Wie unabhängig sind Pflege-Gutachter?

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Medizinischer Dienst München – Wie unabhängig beurteilt der Medizinische Dienst der Krankenversicherung Patienten?

Laut „Report Mainz“ gibt es enge Verstrickungen zwischen MDK und Krankenkassen. So sitzen in neun von 15 medizinischen Diensten hauptamtliche Krankenkassen-Funktionäre in den Verwaltungsräten. „Das gefährdet die Unabhängigkeit“, sagte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach dem ARD-Politikmagazin.

Der mögliche Interessenskonflikt: Der MDK wird zwar von den Kassen finanziert, die Gutachter sind aber per Gesetz verpflichtet, unabhängig zu entscheiden, welche Leistungen Patienten erhalten. Doch in Sachsen und Saarland zum Beispiel sitzt auf fast jedem zweiten Verwaltungsratsposten ein hauptamtlicher Kassen-Vertreter. „Das ist von hohem Nachteil für die Patienten“, sagte der Gesundheitsrechtler Ingo Heberlein. „Report Mainz“ zeigte den Fall einer Seniorin, deren Pflegestufe abgelehnt wurde. Mit Hilfe einer Beraterin klagte sie – ein neues Gutachten attestierte der Frau eine „erhebliche Pflegebedürftigkeit“. Der Verdacht: Der MDK entscheide nicht im Sinn der Versicherten, sondern der Pflegekassen.

Vom MDK Bayern werden jährlich 1,6 Millionen Aufträge abgearbeitet – 8000 Widersprüche werden eingelegt. „Wir korrigieren uns etwa 100 mal im Jahr“, sagt Geschäftsführer Reiner Kasperbauer. In seinem Dienst sind zwei von 14 Verwaltungsräten hauptamtliche Kassen-Mitarbeiter. „Sie haben beide keine operative Verantwortung“, sagt er. Im Gremium sitzt auch Helmut Platzer, Chef der AOK Bayern – er habe aber ebenfalls kein Stimmrecht. „Wir sind unabhängig“, betont Kasperbauer. Es sei ihm aber klar, dass das Versicherten, deren Anträge abgelehnt werden, schwer vermittelbar sei. Kasperbauer selbst ist seit elf Jahren beim MDK Bayern – auch er war früher bei einer Krankenkasse, machte nach Amtsantritt aber zwei Mediziner zu seinen Stellvertretern. Er plädiere dafür, Vertreter von Angehörigen und Pflegern in den Verwaltungsrat zu holen. Eventuell ändert sich an der Zusammensetzung tatsächlich etwas: Bundesgesundheitsminister Gröhe will laut „Report Mainz“ die Regelung zu den Verwaltungsräten der medizinischen Dienste überprüfen. Carina Lechner

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