Titan, das sperrige Wundermetall

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München – Das Metall ist leicht, enorm fest, dauerhaft gegen Korrosion geschützt und lässt sich auch von den meisten Säuren nicht kleinkriegen.

Titan gilt als eine Art Wundermetall für viele Anwendungen: Flugzeugbau, Medizintechnik, Automobilbau, Werkzeugbau.

Titan ist das neunthäufigste Element auf der Erde. Dennoch ist es als Werkstoff sehr teuer – weil schwer zu verarbeiten. Das Münchner Unternehmen Hermith ist als Titanhändler zunehmend darauf spezialisiert, seinen Kunden den Stoff nicht nur zu verkaufen, sondern sie auch bei der Variantenauswahl zu beraten. „Wir bieten Lösungen an“, sagt der Alexey Rasskazov, Gründer und Chef des Unternehmens, das mit dem Exportpreis Bayern ausgezeichnet wurde.

Selbst viele Hochtechnologieunternehmen sind mit dem Werkstoff überfordert. Denn Titan ist vielleicht  die  Mimose unter den Werkstoffen: In der Natur versteckt es sich gut. Als reines Metall kommt es gar nicht vor, stattdessen ist es in vielen Mineralien gebunden. Nur zwei dieser Kristalle eigenen sich zur Weiterverarbeitung in Titan: Ilmenit und Rutil.

Was bei der Titangewinnung in einem bereits aufwendigen chemischen Prozess zunächst herauskommt, ist Titanschwamm, ein sehr poröses Material, dass im Lichtbogen oder durch Schmiedetechnik kompaktiert und in Form gebracht werden muss.

Der mattschimmernde Stoff ändert je nach Art der Verarbeitung und Legierung (rein kommt er überhaupt nicht vor), seine Eigenschaften. Und wenn man Titanlegierungen unter Kraft- oder Hitzeinwirkung verformt, wirkt sich das unter anderem auf Struktur und die Festigkeit aus. Bauteile werden deshalb in den meisten Fällen aus Rohlingen herausgefräßt – beispielsweise aus Drähten bis hin zu mehr als armdicken Stangen, Blechen oder Blöcken – sogenannten Halbzeugen.

Dabei soll möglichst wenig Abfall entstehen, denn aus Spänen können nur durch die gleichen aufwendigen Verfahren wieder Halbzeuge gewonnen werden. Meist lohnt sich Recycling gar nicht. Deshalb bietet Hermith nicht nur das Material an, sondern auch möglichst präzise Zuschnitte.

Begonnen hat das Münchner Unternehmen als Verkaufsorganisation für nur einen russischen Hersteller von Halbzeugen. Diese Abhängigkeit wollte Rasskazov, selbst gebürtiger Sankt Petersburger mit deutschem Pass, überwinden. Deshalb vertreibt er inzwischen Titan von mehreren Herstellern weltweit. Hermith, sein 2004 gegründetes Unternehmen, sieht sich zunehmend als Mittler zwischen den Anbietern und denen, die es weiterverarbeiten.

Weil der Umgang mit dem Material so schwierig ist und Be- und Verarbeitungsverfahren, von denen, die sie beherrschen, meist als Betriebsgeheimnisse gehütet werden, lässt Hermith auch eigene Ingenieure und Wissenschaftler die Eigenschaften des Metalls weiter erforschen – um die Kunden optimal beliefern zu können. Alexey Rasskazov, der über den Motorsport bei der Formel 1, in der er aktiv war, mit Titan in Verbindung gekommen war, will das noch ausbauen um die Wertschöpfung des Unternehmens weltweit auszuweiten.

Der Standort München ist dabei aber nicht infrage gestellt – weil er günstig liegt, mit vergleichsweise kurzen Wegen zu Abnehmern in ganz Europa. Langfristig wünscht sich der Unternehmer jenseits der politischen Gegebenheiten einen ungehinderten Handel, bei dem alle Grenzen zwischen Europa und Russland gefallen sind. Historisch und kulturell, so sagt er, seien die Verbindungen von Europa selbst bis in den äußersten Osten Sibiriens enger als beispielsweise die zu China, Inden oder die Vereinigten Staaten. Martin Prem

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