Aufsichtsrat gibt grünes Licht

Stahlfusion mit Tata ebnet Weg für Thyssenkrupp-Konzernumbau

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Ein Schutzhelm mit dem ThyssenKrupp-Logo. Foto: Roland Weihrauch

Durchbruch für Thyssenkrupp-Chef Hiesinger nach über zweijährigen Verhandlungen: Nach der Unterzeichnung der Verträge für die Stahlfusion mit Tata geht der Umbau des Ruhrkonzerns in die heiße Phase.

Essen (dpa) - Vor dem Hintergrund von weltweiten Überkapazitäten beim Stahl schließen sich die Konkurrenten Thyssenkrupp und Tata zusammen und gründen gemeinsam den zweitgrößten Stahlkonzern Europas.

Nach über zweijährigen Verhandlungen unterzeichneten beide Unternehmen am Samstag die Verträge für ein Stahl-Gemeinschaftsunternehmen. Damit ist auch der Weg frei für einen weiteren Umbau bei Thyssenkrupp. Die Strategie solle bis Mitte Juli vorgelegt werden, kündigte das Unternehmen am Samstag vor Investoren in Essen an.

Entstehen soll Europas zweitgrößter Stahlkonzern nach ArcelorMittal mit rund 48.000 Mitarbeitern, einem Umsatz von über 17 Milliarden Euro und Werken in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden. Thyssenkrupp soll daran mit einem Anteil von 50 Prozent beteiligt sein. Erwartet werden jährlich wiederkehrende Synergien in Höhe von 400 bis 500 Millionen Euro. Die Transaktion steht allerdings unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die zuständigen Wettbewerbsbehörden, unter anderem in der Europäischen Union.

Das Gemeinschaftsunternehmen mit dem Namen Thyssenkrupp Tata Steel B.V. soll seinen Sitz in den Niederlanden haben. "Mit dem Joint Venture sichern wir uns langfristig eine wettbewerbsfähige Position in der europäischen Stahlindustrie - mit einem überzeugenden industriellen Konzept und auf Basis einer klaren strategischen Logik", sagte Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger. "Damit erhalten wir langfristig Arbeitsplätze und erhalten Wertschöpfungsketten in europäischen Schlüsselindustrien."

Für den seit sieben Jahren an der Konzernspitze stehenden Manager ist die nun erzielte Vereinbarung ein lang erwartetet Befreiungsschlag. Zuletzt war er immer wieder unter Druck geraten, weil Anteilseigner mehr Tempo bei dem seit langem angekündigten Umbau des Ruhrkonzerns gefordert hatten. Einzelne Investoren wie etwa der als aktivistisch geltende US-Investor Paul Singer und sein Hedgefonds Elliott hatten dabei vor allem den Thyssenkrupp-Chef scharf attackiert.

"Hiesinger sitzt jetzt wieder deutlich fester im Sattel", stellte Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpaperbesitz (DSW) fest. Der Manager habe nun alle Probleme gelöst, die er sich vorgenommen habe. Auch die Bilanz des Konzerns sehe nun deutlich besser aus. Nun werde die Strategie mit Spannung erwartet. "Jetzt wollen alle wissen, wie es weitergeht", sagte Hechtfischer.

Nach heftigen Protesten hatten zuletzt auch die Arbeitnehmervertreter Zustimmung zu dem Vorhaben signalisiert. "Ich bin froh, dass wir Klarheit haben und die Beschäftigten nach einer ewig langen Zeit der Unsicherheit nun wissen, wohin die Reise geht", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Thyssenkrupp-Stahlsparte, Tekin Nasikkol. "Wir erwarten, dass die Belegschaft mitgenommen und offen kommuniziert wird. Wir erwarten auch vom Vorstand, dass die Mitbestimmung im Joint Venture von Anfang an eingebunden wird."

Die deutschen Stahlkocher hatten zuvor eine Beschäftigungsgarantie bis zum 30. September 2026 sowie eine langfristige Standortsicherung erhalten. Geplant ist aber auch der Abbau von bis zu 4000 Stellen, davon etwa die Hälfte in Deutschland.

Zuletzt hatten Bewertungsfragen im Mittelpunkt der komplizierten Gespräche gestanden. Im Fall eines Börsengangs soll Thyssenkrupp nun einen höheren Anteil von 55 Prozent an dem Erlös erhalten, Tata 45 Prozent.

Experten wie Professor Roland Döhrn vom RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung schließen jedoch Einschnitte beim Stahl auch künftig nicht aus. "Solche Fusionen sind häufig der erste Schritt für Bereinigungen", sagte Döhrn. Der Stahlexperte zeigte sich jedoch überzeugt, dass die bei der Fusion ausgehandelten Garantien verlässlich seien.

"Das größte Problem der Stahlindustrie ist, dass die Nachfrage durch den wirtschaftlichen Strukturwandel abnimmt", sagte Döhrn. Viele Produkte wie etwa Autos enthielten immer weniger Stahl, weil sie immer leichter würden. "Das sind Entwicklungen, denen kann sich die Branche nicht entziehen", sagte Döhrn. Weltweit stehe die Stahlbranche in den entwickelten Ländern daher vor weiteren Kapazitätsanpassungen.

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