US-Sammelklage nun auch gegen BMW

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Auch für BMW wird es ungemütlich. Erst vergangene Woche gab es eine staatsanwaltliche Durchsuchungsaktion in der Konzernzentrale, jetzt liegt eine Klage vor. foto.: Klaus Haag

Eine US-Anwaltskanzlei hat gegen die Bayern Sammelklage wegen überhöhter Abgaswerte eingereicht. BMW ist damit der sechste Autobauer, der deshalb verklagt wird.

abgas-Affäre

von thomas Magenheim-hörmann

München – Für den in Sachen Abgasmanipulation lange als unbescholten geltenden Premiumhersteller BMW wird die Lage immer ungemütlicher. Eine Woche nach einer Abgas-Razzia am Münchner Firmensitz hat in den USA eine auf Sammelklagen spezialisierte US-Kanzlei ein solches Verfahren nun auch gegen BMW eingeleitet. Die Rechtsanwälte von Hagens Bergman werfen den Bayern vor, bei zehntausenden in den USA verkauften Dieselautos des Geländewagenmodells X5 sowie einer Variante der 3er-Reihe per Betrugssoftware auf der Straße für weit überhöhte Schadstoffwerte gesorgt zu haben.

BMW schweigt dazu mit Verweis auf das laufende Verfahren. Zuletzt haben die Münchner aber stets betont, nicht zu manipulieren und alle Gesetze einzuhalten. Die Kanzlei verweist in ihrer im US-Bundesstaat New Jersey eingereichten Klage auf Stickoxidwerte der beiden beanstandeten Modellreihen, die BMW zwischen 2009 und 2013 in den USA verkauft hat. Sie hätten um das bis zu 27-fache über den geltenden US-Grenzwerten gelegen.

„Niemand hätte diese Autos gekauft, wenn BMW die Wahrheit erzählt hätte“, argumentiert Anwalt Steven Bergman. Leistung und Spritverbrauch würden nur wie vom Hersteller versprochen eingehalten, wenn die Abgaskontrolle gedrosselt oder ganz abgeschaltet ist. Das geschehe, sobald die Software registriert, dass der jeweilige Wagen nicht in einem Testumfeld läuft. Dann aber steige der Schadstoffausstoß an.

Während der X5 in den USA ein Bestseller ist, trifft das auf den ebenfalls in der 250 Seiten umfassenden Klageschrift genannten BMW 330d nicht zu. Was die US-Anwaltskanzlei dazu bewogen haben könnte, sich auf diese beiden Modelle und den Zeitraum 2009 bis 2013 zu konzentrieren, ist auch Insidern derzeit unklar. Das gilt auch für die Klagesummen, um die es gehen könnte.

Hagens Bergman hatten zuvor bereits gegen Fiat Chrysler, General Motors, Daimler, Ford und vor allem VW eingereicht. Zur Kasse gebeten wurden in den USA aber bislang nur die Wolfsburger, bei denen Abgasmanipulationen schon 2015 aufgeflogen sind. An Entschädigungen und Strafzahlungen musste VW in den USA bislang knapp 19 Milliarden Euro berappen. Angesichts der jeweiligen Dimension in den USA betroffener Diesel-Fahrzeuge, liegt das finanzielle Drohpotenzial für die Bayern klar unter VW-Niveau.

In keinem direkten Zusammenhang steht die jetzige US-Sammelklage mit der Razzia bei BMW vorige Woche. Rund 100 Beamte hatten dabei die Münchner Konzernzentrale, das dortige Entwicklungszentrum sowie einen Standort in Österreich gefilzt, um umfangreiches Beweismaterial zu beschlagnahmen. Dabei ging es um einen von BMW selbst Ende Februar gegenüber dem Kraftfahrtbundesamt gemeldeten Vorfall. Nach Darstellung von BWM wurde dabei eine für Geländewagen der X-Reihen entwickelte Software irrtümlich bei Modellen der 5er- und 7er-Reihe aufgespielt, was die Abgasreinigung auf der Straße und auf Prüfständen teils außer Kraft gesetzt hat. Mit dieser Erklärung haben sich KBA und vor allem die Staatsanwaltschaft aber nicht zufrieden gegeben. Klar ist aber, dass von der US-Klage und der Razzia in Deutschland unterschiedliche Modelle betroffen sind.

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare