Was Telefonkarten wert sind

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Telefonkarten waren lange Zeit heiße Sammlerware. Seltene Stücke wurden für mehrere tausend Euro gehandelt.

Heute gibt es nur noch wenige Sammler. Die Chance, hohe Preise zu erzielen, ist gering. Vereinzelt finden sich aber immer noch wertvolle Schätze.

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Telefonkarten waren lange Zeit heiße Sammlerware. Seltene Stücke wurden für mehrere tausend Euro gehandelt. Heute gibt es nur noch wenige Sammler. Die Chance, hohe Preise zu erzielen, ist gering. Vereinzelt finden sich aber immer noch wertvolle Schätze.

von manuela dollinger

Fix & Foxi, Asterix und Adenauer, die Mona Lisa und Marilyn Monroe, König Ludwig und Schloss Neuschwanstein, Papst Benedikt, der FC Bayern und die Wiesn: Tausende Motive zieren Telefonkarten aus den vergangenen Jahrzehnten. Viele sind schön anzusehen, wert sind die Karten allerdings oft nicht mehr viel. Nur wenige Stücke erzielen bei Sammlern heute noch hohe Beträge. „Teure Stücke liegen im mittleren dreistelligen Euro-Bereich, seltene Karten zwischen 1000 und 1500 Euro“, sagt MICHEL-Redakteur Thomas Honka. Bis heute ist der MICHEL-Katalog das Standardwerk für Briefmarkensammler. Bis 2005 gab es auch einen MICHEL für Telefonkarten. Darin verzeichnet waren alle Serien (außer zwei Serien mit Werbekarten) und die dazugehörigen Preise. Alle Preisangaben beziehen sich auf diesen Katalog.

Bevor die Telekom mit der Einführung des bargeldlosen Telefonierens bundesweit startete, wurden ab 1983 in Deutschland in vier Gebieten vier unterschiedliche Kartensysteme getestet: in Frankfurt, Bamberg, Bonn/Aachen und Goslar. Bis heute sind die Testkarten aus dieser Zeit für Sammler interessant.

16 Serien mit knapp 18 000 Motiven

Mit dem Start des bundesweiten bargeldlosen Telefonierens begann die Telekom 1987 flächendeckend mit der Ausgabe von Telefonkarten. In 14 Serien wurden in folgenden Jahrzehnten mehr als 1600 verschiedene Telefonkarten ausgegeben. Die Karten gab es zum Teil über den Sammlerservice der Deutschen Telekom, direkt bei der Telekom oder am Postschalter. Dabei trägt jede Telefonkarte eine Kartennummer, die mit einem Buchstaben beginnt. Dieser steht für die Serie. Die beiden letzten Ziffern geben Aufschluss über das Produktionsjahr. Zudem ist auf jeder Karte eine Kontrollnummer aufgedruckt. In den Anfangszeiten bis 1989 war diese siebenstellig, danach elfstellig. Mitte 1996 wurden die Kontrollnummern erneut umgestellt – auf 22 Ziffern (nur mit UV-Testgerät lesbar).

750 000 Sammler in den 1990er-Jahren

Zum Unmut vieler Telefonkartensammler wurden neben den 14 Serien in den 1990er-Jahren zwei weitere als Auftragsarbeiten für Werbekunden produziert. Die Karten wurden als K- und O-Serie ausgegeben. Dabei steht das K für „Kunden-Werbekarte“ und das O für „Kunden-Werbekarte ohne Sammlerservice“. Rund 18 000 Karten wurden in den beiden Serien ausgegeben, die Sammler meist nur beim Auftraggeber, also dem jeweiligen Unternehmen, erwerben konnten. „Neben dem Mobiltelefon, das um die Jahrtausendwende das Telefonieren mit Telefonkarte verdrängte, war das der zweite Todesstoß für den Markt“, sagt Honka. „Deutsche Sammler legen Wert auf Vollständigkeit. Mit der K- und der O-Serie wurde eine vollständige Sammlung unmöglich.“ Als Folge ging die Zahl der Sammler rapide zurück. Mitte der 1990er-Jahre rissen sich noch rund 750 000 Sammler in Deutschland um Telefonkarten. „Mittlerweile gibt es noch zwischen 500 und 1000 ernsthafte Sammler in Deutschland“, schätzt Hans-Peter Kroner.

Preissturz um die Jahrtausendwende

Kroner ist einer davon. Er sammelt seit 25 Jahren und ist stolzer Besitzer von mehreren tausend Telefonkarten. Außerdem sitzt er im Vorstand bei den Telesammlern – Deutschlands letztem Verein für Telefonkartensammler. „Der Verein hat heute rund 300 Mitglieder, in Spitzenzeiten waren es 2000“, erinnert sich Kroner.

Mit der Zahl der Sammler gingen auch die Preise um die Jahrtausendwende zurück. Stücke, die in den 1990er-Jahren für mehrere hundert Euro gehandelt wurden, sind Händlern und Sammlern heute nur noch Cent-Beträge wert. „Telefonkarten sind heute ein reiner Nachfragemarkt. Die Karten sind so viel wert, wie ein Sammler dafür zahlt – und das wird immer weniger“, erklärt Kroner. Die Preise im MICHEL-Katalog von 2005 seien zum Teil überholt, gibt er zu bedenken. Im MICHEL ist die teuerste Telefonkarte mit 4000 Euro ausgezeichnet: Die TÜV Berlin 12 DM (Kartennummer: S 01 A 30.000 9.88, mit Modul 20, elfstelliger Kontrollnummer und orangem Bild) wurde 1988 mit einer Auflage von 30 000 Stück ausgegeben.

Wie viel Sammler dafür heute noch bezahlen, erfährt man bei Tauschtagen oder im Internet. „Um als Laie herauszufinden, wie viel eine Telefonkarte noch wert ist, sollte man die Preise im Internet, zum Beispiel bei Ebay verfolgen“, rät Kroner. Grundsätzlich sind für Sammler Testkarten und alte Karten der 1980er-Jahre aus den sogenannten S- und P-Serien am interessantesten. Noch eine Grundregel: „Unbenutzte Telefonkarten werden in der Regel zum doppelten bis dreifachen Preis von benutzten Stücken gehandelt“, erklärt Thomas Honka. Telefonkartenhändler und -sammler in Deutschland treffen sich regelmäßig bei Tauschtagen. Aktuelle Termine sind im Internet unter www.telesammler.de einsehbar.

Telefonkarten mit Verfallsdatum

Wer auf den Betrag einer alten Karte spekuliert, der noch nicht abtelefoniert wurde, hat meistens Pech. Denn der Nennwert, der auf Telefonkarten aufgedruckt ist – ob in Euro oder DM – ist in der Regel nicht mehr nutzbar. Ende der 1990er-Jahre wurde die Gültigkeit von Telefonkarten von der Telekom auf drei Jahre begrenzt – aufgrund des schnellen Generationswechsels bei der Chip-Entwicklung.

Umtausch bei der Telekom

Restguthaben wird nicht in jedem Fall erstattet: Nur Telefonkarten mit dem Aufdruck „Karte gültig bis“ können bei der Telekom umgetauscht werden. Nach der Rechtssprechung des Bundesgerichtshofs (Az.: III ZR 178/09) sind Ansprüche aus Telefonkarten ohne Gültigkeitsaufdruck verjährt. Beim Umtausch wird das Restguthaben auf eine Umtausch-Karte geladen. Der Betrag kann dann auch per PIN an fast allen Festnetz-Anschlüssen in Deutschland abtelefoniert werden. Wichtig für Sammler: Die alte Karte gibt es beim Umtausch nicht zurück. Und es gibt einen weiteren Hacken: Die Telekom verweist darauf, sich mit dem Umtausch nicht zu viel Zeit zu lassen, da sonst die Verjährung greife. Das Thema wurde in den vergangenen Jahren wiederholt vor Gericht verhandelt. Weitere Informationen zum Karten-Tausch sowie ein Umtausch-Formular gibt es bei der Telekom im Internet unter www.telekom.de/telefonkarte.

„Die Telekom will heute von Telefonkarten nichts mehr wissen“, sagt Sammler Kroner. Der Sammlerservice existiert schon lange nicht mehr. Wie viele andere Telefonkartenliebhaber ist Korner enttäuscht.

Die neue Generation der Telefonkarten

Mit der Telefonkarte hat die Telekom allerdings noch nicht abgeschlossen. Sie will ihr sogar neues Leben einhauchen – mit der „Telefonkarte Comfort“. Die neue Generation der Telefonkarte gibt es seit 2008. Die Karte kann wie gewohnt für Telefonate an öffentlichen Telefonzellen der Telekom eingesetzt werden. Darüber hinaus verfügt sie über eine Calling-Service-Funktion. Zusätzlich zum integrierten Chip ist auf der Telefonkarte eine PIN aufgedruckt. Damit können Gespräche auch von Festnetz- und Mobilfunk-Anschlüssen geführt werden. Auch Bezahlen im Internet ist möglich. Das Guthaben verjährt vier Jahre nach der ersten Nutzung. Von den rund 35 000 öffentlichen Telefonen in Deutschland akzeptieren laut Telekom einige tausend noch Telefonkarten.

Trotz Zusatzfunktionen – ob sich die Telefonkarte Comfort durchsetzen wird, ist fraglich. 90 Prozent aller Deutschen über 14 Jahre haben mittlerweile ein Mobiltelefon. Und für Sammler sind die neuen Telefonkarten gänzlich uninteressant.

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