Siemens verhandelt mit Löscher über einvernehmliche Trennung

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Peter Löscher,scheidender Siemens-Vorstandschef

München – Der Sturm bei Siemens flaut zumindest an der Oberfläche ab. Mittlerweile geht man im Konzern davon aus, dass die heutige Sitzung des Aufsichtsrats ohne größere Probleme gemeistert und ein Machtwechsel an der Spitze des Konzerns vollzogen wird.

Damit würde der scheidende Vorstandschef Peter Löscher doch noch einer „einvernehmlichen Trennung“ zustimmen und es nicht auf eine Kampfabstimmung ankommen lassen. Damit läuft alles auf den bisherigen Finanzchef Joe Kaeser als neuen Siemens-Kapitän zu.

Solange Löscher nicht seinen Rauswurf provoziert und freiwillig geht, müssen die Entscheidungen im Aufsichtsrat nur mit einfacher Mehrheit gefällt werden. Andernfalls wäre eine Zweidrittelmehrheit zur Abberufung des Österreichers nötig. Als sicher gilt jede Mehrheit, da schon die Arbeitnehmerseite im 20-köpfigen Aufsichtsgremium wohl geschlossen gegen Löscher und für Kaeser votieren will. Querstellen könnten sich allerdings bis zu drei Vertreter der Kapitalseite, allen voran der stellvertretende Siemens-Aufsichtsratschef und frühere Boss der Deutschen Bank, Josef Ackermann.

Ackermann sowie Allianz-Chef Michael Diekmann und die ebenfalls im Aufsehergremium sitzende Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller haben die Art und Weise des Löscher-Abgangs angeblich als „unwürdig“ bezeichnet. Auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) lobte Löscher als jahrelangen „zuverlässigen Partner“ der Staatsregierung. „Peter Löscher ist ein Mann mit Handschlagqualität“, sagte Seehofer.

Unter der Oberfläche rumort es bei Siemens noch gewaltig mit Chefaufseher Gerhard Cromme als Epizentrum. An seiner Person und seinem mangelhaften Krisenmanagement entzündet sich Kritik. Ackermann wird zudem Interesse an einer Übernahme des Postens als Aufsichtsratschef bei Siemens nachgesagt. Siemens-intern gilt der Ex-Chef der Deutschen Bank wegen seiner strikten Renditeorientierung speziell bei der Belegschaft als unvermittelbar. Dennoch werden in München und Siemens-intern bereits Nachfolgelösungen für den 70-jährigen Cromme diskutiert. Als erster Kandidat wird dabei der demnächst scheidende Linde-Chef Wolfgang Reitzle genannt. Der ehemalige BMW-Vorstand verlässt den Gasehersteller im Frühjahr 2014, ohne in den dortigen Aufsichtsrat zu wechseln. Bei Linde und in seiner BMW-Zeit hat Reitzle Erfahrung bei Dax-Konzernen gesammelt. Bei einem weiteren, dem Autozulieferer Continental, ist er derzeit Aufsichtsratschef und hat in Hannover einige Fähigkeiten im Befrieden innerbetrieblicher Spannungen an den Tag gelegt. Cromme wird nun von verschiedener Seite nahegelegt, bis zur nächsten Siemens-Hauptversammlung 2014 seinen eigenen Rückzug zu regeln. T. MAGENHEIM-HÖRMANN

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare