Weltwirtschaft im Aufschwung

Konjunktur unter Volldampf: Besonders optimistisch sind viele Konjunkturforscher 2018 für Deutschland. Auf unserem Bild ist der Containerhafen in Hamburg zu sehen, Umschlagplatz für Waren „Made in Germany“. foto: Fabian Bimmer/reuters
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Konjunktur unter Volldampf: Besonders optimistisch sind viele Konjunkturforscher 2018 für Deutschland. Auf unserem Bild ist der Containerhafen in Hamburg zu sehen, Umschlagplatz für Waren „Made in Germany“. foto: Fabian Bimmer/reuters

Nach vielen Jahren der Enttäuschung, lief die Konjunktur 2017 wieder besser, als es die Experten erwartet hatten. Dieser Optimismus prägt auch den Ausblick auf 2018. Doch es gibt auch Risiken.

AUSBLICK 2018 – TEIL 2: Konjunktur

VON GERD HÜBNER

München – Kennen Sie das Märchen von Goldlöckchen? Dort kommt es zu der Szene, in der das Mädchen namens Goldlöckchen den Brei von drei Bären probiert. Der erste ist zu viel zu heiß, der zweite viel zu kalt. Aber der dritte, der ist genau richtig. Dieses Bild haben Ökonomen auf die Volkswirtschaft übertragen. Und den Begriff vom Goldilocks-Szenario geprägt. Es beschreibt ein konjunkturelles Umfeld, das nicht zu heiß und nicht zu kalt ist – moderates Wachstum, aber keine Inflation und keine Gefahr der Überhitzung. Und genau das haben wir derzeit.

In allen 45 Ländern der OECD soll die Wirtschaft wachsen

Dabei war der Ausblick auf 2017 gar nicht so rosig. Die meisten Volkswirte betonten vor einem Jahr die erheblichen Unsicherheiten, unter anderem in Zusammenhang mit dem neuen US-Präsidenten Donald Trump und den Folgen des Brexit. Sie sprachen von einer fragilen Weltwirtschaft und sagten ein Wachstum von 3,0 bis 3,4 Prozent voraus. Doch es kam anders. Entgegen den Erwartungen beschleunigte sich die Weltwirtschaft in diesem Jahr auf 3,6 Prozent, so zumindest die vorläufigen Schätzungen. Und der Aufschwung hat an Breite gewonnen. „Tatsächlich hatten wir selten einen so synchronen weltweiten Konjunkturaufschwung wie aktuell“, sagt Manfred Schlumberger von StarCapital. Das belegen auch Fakten: Laut Hauck & Aufhäuser wächst die Wirtschaft aller 45 OECD-Länder in diesem Jahr, für 33 werden höhere Wachstumsraten als ein Jahr zuvor prognostiziert. Ein seltenes Ereignis in den vergangenen 50 Jahren.

Und das soll anhalten. „Wir sehen derzeit nur eine geringe Wahrscheinlichkeit für eine Rezession im kommenden Jahr und rechnen mit einer Fortsetzung des weltweiten Konjunkturausschwungs“, sagt Andrew Bosomworth von Pimco. In der Tat geht der IWF von einem globalen Wachstum in Höhe von 3,7 Prozent in 2018 aus, die Experten von MM Warburg erwarten sogar ein Plus von vier Prozent. Dafür sprechen aktuell auch die Frühindikatoren. So bewegt sich der ifo-Konjunkturindex derzeit auf dem höchsten Niveau seit 2011, während der OECD-Frühindikator sowie die Einkaufsmanagerindizes in den USA und der Eurozone weiter stabiles Wachstum signalisieren. „Tatsächlich deutet das auf eine Fortsetzung des Aufschwungs hin“, urteilt Schlumberger.

Dabei spielen die USA als größte Volkswirtschaft der Welt eine wichtige Rolle. Die Volkswirte von MM Warburg rechnen in 2018 mit einem Plus von 2,6 Prozent, nach 2,3 Prozent in diesem Jahr. Ein Grund für Optimismus ist dabei die zu erwartende Steuerreform. Werden die Unternehmenssteuern gesenkt, würde dies den US-Firmen zugutekommen und die Investitionen anschieben. Zugleich bewegt sich die Arbeitslosigkeit in den USA bei nur 4,1 Prozent, was wiederum positiv auf den Konsum wirkt.

USA: Sinkende Arbeitslosigkeit birgt auch Risiken

Doch liegt gerade in der niedrigen Arbeitslosigkeit auch ein Risiko. „So könnte es für Firmen zunehmend schwieriger werden, die benötigten Arbeitskräfte zu rekrutieren“, wie Axel Angermann von Feri in einem aktuellen Kommentar anmerkt. Das wiederum könne zu steigenden Löhnen und zu einem Anspringen der Inflation und der Inflationserwartungen – zumindest in den USA – führen. Und letztlich die Zentralbank, die bislang sehr umsichtig bei ihrem Ausstieg aus der extrem expansiven Geldpolitik vorgegangen ist, dazu zwingen, die Zinsen schneller und stärker anzuheben, als erwartet. „Die Gefahr steigt also, dass die Notenbank überzieht und steigende Zinsen dem Aufschwung ein Ende bereiten“, so Angermann.

Dieses Risiko besteht indes in der Eurozone weniger, da dort die Konjunktur ein gutes Stück hinter der Entwicklung in den USA zurück ist. Aber auch hier ist die wirtschaftliche Entwicklung so gut wie lange nicht. Die wirtschaftliche Belebung hat selbst ehemalige Krisenländer wie Griechenland oder Portugal und langjährige Sorgenkinder wie Frankreich und Italien erreicht, wie die Volkswirte von MM Warburg schreiben. Zudem verfolgt die Europäische Zentralbank noch einen deutlich expansiveren Kurs als die Währungshüter auf der anderen Seite des Atlantiks, was wiederum ebenfalls den Aufschwung unterstützt. Insgesamt rechnen die Volkswirte von MM Warburg nach 2,3 Prozent in diesem Jahr für 2018 mit einem Wachstum in der gleichen Größenordnung.

Prognosen für Deutschland angehoben

Besonders optimistisch sind viele Konjunkturforscher für Deutschland. Die meisten Volkswirte haben zuletzt ihre Wachstumsprognose angehoben. So gehen die Experten des Münchener ifo-Instituts von einem Plus von 2,6 Prozent aus, nach voraussichtlich 2,0 Prozent in diesem Jahr. Zugleich ist die Arbeitslosigkeit hierzulande mit nur noch 5,3 Prozent auf den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung gesunken.

Und schließlich scheinen auch die Schwellenländer ihre Wachstumsschwäche der vergangenen Jahre überwunden zu haben. Nach einem Zuwachs von 4,6 Prozent in diesem Jahr, sollen es 2018 laut dem IWF 2,9 Prozent sein. Dabei, und das ist besonders wichtig, geht der Großteil der Wachstumsprognosen im Großen und Ganzen mit „geringer, allmählich steigender Inflation“ einher, wie Bosomworth klar macht. Zwar weist er auch darauf hin, dass „die Jahre 2017 und 2018 den Gipfel dieses Konjunkturzyklus markieren“. Doch vorerst scheint das Goldilocks-Szenario kaum etwas stören zu können.

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