Wann ein Mietvertrag zustande kommt

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Agnes S.: „Ich bin seit 2005 im Besitz einer Eigentumswohnung. Diese wird seit diesem Zeitpunkt von meiner Tochter ohne eine monatliche Mietzahlung (sie bezahlt monatlich 120 Euro Nebenkosten) bewohnt. Wir haben keinen Mietvertrag erstellt und wir hatten auch nie etwas bei der Steuererklärung geltend gemacht. Ist das steuerlich so in Ordnung oder kann das Finanzamt hier einen Pauschbetrag für die Miete ansetzen?“

In der Regel schließen Mieter und Vermieter zwar aus Beweisgründen einen schriftlichen Mietvertrag, dies ist aber nicht zwingend notwendig. Ein Mietvertrag kann auch mündlich zustande kommen, vorausgesetzt, Mieter und Vermieter sind sich einig, dass sie einen Mietvertrag abschließen wollen. Wichtig ist auch, dass sie sich über die wesentlichen Vertragsbestandteile geeinigt haben. Bei einem Mietverhältnis sind dies insbesondere das Mietobjekt, die Miethöhe und der Beginn des Mietvertrags. Ich gehe davon aus, dass Sie und Ihre Tochter sich mündlich über alle wesentlichen Vertragsbestandteile geeinigt haben, also ein Mietvertrag zustande gekommen ist. Dieser Mietvertrag hat die Besonderheit, dass Ihre Tochter zwar keine Miete, aber die anfallenden Betriebskosten an Sie zahlt. Diese Vereinbarung hat Auswirkungen auf Ihre Steuererklärung. Denn Einkünfte aus einer Vermietung unterliegen der Einkommensteuer. Zu diesen Einkünften gehört nicht nur die Miete, sondern auch die Vorauszahlungen, die Sie von Ihrer Tochter für die anfallenden Betriebskosten erhalten. Diese Zahlungen müssen Sie in Ihrer Steuererklärung als Einkünfte angeben, gleichzeitig können jedoch die angefallenen Betriebskosten als Werbungskosten steuermindernd geltend gemacht werden. Einen Pauschbetrag für die Miete setzt das Finanzamt dagegen nicht an.

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