US-Anleger feiern Trump

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Der Dow Jones ist der Leitindex in den USA: Charles Henry Dow und Edward D. Jones schufen ihn im Jahr 1884, um die Kurstendenz an der Wall Street mit einer Auswahl von 30 Großunternehmen messbar zu machen. Gestern sprang der Index über 20 000 Punkte – zur Freude der Händler, die bereits die passenden Mützen zur Hand hatten. R. drew / dpa

Rund neun Prozent hat der wichtigste US-Börsenindex seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten zugelegt. Dabei hatten die Märkte dem Republikaner zunächst viel Skepsis entgegengebracht. Und heute: Der Dow-Jones-Index knackt erstmals die Marke von 20 000 Punkten.

Dow Jones über 20 000 Punkte

Von Achim Jüngling, Michael Schilling und Timo Hausdorf

New York/Frankfurt – Donald Trump wird es schon richten. Dies scheint derzeit die Devise an der Wall Street zu sein, auch wenn der 45. US-Präsident umstritten ist. Wenige Tage nach seiner Amtseinführung knackte der wohl bekannteste Aktienindex der Welt – der US-Leitindex Dow Jones Industrial – nun zum ersten Mal in seiner Geschichte die Marke von 20 000 Punkten. Seit dem Sieg des Immobilienmagnaten beim Rennen ums Weiße Haus im November 2016 legte der Dow mit dem Erreichen dieser Marke damit um satte 9 Prozent zu.

Mit diesem Sprung lässt er zudem wichtige Aktienindizes anderer Länder klar hinter sich. So ist der deutsche Leitindex Dax von seiner Bestmarke bei 12 390 Punkten derzeit noch rund 5 Prozent entfernt – obwohl deutsche Aktien in den vergangenen Wochen insgesamt deutlich aufgeholt haben und der Dax mit rund 11 806 Zählern gestern so hoch stand wie zuletzt im Mai 2015 (plus 1,82 Prozent).

Als Ausgangspunkt des Kursfeuerwerks an der Wall Street gilt vor allem der US-Wahlsieg von Donald Trump. Der Aufschwung galt dabei zunächst als erstaunlich, hatten doch vor der Entscheidung nur die wenigsten mit einer Euphorie im Falle eines Erfolgs des Republikaners gerechnet. Stattdessen wurden Kursstürze prognostiziert und Trump wegen seiner Unberechenbarkeit als die schlechtere Alternative zu seiner Konkurrentin Hillary Clinton von den Demokraten gesehen.

Die alte Börsenweisheit „Politische Börsen haben kurze Beine“ sollte sich aber auch dieses Mal bewahrheiten. Die Märkte stellten sich auf die neuen Verhältnisse ein. Die von Anlageprofis gehasste Unsicherheit war verschwunden. Frischer Schwung hielt Einzug. Anleger setzen dabei vor allem auf eine wirtschaftsfreundliche Politik unter Trump, der milliardenschwere Investitionen in die Infrastruktur und weniger Regulierung in Aussicht stellte.

Für den Sprung über die 20 000 Punkte reichte dieser Schwung aber zunächst nicht aus. Nach der Euphorie war in den zurückliegenden Wochen unter den Anlegern wieder die Skepsis gewachsen. Seit Mitte Dezember hatten sie wegen der Frage gezögert, wie viele seiner Ankündigungen Trump wohl tatsächlich in die Tat umsetzen könne. Eine enttäuschende Pressekonferenz hatte die Erwartungen dabei zusätzlich gedämpft. Experten hatten die vagen und nur punktuellen wirtschaftlichen Aussagen des Republikaners bemängelt.

Einige Börsianer hatten zuvor nach den anfänglichen Kursgewinnen auch schon vor übertriebener Euphorie gewarnt. „Die Sorglosigkeit und völlige Entspanntheit rund um Donald Trump ist schon auffällig“, sagte Daniel Saurenz von Feingold Research, nachdem es der Dow schaffte, in wenigen Wochen mehr als 2000 Punkte zuzulegen. Risiken seien dabei ausgeblendet worden. Gleichwohl merkte Saurenz an, dass runde Marken wie die 20 000 Punkte selten im ersten Schwung dauerhaft überwunden würden.

Uwe Eilers von der Geneon Vermögensmanagement sprach denn auch von reichlich Vorschusslorbeeren für Donald Trump. Allerdings wurden kleinere Rückschläge von Anlegern in den vergangenen Wochen auch immer zum Nachkauf genutzt. „Es ist erstaunlich, wie weit die Euphorie über die Wahl von Donald Trump reicht“, meint auch Händler Andreas Lipkow.

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