KURZARBEITERGELD UND HOME-OFFICE-PAUSCHALE

Steuererklärung 2020: Das sollten Arbeitnehmer wissen

Steuererklärung
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Wer aus beruflichen Gründen eine Zweitwohnung anmietet, sollte dringend in das neue Schreiben des Bundesfinanzministeriums schauen. Foto: Hans-Jürgen Wiedl/dpa-Zentralbild/dpa
  • vonAnnette Romming
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Die Steuererklärung für 2020 steht an. Die Corona-Pandemie hat auch hier für einige Änderungen gesorgt. Besonders Pendler müssen viel rechnen. Vorsicht gilt auch für Kurzarbeitergeld - hier könnten Nachzahlungen drohen.

  • Abgabefrist: Montag, 2. August 2021
  • Von Kurzarbeit Betroffene sind verpflichtet eine Steuererklärung abzugeben
  • Unter anderem Änderungen bei Pauschalen zu Homeoffice, für Pendler, bei Umzügen, Dienstreisen und Förderungen energetischer Gebäudesanierungen
  • Belege für FFP2-Masken sollten aufgehoben werden. Eine Entscheidung über die Absetzbarkeit über die Steuer ist noch nicht final.
  • Neue „Anlage Corona-Hilfen“ für Unternehmen und Selbstständige

Noch ist zwar Zeit. Wer will, kann sich aber jetzt schon um seine Steuererklärung für das Jahr 2020 kümmern. Beeilen muss man sich dabei nicht: Die Frist für die Abgabe läuft am 31. Juli ab - und auch nur für die, die zur Abgabe verpflichtet sind.

„Da dies ein Samstag ist, verlängert sich die Frist auf den 2. August 2021“, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler in Berlin. Diejenigen, die auf die Hilfe eines Steuerberaters oder Lohnsteuerhilfevereins setzen, haben bis Ende Februar 2022 Zeit.

Das ändert sich bei der Steuererklärung 2020

Höhere Freibeträge

Der steuerliche Grundfreibetrag ist 2020 von 9.168 Euro auf 9.408 Euro gestiegen. Das bedeutet: Bis zu einem Bruttoeinkommen von 9.408 Euro fallen keinerlei Steuern an. Zudem ist der Kinderfreibetrag 2020 um 192 Euro gestiegen. Bei gleichbleibendem Betreuungsfreibetrag beträgt er für 2020 exakt 7.812 Euro pro Kind und Jahr (2019: 7.620 Euro).

Wer alleinerziehend ist und mindestens ein Kind bei sich wohnen hat, profitiert 2020 von einem steuerlichen Entlastungsbetrag von 4008 Euro (zuvor: 1908 Euro). „Für jedes weitere Kind erhöht sich der Entlastungsbetrag, und zwar um jeweils 240 Euro“, erklärt Jana Bauer vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL) in Berlin.

Neue Homeoffice-Pauschale

Ihren Arbeitsplatz haben viele Menschen wegen der Corona-Pandemie nach Hause verlagern müssen. Bei ihrer Steuererklärung für 2020 können sie nun die sogenannte Homeoffice-Pauschale geltend machen. Für jeden Arbeitstag in der häuslichen Wohnung können sie einen Betrag von fünf Euro als Werbungskosten angeben - maximal aber 600 Euro im Jahr.

Die Homeoffice-Pauschale gibt es nicht zusätzlich zum Werbungskostenpauschbetrag. Daher ist sie für jene von Vorteil, die Werbungskosten von über 1.000 Euro haben. Bei Arbeitstagen im Homeoffice entfällt indes die Pendlerpauschale, da es keine Fahrten zur Arbeitsstätte gab.

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„Eine Homeoffice-Tagespauschale von fünf Euro darf man nur angeben, wenn man an dem Tag ausschließlich von zu Hause aus gearbeitet hat“, stellt BVL-Geschäftsführer Uwe Rauhöft klar. Wer an einem Tag zusätzlich in die Firma fährt - etwa um Post abzuholen -, kann die Tagespauschale von fünf Euro nicht geltend machen, wohl aber die Entfernungspauschale zwischen Wohnung und Firma.

Die Homeoffice-Pauschale gilt auch für 2021. Ein Tipp von Klocke: Für Beschäftigte, die regulär einen weiten Weg zur Arbeit haben und deswegen einen Freibetrag beim Finanzamt beantragt hatten, nun aber pandemiebedingt von zu Hause aus arbeiten, sollten beim Finanzamt den bisherigen Freibetrag anpassen lassen. „Bei einem zu hohen Freibetrag wird zu wenig Lohnsteuer vom Lohn abgezogen“, warnt Klocke. Im Ergebnis kann es dann bei der Einkommensteuererklärung zu einer Nachzahlung kommen.

Kurzarbeitergeld

Wer 2020 Kurzarbeitergeld bekommen hat, zahlt darauf selbst keine Abgaben. Allerdings unterliegt das Kurzarbeitergeld dem Progressionsvorbehalt. Das führt dazu, dass das Kurzarbeitergeld den Steuersatz für die übrigen Einkünfte erhöht. Aber: „Oft wird dies letztendlich mit einer Steuererstattung einhergehen, da für den Arbeitslohn zu viel Lohnsteuer abgezogen wurde“, sagt Klocke.

In einigen Fällen ist aber auch eine Steuernachzahlung möglich. Etwa dann, wenn der Arbeitnehmer weniger Wochenstunden gearbeitet hat und sein Lohn mit Kurzarbeitergeld aufgestockt wurde. „Hier macht es Sinn, sich Geld für eine Steuernachzahlung beiseite zu legen“, empfiehlt Klocke.

Da 2020 aufgrund der Pandemie viele Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld bekommen haben, sind auch mehr Beschäftigte verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Denn alle, die mehr als 410 Euro Lohnersatzleistungen bekommen haben, kommen um die Erklärung nicht herum. Neben Kurzarbeitergeld zählen auch Eltern- oder Arbeitslosengeld zu den Lohnersatzleistungen.

„Anlage Corona-Hilfen“ für Unternehmer und Selbstständige

Selbstständige und Unternehmer, die Corona-Hilfen bekommen haben, müssen demnächst auch die „Anlage Corona-Hilfen“ ausfüllen. 

Hier können Sie sich das Formular vorab ansehen. Die Abgabe der Steuererklärung einschließlich der „Anlage Corona-Hilfen“ muss grundsätzlich elektronisch erfolgen.

Höhere Pauschalen

Steuerzahler können seit dem 1. März 2020 eine höhere Umzugskostenpauschale geltend machen. Die Pauschale steigt für Singles auf 820 Euro (zuvor: 811 Euro), für Verheiratete oder Alleinerziehende auf 1.639 Euro (zuvor: 1.622 Euro).

Außerdem gibt es höhere Verpflegungspauschalen bei Dienstreisen: Wer mehr als acht Stunden am Tag dienstlich unterwegs war, kann pro Tag in der Steuererklärung 14 Euro (vorher: 12 Euro) angeben. Bei einer Dienstreise, die an einem Tag mindestens 24 Stunden dauerte, können 28 Euro (vorher: 24 Euro) geltend gemacht werden.

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Seit 2020 gibt es zudem eine Übernachtungspauschale für Berufskraftfahrer. Sie können für den An- und Abreisetag sowie für jede Übernachtung im Lkw acht Euro pro Arbeitstag in ihrer Steuererklärung als Werbungskosten eintragen. „Wer zum Beispiel zwei Tage unterwegs war, aber nur einmal in seinem Fahrzeug übernachtet hat, kann dafür 16 Euro angeben“, erklärt Bauer.

Steuerliche Förderung energetischer Gebäudesanierung

Eigentümer, die ihre Immobilie selbst bewohnen und das Gebäude energetisch sanieren, können seit 2020 für die nächsten zehn Jahre in den Genuss von Steuervorteilen kommen. „Hierfür wird es einen neuen Vordruck für die Steuererklärung geben“, erklärt Rauhöft.

Zur energetischen Gebäudesanierung zählen unter anderem die Wärmedämmung von Wänden, Dachflächen oder Geschossdecken, die Erneuerung von Fenstern und Außentüren oder der Heizungsanlage sowie die Optimierung bestehender Heizungsanlagen.

Insgesamt werden 20 Prozent der Aufwendungen mit einem Höchstbetrag von 40.000 Euro von der Steuer abgezogen. In dem Jahr, in dem die Sanierungsmaßnahme beendet wird, und im Folgejahr können Immobilienbesitzer jeweils 7 Prozent der Aufwendungen (maximal 14.000 Euro) geltend machen. Im dritten Jahr sind sechs Prozent (maximal 12.000 Euro) absetzbar.

Homeoffice und Pendlerpauschale in der Steuererklärung

Fahrtkosten zwischen der eigenen Wohnung und der Arbeit können in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Je nachdem wie weit der Weg zur Arbeit ist, kann sich das lohnen. Denn wer mit diesen Ausgaben die 1.000-Euro-Werbungskostenpauschale überschreitet, mindert seine Steuerlast.

Doch 2020 haben viele Beschäftigte im Homeoffice verbracht. Das heißt: Sie können nicht einfach die Angaben aus den Vorjahren übernehmen erklärt die Stiftung Warentest in dem Spezial-Heft „Steuern 2021“. Sie müssen jetzt neu rechnen, an wie vielen Tagen sie in die Firma gefahren sind.

Das bedeutet in vielen Fällen vermutlich auch: Die Grenze von 1.000 Euro wird mit den Fahrtkosten nicht überschritten. Umso wichtiger ist es, wirklich alle beruflichen Fahrten einzubeziehen, also etwa auch Fahrten zu Kunden oder eine andere Filiale.

Ein Rechenbeispiel verdeutlicht den Unterschied: Wer üblicherweise an 220 Arbeitstagen 20 Kilometer zur Arbeit fährt, kann allein dafür 1.320 Euro Werbungskosten geltend machen (Rechenweg: 220 Tage x 20 km x 0,30 Euro für einen einfachen Weg).

Wer aber im vergangenen Jahr nur 130 Tage in die Firma gefahren ist, kommt nur auf Fahrtkosten in Höhe von 780 Euro. Wer keine anderen Werbungskosten mehr hatte, kann nicht mehr als die Pauschale beanspruchen.

Allerdings gibt es für jeden Tag im Homeoffice pauschal fünf Euro. Maximal können Arbeitnehmer für die Arbeit Zuhause 600 Euro abrechnen. Da auch dies zu den Werbungskosten zählt, kann die entsprechende Grenze von 1.000 Euro zusammen mit den Fahrtkosten eventuell doch geknackt werden.

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Steuererklärung und Kurzarbeit

Wer Kurzarbeitergeld erhalten hat, hat eine sogenannte Lohnersatzleistung für einen Teil seines Gehalts bekommen. Die Höhe des Kurzarbeitergelds ist von der Dauer der Kurzarbeit, von der Steuerklasse, dem Familienstand und den Lohnsteuermerkmalen abhängig.

Der Bezug einer Lohnersatzleistung über 410 Euro im Jahr führt zur Verpflichtung, eine Steuererklärung einzureichen. Das Unterlassen kann übrigens von den Finanzbehörden sanktioniert werden.

Da das Kurzarbeitergeld vom Arbeitgeber und nicht von der Agentur für Arbeit überwiesen wurde, ist dessen Höhe auf der jährlichen Lohnsteuerbescheinigung aufgeführt und kann somit leicht abgelesen werden.

Erhöhung der Steuerprogression

Hat das Kurzarbeitergeld im Jahr 2020 Lohnausfälle teilweise aufgefangen, führt es 2021 möglicherweise zu einer Steuernachzahlung. Obwohl Lohnersatzleistungen grundsätzlich nicht besteuert werden, d.h. keine Einkommensteuer darauf fällig wird, unterliegen sie dem Progressionsvorbehalt.

Das bedeutet, dass das Kurzarbeitergeld im Rahmen der Steuererklärung, also im Nachhinein, zum regulären Arbeitslohn hinzugerechnet wird, um den individuellen Steuersatz festzulegen. Es erhöht somit die Bemessungsgrundlage und den Steuersatz für das regulär ausbezahlte Gehalt und alle übrigen steuerpflichtigen Einkünfte.

Als der Arbeitgeber die Lohnsteuer laufend monatlich abgeführt hat, um das Gehalt auszuzahlen, wurde das Kurzarbeitergeld dabei nicht berücksichtigt. Das Finanzamt holt sich die fehlenden Steuereinnahmen daher im Folgejahr zum Teil wieder zurück.

Auch eine freiwillige Aufstockung des Kurzarbeitergeldes durch den Arbeitgeber wurde durch das Corona-Steuerhilfegesetz vorübergehend steuerfrei gestellt. Diese kann bis zu einer Höchstgrenze von 80 Prozent des Lohnausfalls zusammen mit dem Kurzarbeitergeld gewährt werden. Jedoch unterliegen diese Zuschüsse ebenfalls dem Progressionsvorbehalt.

Steuernachzahlungen als Folge

Mit dem Steuerbescheid kommt dann die Gewissheit, dass die Steuererstattung entweder durch den Erhalt des Kurzarbeitergeldes gekürzt wurde oder unter Umständen sogar eine Steuernachzahlung fällig wird. Damit es später keine unangenehmen Überraschungen gibt, kann man sich schon vorab, z.B. von der Lohnsteuerhilfe, das Steuerergebnis berechnen lassen.

Ob tatsächlich eine Nachzahlung an das Finanzamt notwendig wird, hängt von vielen Faktoren ab. Dazu zählen die Dauer und der Anteil der Kurzarbeit. Eine entscheidende Rolle spielen auch der individuelle Grenzsteuersatz und die Steuerklassenverteilung bei Ehegatten. Wer etwas von der Steuer, z.B. hohe Werbungskosten, abzusetzen hat, kann aber eine erwartete Nachzahlung abmildern.

Kann ich Alltags- und FFP2-Masken von der Steuer absetzen?

Noch ist nicht final geklärt, ob es möglich ist Rechnungen für FFP2-Masken steuerlich geltend zu machen. Isabelle Klocke, Leiterin der Abteilung Steuerrecht beim Bund der Versicherten, empfiehlt im Interview mit dem BR die Kassenbelege aufzubewahren um die Kosten gegebenenfalls in der Steuererklärung 2021 geltend machen zu können.

Aktuelle Artikel zur Corona-Pandemie finden Sie auf unserer OVB-Themenseite.

FFP2-Masken absetzen als Werbungskosten

Eine Möglichkeit könnte sein, die FFP2-Masken als Werbungskosten abzusetzen. Dafür müssten Arbeitnehmer verpflichtet sein, die Maske bei der Arbeit zu tragen, der Arbeitgeber aber nicht für die Kosten aufkommt oder die Masken zur Verfügung stellt. Arbeitnehmer, die diesen Betrag nicht erreichen können Kosten für FFP2-Masken vorerst nicht über diesen Weg geltend machen.

FFP2-Masken absetzen als außergewöhnliche Belastung

Alternativ könnten FFP2-Masken auch als medizinisches Hilfsmittel angesehen werden. In der Regel werden bei außergewöhnlichen Hilfsmitteln jene Ausgaben geltend gemacht, die von Krankenkassen nicht übernommen werden, wie etwa Medikamentenzuzahlungen. (mit Material der dpa)

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