Überdurchschnittlich viel gezahlt

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Der Milchpreis liegt aktuell bei teils unter 30 Cent. Neben dem russischen Importstopp machen Molkereien auch die sinkende Nachfrage verantwortlich. Foto dpa

Teilweise unter die Marke von 30 Cent ist der Milchpreis aktuell gesunken. Den Wegfall der Milchquote zum 1. April machen Molkereien in der Region für die Preisentwicklung aber nicht verantwortlich.

Rosenheim - Ob Käserei- und Joghurtprodukte oder Butter, sie alle werden aus dem Rohstoff Milch gemacht - der Milchpreis ist jedoch teils unter 30 Cent gesunken. "Es ist richtig, dass der Milchpreis in den meisten Regionen Deutschlands die 30-Cent-Marke unterschritten hat. In Niederesachsen und Schleswig-Holstein liegt der Preis um zirka drei Cent darunter, Meggle hat im ersten Halbjahr im Durchschnitt knapp 32 Cent bezahlt und liegt zur Jahresmitte bei 30 Cent", sagt Thilo R. Pomykala, Geschäftsleitung Consumer Products, Marketing, Vertrieb, Produktentwicklung bei Meggle. Somit habe das Unternehmen im ersten Halbjahr einen Milchpreis bezahlt, der über dem Durchschnitt lag.

Im Juni haben 908 aktive Landwirte das Unternehmen mit Sitz in Wasserburg täglich mit zwischen 670000 und 720000 Kilogramm Rohmilch beliefert. "Wir beziehen die Milch grundsätzlich aus kontrollierter bäuerlicher Herkunft aus dem bayerischen Alpen- und Alpenvorland." Das Quotenende habe für Meggle bisher keine mengenmäßigen Auswirkungen.

Auch die Molkerei Berchtesgadener Land rechnet nicht mit einer "Milchwelle". "Sie wird bei unserer Molkereigenossenschaft in Piding ausbleiben, da sich die Landwirte bereits in den vergangenen fünf Jahren auf dieses Marktszenarium durch kontinuierliche Milchmengensteigerung vorbereitet haben", sagt Geschäftsführer Bernhard Pointner. Die Molkerei habe in den vergangenen Jahren konsequent in Logistik- und Produktionskapazitäten investiert und neue Arbeitsplätze im In- und Ausland erschlossen. "Damit waren und sind wir bezüglich der Verarbeitung und Vermarktung sehr gut vorbereitet auf die erwartete steigende Milchmenge."

Der Auszahlungspreis für die aktuell 1815 Landwirte, die täglich rund 800000 Kilogramm Rohmilch pro Tag an die Molkerei liefern, liegt mit derzeit 38 Cent Netto über dem von Meggle gezahlten Preis. "Seit Jahren zahlen wir einen überdurchschnittlich hoher Milchpreis an unsere Landwirte. Die Milcherzeugung in der Bergregion ist nur zu deutlich höheren Kosten und mit einem höheren Aufwand möglich im Gegensatz zur Milcherzeugung im Flachland." Die Bergbauernhöfe, die die Molkerei Berchtesgadener Land beliefern, liegen entlang des Alpennordkamms zwischen Watzmann und Zugspitze.

Um nach zwei außerordentlich guten Jahren, in denen der Milchpreis ununterbrochen hoch lag, auch beim aktuell einbrechenden Markt einen fairen Preis zahlen zu können, waren sich Geschäftsführung, Vorstand und Aufsichtsrat einig gewesen, wenn nötig auch geplante Investitionen in der Molkerei zurückzustellen. "Mit einem fairen Milchpreis für unsere Landwirte können wir die kleinbäuerliche Milchviehwirtschaft und damit die Natur- und Kulturlandschaft in der Berg- und Alpenregion erhalten", so Pointner.

Den Wegfall der Milchquote machen die Molkereien nicht für die aktuelle Lage am Milchmarkt verantwortlich. "Neben der nach wie vor deutlich gestiegenen weltweiten Milchanlieferung sind vielmehr der russische Importstopp und die derzeit schwächere allgemeine Nachfrage, besonders aus China, ausschlaggebend für die aktuelle Lage", so Franziska Schutter, Pressesprecherin von Alpenhain. Gut 230000 Liter Milch liefern rund 300 Milcherzeugerbetriebe täglich an das Unternehmen mit Sitz in Pfaffing. Der Hauptanteil der Betriebe liegt in unmittelbarer Nähe der Molkerei, ein weiteres Einzugsgebiet befindet sich südlich von München, im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

Discounter wie Aldi und Lidl lieferten zudem Steilvorlagen für eine Senkung des Milchpreises, so die Molkerei Berchtesgadener Land, die beide Handelsgruppen nicht beliefert. "Daran orientiert sich jedoch die restliche Handelslandschaft." Thilo R. Pomykala ergänzt: "Hersteller und Handel sind einem enormen Preisdruck ausgesetzt. Für das Premiumbutterangebot setzen wir unsere Preisstrategie fort." Auch die Käsepreise könnten sich nicht von der negativen Preisentwicklung anderer Milchprodukte abkoppeln, sagt Schutter. "Ein Sinken der Preise begann bereits Anfang 2014 und hält nach wie vor an." Bernhard Pointner: "Letztlich müssen alle - Landwirte, Handel und Verbraucher - an einem Strang ziehen, damit auch in Zukunft Milchprodukte in höchster Qualität zu einem fairen Preis angeboten werden können."

Das Unternehmen Bauer wollte keine Angaben machen. Auch vom Unternehmen Danone, das eine Molkerei in Rosenheim betreiben, hat es trotz Anfrage keine Angaben gegeben.

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