Wann die Vorsorgevollmacht beurkundet werden muss

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Dr. Barbara SchrammFachanwältin für Familienrecht München

Leser Fragen – Experten antworten . Michaela F.

: „ Meine Eltern und ich (sind wohnhaft in München, auch ich bin Münchnerin, lebe aber in der Schweiz) haben im Internet das Formular für die Vorsorgevollmacht gefunden, ausgedruckt und ausgefüllt. Dies nach den vielen Meldungen im Fernsehen, wonach, wenn eine Vormundschaft nötig wird, ein gesetzlicher Vormund vom Amt bestimmt und nicht mehr das eigene Kind automatisch Vormund wird. Bei unseren Recherchen im Internet sind wir auf eine Anmerkung gestoßen, dass eine Vorsorgevollmacht – sofern Wohneigentum oder Landbesitz besteht – nur dann rechtsgültig ist, wenn sie notariell beglaubigt wird. Meine Eltern besitzen eine Eigentumswohnung in München und daher ist unsere Frage, ob wir die Vorsorgevollmacht notariell beglaubigen lassen müssen, wenn ich als Tochter nicht nur über das weitere Vorgehen in einem evtl. Pflegefall, sondern in diesem Zusammenhang auch über das weitere Vorgehen bzgl. der Eigentumswohnung entscheiden soll.

Sie müssen zwischen notarielle Beglaubigung und notarieller Beurkundung unterscheiden. Mit der notariellen Beglaubigung bestätigt der Notar lediglich dass Ihre Eltern die Unterschrift auch tatsächlich selbst geleistet haben. Die notarielle Beglaubigung ist aber nicht ausreichend für „Grundstückgeschäfte“. Dafür muss die Vorsorgevollmacht notariell beurkundet werden. Dabei muss der Notar die Geschäftsfähigkeit Ihrer Eltern feststellen und Ihre Eltern über die Tragweite der Vorsorgevollmacht belehren.

Wenn Grundstücke oder Immobilien verkauft oder gekauft werden sollen ist eine notarielle Beurkundung zwingend erforderlich (§ 311b BGB), sonst können Sie über die Wohnung Ihrer Eltern nicht verfügen. Sie können ohne ein notariell beurkundete Vollmacht aber z.B. auch keine Kredite abschließen bzw. die Wohnung mit Grundschuld oder Hypothek als Sicherheit für einen solchen Kredit belasten, die Sie evtl. benötigen, um die Kosten Ihrer Eltern zu bezahlen, aber vermeiden können, dass Sie die Wohnung verkaufen müssen.

Banken bestehen zudem oft auf die Vollmachten auf ihren eigenen Vollmachtsformularen oder jedenfalls auf eine notariell beglaubigte Vollmacht. Die notarielle Beglaubigung kostet zwischen 20 und 70 Euro, die Beurkundung löst höhere Kosten aus, da die Gebühren vom Vermögen Ihrer Eltern abhängen.

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