Tarifstreit Lufthansa droht mit neuer Gesellschaft

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Die Kernmarke der Lufthansa bleibt unter Druck. Der Vorstand erwägt eine neue Tochter außerhalb des Konzerntarifs. dpa

Noch während die Schlichtung zwischen der Lufthansa und ihren Piloten läuft, denkt der Vorstand bereits über einen radikalen Schnitt nach: Die Gründung einer neuen Gesellschaft.

Tarifstreit

Lufthansa droht mit neuer Gesellschaft

Frankfurt – Die Lufthansa hat ihre Piloten vor den Konsequenzen eines zu hohen Tarifabschlusses infolge der laufenden Schlichtung gewarnt. Man müsse dann darüber nachdenken, anstehende Investitionen nicht mehr in die Lufthansa-Kerngesellschaft zu lenken, sagte Vorstandsmitglied Harry Hohmeister in Frankfurt. Neue Flugzeuge könnten unter Umständen künftig nicht mehr in ein System kommen, das seine Wettbewerbsfähigkeit verloren habe und nicht reformfähig sei.

Morgen soll die Schlichtung im Tarifkonflikt um die Gehälter von rund 5400 Piloten der Gesellschaften Lufthansa Classic, Lufthansa Cargo und Germanwings enden. Ihr Tarifvertrag zwingt die Lufthansa, in den Maschinen der Kerngesellschaft ausschließlich Piloten nach diesem Tarifwerk zu beschäftigen.

Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) sieht durch die Äußerungen Hohmeisters die Schlichtung beeinflusst. „Der Vorstand will offenbar den Schlichter einschüchtern, weil er der Kraft der eigenen Argumente nicht traut“, sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg. Das sei nicht hilfreich.

Lufthansa-Vorstand Hohmeister hatte weiter gesagt, neue, eigentlich für Lufthansa Classic vorgesehene Jets könnten in andere Konzerngesellschaften integriert werden, in denen der Konzerntarifvertrag der Vereinigung Cockpit (VC) nicht gilt. Kurzfristig könne das über die Lufthansa-Schwestern Swiss und Austrian geschehen. „Man kann aber auch über eine Lufthansa-nahe Neugründung nachdenken. Da darf man dann vielleicht nicht Lufthansa draufschreiben, aber sicher etwas Ähnliches.“

Die Kerngesellschaft des Konzerns mit derzeit 334 Maschinen schrumpft bereits seit drei Jahren, weil viele Strecken auf die Billigtochter Eurowings übergingen und beim verbleibenden Interkontinental-Verkehr samt Zubringerflügen nach München und Frankfurt kein Wachstum mehr stattfand. Eine weitere Übertragung von Lufthansa-Flügen auf die Eurowings ist aber eher unwahrscheinlich, weil die beiden Systeme organisatorisch nicht miteinander verknüpft werden sollen.

Die Lufthansa hat jedoch bereits in der Vergangenheit Langstrecken-Flugzeuge mit Piloten der Regio-Tochter Lufthansa Cityline besetzt, die weniger verdienen als ihre Kollegen im Konzerntarifvertrag der Classic. Diese im Vertrag vorgesehene Ausnahme könne man wieder forcieren und fünf bis sechs weitere Langstrecken-Maschinen so betreiben, sagte Hohmeister. „Das reicht aber vielleicht nicht aus.“ Als mögliche Größe der neuen Gesellschaft nannte er 30 bis 40 Maschinen. „Das ist keine Tarifflucht, sondern das ist eine Flucht vor einem bislang nicht kompromissfähigen Tarifpartner“, meinte Hohmeister.

Nach jüngsten Angaben hat der Lufthansa-Konzern einschließlich 2016 über 250 Flugzeuge bestellt. Lufthansa hat den Piloten über einen mehrjährigen Tarifzeitraum eine Einmalzahlung und 4,4 Prozent mehr Geld angeboten. Die VC hatte über 20 Prozent verlangt.

„Wenn man sich jetzt irgendwo dazwischen trifft, löst das zusätzliche Millionenkosten auf einem ohnehin bereits zu hohen Sattel aus“, sagte Hohmeister. „In diese Plattform könnten wir nicht mehr investieren.“  dpa

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