Warum sich Studieren nicht immer lohnt

Bildung kostet Zeit und Geld, doch sie macht sich bezahlt – im Schnitt mit höheren Einkommen. Besonders lukrativ ist ein Medizinstudium. Doch nicht immer ist ein Uni- Besuch die beste Wahl.

Frankfurt – Bildung zahlt sich aus – mit höheren Einkommen und einem geringeren Risiko, arbeitslos zu werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Ifo-Instituts im Auftrag der Fondsgesellschaft Union Investment. Dabei muss es nicht immer ein Studium sein – entscheidend ist vielmehr die Wahl des Faches.

Am lukrativsten ist der Untersuchung zufolge ein Medizinstudium. Es bringt Männern nach Abzug der Kosten – einschließlich des Einkommensausfalls während des Studium – auf das gesamte Erwerbsleben gerechnet im Schnitt ein um 983 038 Euro höheres Einkommen als eine Berufsausbildung (siehe Grafik). Ein Jura-Abschluss schlägt bei Männern durchschnittlich mit 656 992 Euro zu Buche, Wirtschaftswissenschaftler kommen auf ein Plus von über 500 000 Euro.

Generell fallen die Steigerungen bei Männern höher aus als bei Frauen. „Wichtige Gründe für die niedrigeren Werte bei den Frauen dürften in der häufigeren Teilzeitbeschäftigung und dem tendenziell niedrigeren Lohnniveau liegen“, schreiben die Autoren. Grundsätzlich gilt aber auch für Frauen: Im Schnitt zahlt sich das Studium im Vergleich zur Lehre aus. Ein Votum für ein Studium also?

Nicht unbedingt: „Nicht jedes Studium ist per se lohnender als etwa der Weg über eine Lehre zum Meister- oder Technikerabschluss“, heißt es. „Wir beobachten deutliche Unterschiede bei den Einkünften zwischen den Berufszweigen und Studienrichtungen“, sagt Ifo-Experte Ludger Wößmann. Das Lebenseinkommen eines Meisters mit gut laufendem Betrieb könne das eines Hochschulabsolventen deutlich übersteigen.

Das liegt auch an der Wahl der Studienrichtung. So kommt ein Sozialarbeiter gerade mal auf ein Plus von durchschnittlich 19 737 Euro beim Lebenseinkommen gegenüber einer Lehre, ein Kunstwissenschaftler hat im Schnitt 73 775 Euro mehr. Eine Ausbildung zum Meister oder Techniker bringt im Mittel 130 000 Euro netto mehr als eine Lehre.

Es kommt aber immer auch darauf an, wo man arbeitet. Je nach Region schwanken die monatlichen Nettoeinkommen. Der Studie zufolge verdient ein Meister oder Techniker im Bundesdurchschnitt 2378 Euro im Monat, in Oberbayern erzielen Meister ein Nettoeinkommen von durchschnittlich 2728 Euro.

Auch nach einer abgeschlossenen Lehre hängt der Monatslohn stark von der Region ab, in der man arbeitet: So erreichen Arbeitnehmer mit einer Berufsausbildung in Oberfranken ein durchschnittliches Nettoeinkommen von 1810 Euro, in Oberbayern sind es 2115 Euro. „Damit liegt Oberbayern im bundesweiten Vergleich auf dem dritten Rang“, schreiben die Autoren.

Für Akademiker gilt: Das Risiko, in Bayern mit einem Uni-Abschluss arbeitslos zu werden, ist geringer als im Rest der Republik. Es liegt zwischen 0,5 Prozent in Niederbayern und 1,9 Prozent in Schwaben. „Bildung senkt das Arbeitslosigkeitsrisiko auch in Bayern deutlich und ist daher die beste Arbeitslosenversicherung“, heißt es in der Studie. dpa/seh

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