Weltwirtschaft droht 2016 Abkühlung

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Der moderate Aufschwung im Euroraum gilt als stabil. Die Risiken für die Exportwirtschaft bleiben – so zum Beispiel in China. Auch viele Euro-Länder dürften 2016 noch keine guten Kunden für deutsche Produkte sein. foto: Bodo Marks / dpa

In den vergangenen Jahren ließ das globale Wachstum immer weiter nach. Das wird 2016 nicht anders sein. Für Europa und Deutschland sind die Aussichten aber alles andere als schlecht.

Ausblick – Heute: Konjunktur

In den vergangenen Jahren ließ das globale Wachstum immer weiter nach. Das wird 2016 nicht anders sein. Für Europa und Deutschland sind die Aussichten aber alles andere als schlecht.

Von Gerd Hübner

München – Schon seit einigen Jahren zeigt sich das gleiche Bild: Die Vorhersagen zum Wachstum erweisen sich als zu optimistisch. Im Jahresverlauf mussten sie stets zurückgenommen werden. Das war 2015 nicht anders. Der Internationale Währungsfonds hatte noch Ende 2014 ein Wachstum der Weltwirtschaft von 3,8 Prozent prognostiziert. Tatsächlich dürften es drei Prozent gewesen sein. Damit hat sich auch in diesem Jahr der Trend eines immer schwächeren globalen Wachstums fortgesetzt. Im Jahr 2010 lag es noch bei 5,4 Prozent. Seitdem ist es sukzessive zurückgegangen.

Weltweit fehlen die Wachstumstreiber

Nach Ansicht von Alexander Krüger, Chef-Volkswirt vom Bankhaus Lampe, wird sich daran im kommenden Jahr nichts ändern. Bei nur noch 2,9 Prozent soll dann das globale Wachstum liegen. „Der Grund liegt darin, dass die Wachstumstreiber fehlen“, sagt er. „Um eine stärkere Dynamik zu erzeugen, wären in vielen Ländern Strukturreformen wie die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, der Abbau bürokratischer Hürden oder mehr Investitionen in Infrastruktur und Bildung erforderlich.“ Und die Staaten müssten sich ernsthaft darum bemühen, ihre Verschuldung abzubauen.“

Stattdessen sind es fast allein die Notenbanken, die mit ihrer extremen Niedrigzinspolitik für Impulse sorgen. Tatsächlich gibt es sonst derzeit kaum Gründe, warum sich die Weltwirtschaft stärker erholen sollte.

Schwellenländer unter Druck

Die größten Sorgen bereiten die Schwellenländer. „Wir haben in den Emerging Markets eine Vielzahl unterschiedlicher Probleme, wie Überkapazitäten, niedrige Rohstoffpreise, die die Rohstoffexporteure belastet, oder innenpolitische Konflikte“, so Krüger. Das alles belastet die Wirtschaftstätigkeit.

Dabei richten sich die Augen der Experten vor allem auf China, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Dort ist das Wachstum in den vergangenen Jahren sukzessive gesunken. Wuchs die Wirtschaft im Reich der Mitte in der vergangenen Dekade zeitweise noch mit zweistelligen Raten, so dürften es in diesem Jahr laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) nur noch 6,8 Prozent gewesen sein.

Chinas Wirtschaft legt langsamer zu

Für 2016 erwarten die Experten sogar nur noch 6,3 Prozent. Dabei sollten allerdings zwei Aspekte nicht vergessen werden: Zum einen ist der absolute Zuwachs auf Grund der höheren nominalen Wirtschaftsleistung heute ebenso groß wie vor etwa zehn Jahren. Zum anderen befindet sich die chinesische Wirtschaft in einem Transformationsprozess. Sie soll künftig weniger abhängig von Exporten und Infrastrukturinvestitionen sein, dafür stärker von der Inlandsnachfrage getrieben werden.

Eine Entwicklung, die beispielsweise die OECD begrüßt. Denn dadurch dürfte das Wachstum zwar schwächer, dafür aber qualitativ hochwertiger werden. Vorerst aber belastet die abnehmende Dynamik die Weltwirtschaft.

Experten hoffen auf Impulse aus den USA

Die größten Hoffnungen ruhen deshalb auf den USA. Die große Dynamik ist allerdings auch hier nicht zu erwarten. Zwar rechnet der IWF mit einem Zuwachs um 2,8 Prozent im Jahr 2016. Die meisten Experten sind aber pessimistischer. Gründe dafür gibt es reichlich: So belaste der niedrige Ölpreis, laut der Privatbank M.M. Warburg die Energiefirmen in den USA. Zugleich sorge der starke Dollar für einen Verlust an internationaler Wettbewerbsfähigkeit bei den US-Unternehmen.

Dazu kommt der im Dezember gestartete Zinserhöhungszyklus, der tendenziell eher für ein moderateres Wachstum spricht. Die Volkswirte von M.M. Warburg jedenfalls gehen davon aus, dass das Wachstum zwischen zwei und 2,5 Prozent liegen wird.

Doch werden die USA und die Schwellenländer angesichts der beschriebenen Herausforderungen, mit denen sie 2016 zu kämpfen haben, kaum für eine höhere weltwirtschaftliche Dynamik sorgen können. Und das gilt auch für die Eurozone. Obwohl die Voraussetzungen zunächst einmal vielversprechend klingen.

Euroraum profitiert von billigem Öl

Schließlich profitiert der Euroraum von dem niedrigen Ölpreis, der den Verbrauch ankurbelt, dem gesunkenen Außenwert des Euro, der die Exportwirtschaft unterstützt (siehe Grafiken), und der expansiven Geldpolitik, die für gute Finanzierungsbedingungen sorgt. „Dennoch“, sagt Volkswirt Krüger, „werden wir auch 2016 nur eine unterdurchschnittliche Erholung in der Eurozone sehen.“

Insgesamt geht das Bankhaus Lampe für den Euroraum von einem Wachstum von 1,4 Prozent im kommenden Jahr aus. „Das liegt unter anderem daran, dass der krisenbedingt entstandene Nachholbedarf beständig abnimmt, dass der Rohölpreis im Jahresdurchschnitt gegenüber 2015 nicht deutlich niedriger notieren dürfte und dass wir ein niedriges Lohnwachstum und eine nur träge zurückgehende Arbeitslosigkeit haben. Es fehlen schlicht die Zusatzimpulse“, fasst der Experte zusammen.

Deutsche Wirtschaft legt um 1,7 Prozent zu

Die gute Nachricht: Dieser moderate Aufschwung im Euroraum gilt als stabil. Und daran hat auch die deutsche Wirtschaft ihren Anteil. Hierzulande soll das Bruttoinlandsprodukt 2016, so die Prognose der Wirtschaftsforscher des HWWI, um 1,7 Prozent zulegen. Trotz des weltweit schwachen Wachstums steht die deutsche Wirtschaft damit gut da, wie auch einige Indikatoren zeigen. So befinden sich der ZEW-Index, der ifo-Geschäftsklimaindex oder das Verbrauchervertrauen auf hohem Niveau, während die Arbeitslosigkeit auf dem niedrigsten Stand seit Anfang der neunziger Jahre ist. Zumindest hierzulande sind die Aussichten auf das kommende Jahr also nicht schlecht.

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