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Turbulenzen in der Luftfahrt

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Michael O’Leary,Ryanair-Chef, ist – ganz ungewohnt – in der Defensive.

Frankfurt – Abgesagte Flüge, um ihre Jobs zitternde Crews und dann auch noch weltweite Computer-Probleme: Am Luftverkehrs-Himmel geht es derzeit drunter und drüber.

Allein die Pleite der Airberlin hat die Kunden nachhaltig verunsichert. Bis zum 12. Oktober will das Management nur mit Lufthansa und Easyjet über die Zerschlagung des Unternehmens sprechen. Jeder fünfte der mehr als 8000 Jobs steht dabei auf der Kippe.

Noch ist keineswegs ausgemacht, dass die Lufthansa das ganz große Kuchenstück der Airberlin erhält, für das sie geboten hat. Die Kartellbehörden müssen darauf achten, dass der Wettbewerb nicht zu stark eingeschränkt wird. In Deutschland seien infolge der Krise bereits stark gestiegene Ticketpreise zu beobachten, berichtet der Verband Deutsches Reisemanagement.

„Geschäftsleute benötigen vor allem Verlässlichkeit“, sagt Hauptgeschäftsführer Hans-Ingo Biehl. Soll heißen: Kaum jemand bucht noch Airberlin, wenn man nicht das Schicksal des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) teilen möchte, der am Tag der Bundestagswahl trotz eines gültigen Tickets nicht in die Hauptstadt kam. „Im Kern geht es darum, wer künftig auf den innerdeutschen Strecken noch fliegt“, sagt Biehl. Europaweit und auch im touristischen Bereich gebe es genug Konkurrenz, doch sei es bedenklich, wenn Airberlin bereits von heute an Strecken wie Köln-München oder Hamburg-München streiche und der Lufthansa überlasse. Selbst wenn Easyjet in die Lücken stoße, würden die Briten nach seiner Einschätzung vorsichtiger agieren und nicht auf jeder Destination in den Nahkampf mit dem mächtigen Lufthansa-Konzern gehen. „Wir rechnen mit einem knapperen Angebot, weniger Auswahl und steigenden Preisen.“

Den Winter über stellt zudem Ryanair die Verbindung zwischen Köln/Bonn und Berlin ein. Der schärfste Konkurrent der Lufthansa schwächelt derzeit merklich. Der Passagier-Europameister streicht in den kommenden Monaten mehr als 20 000 Flüge und legt Maschinen still. Mehr als 700 000 Passagiere sind betroffen und haben Anrecht auf Entschädigungen.

Als Grund für die Flugabsagen nennt Ryanair-Chef Michael O’Leary hartnäckig die verfehlte Urlaubsplanung bei den Piloten, die nun bis Ende März möglichst viel Urlaub abbauen sollen. An der Börse mehren sich aber Zweifel an dieser Version. Vielmehr gehe es um steigende Crew-Kosten, stärkeren gewerkschaftlichen Einfluss und höheren Aufwand bei direkt angestellten Cockpit-Kräften. Etliche Piloten sind offenbar entschlossen, den Personalengpass bei Ryan-air zu nutzen, um unsichere Arbeitsverhältnisse zu beenden.

Die Iren müssen einen erheblichen Imageschaden einstecken und haben sich ganz nebenbei aus den Bieterrennen um die Etihad-Beteiligungen Airberlin und Alitalia zurückgezogen. Bei der Neuverteilung großer Teilmärkte in Europa bleibt Ryanair damit nur Zaungast.  dpa

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