So stark steigt der Strompreis

Bis zu zehn Prozent mehr müssen Verbraucher in der Region im kommenden Jahr für Strom ausgeben. Foto: Panthermedia
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Bis zu zehn Prozent mehr müssen Verbraucher in der Region im kommenden Jahr für Strom ausgeben. Foto: Panthermedia

Fast jeder vierte Grundversorger erhöht in Deutschland zum Jahreswechsel den Strompreis. Kunden müssen das nicht klaglos hinnehmen: Nach einer Preiserhöhung gilt für sie ein Sonderkündigungsrecht.

Energie

Von Rolf Schraa Und Sebastian Hölzle

Nach einem Jahr praktisch ohne Steigerungen geht es für Millionen Haushalte beim Strompreis zum Jahresanfang 2017 spürbar nach oben. Das ergaben bundesweite Vergleiche der Preisportale Check24 und Verivox. Die Stromanbieter müssen Preiserhöhungen sechs Wochen vorher ankündigen – zum neuen Jahr also bis Anfang dieser Woche.

208 Versorger – fast jeder vierte Anbieter – hätten Erhöhungen um durchschnittlich 3,5 Prozent angekündigt, erklärt Oliver Bohr von Check24. Das entspricht etwa 50 Euro im Jahr. Insgesamt rechne er für 2017 mit Strompreiserhöhungen um vier bis fünf Prozent. Das Portal Verivox kam auf 250 Anbieter mit Erhöhungen zum Jahresbeginn um ebenfalls durchschnittlich 3,5 Prozent.

Stadtwerke München und Eon könnten noch nachziehen

Dabei halten sich die vier größten Versorger RWE/Innogy, Eon, EnBW und Vattenfall bisher noch zurück. Ein Eon-Sprecher teilte mit, bis auf Weiteres würden die Preise stabil bleiben. Er ergänzte aber: „Es ist zu früh, um verlässliche Prognosen zu treffen.“ Das heißt: Im Laufe des Jahres könnten auch auf Eon-Kunden Strompreiserhöhungen zukommen. In Oberbayern würde das viele Haushalte treffen, Eon ist in weiten Teilen der Region Grundversorger. In Deutschland gilt ein Unternehmen als Grundversorger, sobald es die meisten Haushaltskunden vor Ort mit Strom beliefert.

Dass die Konzerne im Laufe des Jahres noch an der Preisschraube drehen, wäre nicht ungewöhnlich: „In der Vergangenheit konnten wir beobachten, dass viele Anbieter zum Jahreswechsel zunächst stillhalten, später aber mit Preiserhöhungen nachziehen“, sagt Jan Lengerke von Verivox. „Deshalb erwarten wir auch 2017 eine zweite Preiswelle im Frühjahr.“ Kunden in München könnte Ähnliches drohen: Zwar ändere sich der Strompreis der Stadtwerke München zum Jahreswechsel nicht, man entscheide über Preise aber „anhand der Markt- und Kostensituation zeitnah und informiere die Kunden rechtzeitig darüber“, teilte ein Sprecher mit.

In Bayern zahlen Kunden im Schnitt 1476 Euro im Jahr

Als einziger Grundversorger der Region senkt die Elektrizitätsgenossenschaft Ohlstadt aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen den Strompreis zum 1. Januar (siehe Tabelle). Kunden müssen 3,4 Prozent weniger zahlen. Allerdings wird der Preis 2017 immer noch zwei Euro über dem bayerischen Durchschnitt in Höhe von 1476 Euro liegen, wie aus den Daten von Check24 hervorgeht.

Den kräftigsten Preisanstieg in der Region müssen Kunden im Landkreis Rosenheim verkraften: Das E-Werk Josef Haimmerer in Rohrdorf am Inn erhöht den Strompreis zum Jahreswechsel um 10,7 Prozent. Aber: Der Versorger liegt damit immer noch 31 Euro unter dem bayerischen Durchschnitt.

Die Ökostromumlage treibt die Preise weiter in die Höhe

Grund für die Erhöhungen des Strompreises in Deutschland sind nach Einschätzung von Fachleuten nicht die recht niedrigen Strom-Beschaffungspreise an der Strombörse. Sie waren im ersten Halbjahr 2016 sogar auf jahrelange Tiefstwerte gefallen. Deutlich teurer werden dagegen die Ökostrom-Umlage, die 2017 um 8,3 Prozent auf 6,88 Cent pro Kilowattstunde wächst, und die Kosten für die Stromnetze. Beide Posten machen zusammen rund die Hälfte des Strompreises aus.

Vor allem in Bayern steigen Kosten für Netzentgelte

„Die Netzentgelte sind der größte Kostentreiber bei den Strompreisen“, sagt Gero Lücking, Geschäftsführer Energiewirtschaft des Ökostrom-anbieters Lichtblick. Lücking wirft den Stromkonzernen und Stadtwerken vor, für ihre Stromnetze übertrieben hohe Renditen zu kassieren. Die Kunden zahlen mit EEG-Umlage und Netzentgelten zugleich auch kräftig für die Energiewende mit. Die Netzkosten decken nicht nur den Bau neuer Leitungen und Unterhalt bestehender Netze ab, die Kunden zahlen auch für Eingriffe der Netzmanager wegen starker Schwankungen der Wind- und Sonnenenergie. Dazu zählt vor allem die kostenpflichtige Abschaltung von Windkraftanlagen, wenn die Leitungen den Strom nicht mehr transportieren können, oder der Einsatz von Reservekraftwerken.

Die Kosten sind dabei ungleich verteilt: Die Netzentgelte wachsen nämlich besonders stark auf dem Land, im Osten – und in Bayern. Also überall, wo besonders viele Wind- und Sonnenenergieanlagen errichtet und angeschlossen werden müssen. Während der Westen mit seinen modernen Stromleitungen und vergleichsweise weniger Erneuerbaren-Kraftwerken weniger draufzahlt. Der für Bayern und Norddeutschland zuständige Netzbetreiber Tennet hatte Ende September eine massive Erhöhung seiner Entgelte um 80 Prozent angekündigt.

Kunden können nach Preiserhöhung Anbieter kündigen

Wenn Strompreise steigen, können Verbraucher ein Sonderkündigungsrecht nutzen. Schließlich haben Stromhaushaltskunden je nach Region inzwischen die Wahl zwischen im Schnitt rund 100 verschiedenen Anbietern.

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