Was tun, wenn man Schwarzgeld erbt?

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Ein Koffer mit Schwarzgeld aus der Schweiz? Bemerken die Erben, dass der Verstorbene Steuern hinterzogen hat, müssen sie das Finanzamt informieren. Die ausstehende Steuerschuld müssen die Erben dann zahlen. Foto: Fotolia

REcht VON STEFANIE BACKS

Schwarzgeldkonten, Steuerschulden, Diebesgut auf dem Dachboden – eine Erbschaft kann so manch böse Überraschung beinhalten. Was geschieht, wenn die weiße Weste des Verstorbenen nicht ganz so weiß war, wie sie immer schien? Was müssen Erben beachten? Wir klären mit dem Münchner Fachanwalt für Erbrecht, Anton Steiner, die wichtigsten Fragen:

-Wie erfahren Erben von möglichen Schwarzgeldkonten im Ausland?

Ohne Aufforderung machen sich ausländische Geldhäuser nicht auf die Suche nach möglichen Erben. Wenn es einen begründeten Anlass gibt, müssen die Erben tatsächlich selbst aktiv werden. Bevor man jedoch alle Banken beispielsweise in der Schweiz einzeln anschreibt, kann man auch über den Schweizer Bankenverband gehen.

-Wie erhalten Erben überhaupt Auskunft bei Banken?

Durch das Bankgeheimnis dürfen selbst an engste Familienmitglieder keinerlei Auskünfte gegeben werden. Dieses Verbot hebt nur eine Vollmacht auf, die über den Tod hinaus wirkt, ein amtlicher Erbschein oder ein notarielles Testament inklusive gerichtlichem Eröffnungsprotokoll.

-Müssen Erben Schulden des Verstorbenen übernehmen und begleichen?

Erben sind laut Gesetz Rechtsnachfolger des Erblassers – mit allen damit zusammenhängenden Rechten und Pflichten. Ist der Nachlass mit Schulden belastet, gehen diese automatisch auf die Erben über.

-Gilt das für Schulden aller Art, also von Steuerschulden, über Mietrückstände bis hin zu offenen Rechnungen?

Ja, hier werden keine Ausnahmen gemacht.

-Wie viel Zeit bleibt, ein Erbe auszuschlagen?

Eine Ausschlagung ist immer dann ratsam, wenn die Nachlassverbindlichkeiten den Wert des Nachlasses überschreiten. Dafür haben Erben in der Regel sechs Wochen Zeit. Sechs Monate sind es, wenn der Erblasser keinen Wohnsitz mehr in Deutschland gehabt hat oder der Erbe zum Zeitpunkt des Todes im Ausland war. Gibt es ein Testament, beginnen diese Fristen, sobald das Nachlassgericht eine förmliche Mitteilung an die Erben verschickt hat.

-Dürfen Erben Unterlagen einsehen und Auskünfte bei Banken und Behörden einholen bevor sie das Erbe antreten?

Nein. Um diese Informationen zu bekommen, müssen sich Erben als Rechtsnachfolger des Erblassers legitimieren. Das ist ein echtes Dilemma.

-Ist ein späterer Rückzieher vom Erbe möglich, wenn sich herausstellt, dass der Nachlass enorm belastet ist?

Eine Anfechtung der Annahme einer Erbschaft weil sich Erben über den Wert des Nachlasses geirrt haben, erkennt das Gericht in den meisten Fällen nicht an. Ein Hintertürchen gibt es jedoch: die Nachlassinsolvenz. Wird diese beantragt, haften Erben nicht mit ihrem eigenen privaten Vermögen für Verbindlichkeiten aus dem Nachlass. Die Haftung beschränkt sich dann allein auf den Nachlass. Reicht dieser nicht aus, um allen Verbindlichkeiten nachzukommen, gehen die Gläubiger leer aus. Diese beschränkte Haftung ist jedoch mit Kosten für den Erben verbunden, da meist ein Anwalt benötigt wird.

-Bei der Durchsicht der Unterlagen wird den Erben klar, dass der Verstorbene Steuern hinterzogen hat. Was müssen sie tun?

Erben haben nicht die Pflicht, nach möglichen Steuersünden zu forschen, bemerken sie allerdings einen Fehltritt, dürfen sie ihn nicht verschweigen. Laut Gesetz haben sie eine Berichtigungspflicht und müssen das Finanzamt informieren. Die ausstehende Steuerschuld müssen die Erben dann begleichen. Nur wenn sich Erben nicht melden, machen sie sich strafbar. Sie begehen damit selbst Steuerhinterziehung. Problematisch wird es, wenn Erben dem Erblasser zu Lebzeiten bei der Steuerhinterziehung geholfen haben, dann ist die Meldung gleichzeitig eine Selbstanzeige und es gelten schärfere Regeln.

-Können Erben haftbar gemacht werden für Betrügereien, die der Verstorbene begangen hat, die aber erst nach dessen Tod bekannt werden?

Strafrechtliche Dinge gehen nicht auf die Erben über. Aber zivilrechtlich können sie durchaus belangt werden. Hat der Erbonkel beispielsweise durch ein Schneeballsystem andere um ihr Geld gebracht, können Schadenersatzansprüche an die Erben gestellt werden.

-Im Nachlass finden Erben verdächtige Objekte und es ist mehr als fraglich ob diese rechtmäßig erworben wurden. Was tun?

Hegen Erben einen Verdacht, dass es sich um Diebesgut handeln könnte, sollten sie das umgehend der Polizei melden. Wird Gestohlenes einfach behalten, machen sich Erben der Unterschlagung schuldig. Verkaufen sie es, ist es Hehlerei.

-Geht auch eine zum Zeitpunkt des Todes noch laufende Strafanzeige gegen den Erblasser auf die Erben über?

Nein, mit dem Tod wird ein solches Verfahren eingestellt.

-Müssen Erben Unterhaltszahlungen an die Ex-Frau des Verstorbenen übernehmen?

Ja, auch diese Pflicht geht an die Erben über. Allerdings müssen sie diese Zahlungen nicht mit dem eigenen Vermögen bestreiten. Gibt der Nachlass also nicht genug her, geht die Ex-Frau leer aus. Zudem müssen Erben diesen Unterhalt nur so lange zahlen, bis der Pflichtteil erreicht ist, den die Frau bekommen hätte, wäre sie nicht geschieden worden.

-Müssen sich auch Vermächtnisnehmer Sorgen machen wegen möglicher Altlasten?

Wer per Testament etwas vermacht bekommt, ist kein Erbe und damit nicht Rechtsnachfolger des Verstorbenen und aus dem Schneider, was mögliche Verpflichtungen anbelangt. Dennoch können Altlasten auch Vermächtnisnehmer treffen: Sie gehen bei einer Nachlassinsolvenz meistens leer aus. Denn sie stehen erst an vorletzter Stelle bei der Rangfolge der zu begleichenden Verbindlichkeiten. Zuerst wird versucht, die amtlichen Kosten zu decken, dann werden Gläubiger bedient (zum Beispiel Mieter, Staat, Bank). An dritter Stelle stehen die Pflichtteilsberechtigten. Nur die Erben stehen noch hinter dem Vermächtnisnehmer.

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