Bordgepäck eine Kamera befindet und ihnen zugesichert hat, deswegen ein besonderes Augenmerk auf die in Obhut genommene Tasche zu lenken. Allein die Tatsache, dass die Stewardess Ihr Bordgepäck nicht persönlich zurückgegeben, sondern an die normale Gepäckausgabe übergeben hat, kann vermutlich nicht als schuldhaftes Verhalten gewertet werden.

Sollten Sie jedoch ein schuldhaftes Verhalten nachweisen können, können Sie grundsätzlich innerhalb von zwei Jahren eine Klage auf Schadensersatz wegen des Verlustes der Kamera geltend machen.

Fragen

zu Geldanlagen, Mietrecht, Erbschaften, Steuern oder Versicherungen richten Sie bitte an die Redaktion Geld & Markt, Hafnerstraße 5-13, 83022 Rosenheim, oder per E-Mail an wirtschaft@ ovb.net

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