Welche Heizung zu wem passt

Holzpellets: Im Privatbereich werden Pelletheizungen häufig als Ersatz für eine alte Ölheizung installiert. Sie sind günstiger und umweltfreundlicher. Foto: PAntherMedia

Wer vorhat, seine Heizung zu modernisieren, steht vor einer Vielzahl von Möglichkeiten. Wir geben einen Überblick.

Energie und Wärme

Von Christian Marxt

Es kann viele Gründe geben, die alte Heizung auszutauschen: etwa weil sie aufgrund ihres Alters den gesetzlichen Vorgaben nicht mehr entspricht, weil sie zu viel Öl oder Gas verbraucht oder weil sich eine Reparatur nicht mehr lohnt. Wenn es einmal so weit ist, steht man vor einer weitreichenden Entscheidung: Welches Heizsystem ist das richtige für mein Haus?

„In jedem Fall sollte man sich vorher unabhängig und kompetent beraten lassen“, sagt Gisela Kienzle, Energieberaterin bei der Verbraucherzentrale Bayern. Dennoch gibt es einige Anhaltspunkte, welcher Heizungstyp für welche Bedürfnisse geeignet ist.

Brennwertkessel für Gas oder Öl

Beim Brennwertkessel wird zusätzlich zum Heizwert die entstehende Abgaswärme genutzt. Dadurch erreicht er eine hohe Effizienz. „Der Brennwertkessel ist die Standardtechnik unter den Heizsystemen. Sie eignet sich für eine Vielzahl von Gebäudearten – von klein bis groß“, sagt Kienzle. Fällt die Entscheidung auf einen Brennwertkessel, muss der Energieträger ausgewählt werden: Öl oder Gas. Beim Gas ist kein Tank notwendig, wodurch dessen Wartungskosten entfallen. Ob ein Gasanschluss möglich ist, muss beim Energieversorger erfragt werden. Die Kosten für die Neuanschaffung liegen laut Kienzle für ein durchschnittliches Einfamilienhaus in München bei etwa 10 000 bis 15 000 Euro.

Als Nachteile führt Kienzle auf, dass sowohl Erdöl als auch Gas fossile Brennstoffe sind, deren Verbrennung Kohlenstoffdioxid ausstößt. Zudem braucht ein Öltank meist viel Platz und bei zu hohen Rücklauftemperaturen wird der Kessel durch Schwefelrückstände verunreinigt. Manchmal müssen bei der Modernisierung auch Kamin und Heizkörper ausgetauscht werden.

Fernwärmeanschluss mit Wärmetauscher

Fernwärme wird in einem Heizwerk – meist durch Biogas, Erdwärme oder Wasserkraft – erzeugt und über Fernwärmeleitungen in die angeschlossenen Häuser geleitet. Im Haus befindet sich ein Wärmetauscher als Übergabestation. Im Vergleich zu Öl- oder Gasheizungen entfallen somit Heizkessel, Schornstein und die damit verbundenen Reparatur- und Wartungskosten.

Die Fernwärmelieferung ist direkt beim Energieversorger zu bezahlen. Die Kosten setzen sich zusammen aus dem Arbeitspreis pro Kilowattstunde, der Abnahmemenge und dem Grundpreis, abhängig von der bestellten Wärmeleistung. Neben dem Brennstoffpreis verrechnet der Anbieter auch die Investitions- und Verwaltungskosten sowie den eigenen Gewinn. Laut Kienzle liegt hier der Nachteil: „Die Verträge mit Fernwärmeanbietern werden für lange Zeiträume geschlossen. Sinkt der Energiepreis in der Zwischenzeit, kann sich der Abnehmer nicht darauf berufen.“

Für die Kosten und die Umweltbilanz ist es entscheidend, wie die Wärme für das Fernwärmenetz gewonnen wird und welche Verluste bis zum Abnehmer anfallen. Bei gut gedämmten, kompakten Netzen betragen die Verluste nur wenige Prozent. Gut für das Klima ist es, wenn die Fernwärme aus industrieller Abwärme oder erneuerbaren Energiequellen wie Wärmepumpen oder thermischen Solaranlagen stammt. „Fernwärmeanschlüsse bieten sich beispielsweise für Reihenhaussiedlungen oder Eigentümergemeinschaften an“, erklärt Kienzle. „Die verschiedenen Parteien können sich dann etwa eine gemeinsame Erdwärmeanlage teilen.“ In manchen Neubaugebieten auf dem Land besteht sogar ein Zwang zur Fernwärme-Abnahme. Dort werden kommunale Biogasanlagen oft gemeinsam genutzt.

Heizen mit Holzpellets

Pellets werden aus getrockneten, unbehandelten Holzresten ohne Zugabe von chemischen Bindemitteln gepresst. Da sie einen niedrigen Wasser- und Aschegehalt haben, verbrennen sie sauber und komfortabel, erklärt Martin Bentele vom Deutschen Energieholz- und Pellet-Verband. „Der Energiegehalt von zwei Kilogramm Pellets entspricht ungefähr dem eines Liters Heizöl.“

Pelletheizungen gibt es mit Kaminöfen oder Kessel für bis zu fünf Megawatt Leistung. „Im Privatbereich werden sie häufig als Ersatz für eine alte Ölheizung installiert“, sagt Bentele. „Aber auch Kombinationen sind möglich“, ergänzt Kienzle. Entscheidend ist hier oft die Platzfrage: Leistet man sich einen Lagerraum im Keller mit automatischer Bestückung oder heizt man per Hand mit Pellets aus 15-Kilo-Säcken?

Die Verbraucherzentrale Bayern empfiehlt, vor einem Umbau den Kaminkehrer zu fragen, ob der vorhandene Kamin für eine Pelletheizung genutzt werden kann und ob der Ofen oder Kessel auch zukünftig die Abgasvorschriften erfüllen wird. Denn schließlich muss der Kaminkehrer die neue Anlage später abnehmen.

Die Installationskosten sind im Schnitt höher als für Öl- oder Gasheizungen. „Allerdings zahlen sie sich in der Regel durch konstant niedrige Pelletpreise nach einigen Jahren ab“, erklärt Kienzle. Zudem seien Pellets umweltfreundlicher als Öl oder Gas.

Wärmepumpe durch elektrischen Strom

Hinter der Wärmepumpe steckt die Idee, Umweltwärme für den Wohnraum zu nutzen. Sie eignet sich für gut gedämmte Neubauten. Besonders effektiv arbeitet eine Wärmepumpe, wenn sie ganzjährig eine Wärmequelle mit relativ hohen Temperaturen nutzen kann, wie es beim Grundwasser und Erdreich der Fall ist.

Für beide Nutzungen benötigt man jedoch eine Genehmigung vom Wasserwirtschaftsamt. Hier empfiehlt Kienzle das Ausschlussprinzip: „Ist die Genehmigung nicht möglich, kann man die Idee schnell beiseitelegen.“ Die Energieberaterin erklärt, dass man auf Basis der errechneten Jahresarbeitszahl feststellen könne, ob sich eine Wärmepumpe lohne. Die Zahl sagt aus, wie viel Strom für welche Wärme aufgewendet werden muss. Wenn eine Kilowattstunde elektrischer Strom für die Gewinnung von vier Kilowattstunden Wärmeenergie ausreicht, spricht man von einer hohen Energieeinsparung. Bei falscher Auslegung der Heizung kann es jedoch zu sehr hohen Stromkosten kommen und die gut gemeinte Wärmepumpe wird zur Umweltbelastung. Ein externer Fachplaner kann die Berechnungen des Heizungsbauers überprüfen.

Kombination mit Sonnenenergie

Viele Häuser verfügen mittlerweile über Solaranlagen. Dabei gibt es grundsätzlich zwei unterschiedliche Typen: Photovoltaikmodule auf dem Dach, die Strom erzeugen, und Solarkollektoren, die aus der Sonneneinstrahlung Wärme gewinnen. Beide Systeme können mit anderen Heizungssystemen kombiniert werden. Beispielsweise lässt sich der durch die Photovoltaikanlage gewonnene Strom direkt in die Wärmepumpe einspeisen.

Ob der Einsatz von Solarenergie Sinn macht, hängt von vielen Faktoren ab, etwa der Gebäudeausrichtung, der Sonneneinstrahlung, dem Stromverbrauch oder auch den aktuellen Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten. Als Hilfestellung bietet die Verbraucherzentrale persönliche Solar-Checks an.

Blockheizkraftwerk und Brennstoffzelle

Als weitere Möglichkeit nennt Kienzle das Mini-Blockheizkraftwerk. Dort entsteht neben der Wärmeenergie elektrischer Strom für das Haus. Es lohnt sich jedoch nur bei hohen Betriebsstundenzahlen und wird deshalb für Mietshäuser empfohlen, wo der Warmwasserbedarf hoch ist.

Mitunter könnte auch der Einsatz einer Brennstoffzelle im Heizungssystem interessant sein. Dabei wird Erdgas in elektrischen Strom umgewandelt – bisher allerdings nur im überschaubaren Rahmen. Die umgewandelte Energie kann jedoch eingesetzt werden, um ein Elektroauto aufzuladen.

„Nicht zuletzt ist die Wahl der Heizung auch eine Frage der Einstellung“, sagt Kienzle. „Während dem einen beim Gedanken an eine Gasheizung aus Angst vor einem Leck mulmig wird, scheut der andere den körperlichen Aufwand eines Holzofens.“

Zur Orientierung

bietet die Verbraucherzentrale das Handbuch „Ratgeber Heizung“ an (für 19,99 Euro bestellbar unter www.ratgeber-verbraucherzentrale.de). Eine individuelle Beratung durch einen Experten ist meist jedoch unverzichtbar. Die Verbraucherzentrale steht unter der 0800 / 809 802 400 (kostenlos) für Fragen und die Vereinbarung einer persönlichen Beratung zur Verfügung.

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