Siemens bietet für Alstom

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Fusionen . München – Das Rennen zwischen Siemens und General Electric (GE) um Alstom ist offiziell eröffnet.

Der Münchner Technologiekonzern will ein Übernahmeangebot für die französische Industrieikone abgeben. Das hat Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg vor der Nationalversammlung in Paris bestätigt. Dort wurde eine solche Offerte besprochen.

Für deren Vorlage hat die französische Regierung Siemens nun Zeit verschafft und die Pariser Börsenaufsicht AMF eingeschaltet. Sie soll die Alstom-Führung um Konzernchef Patrick Kron dazu bringen, die Angebote von Siemens und GE gleich zu behandeln. Kron favorisiert bislang GE. Alstom wollte eigentlich schon heute eine Verkaufsentscheidung verkünden.

Daraus wird nun vorerst nichts. Siemens kann jetzt die Alstom-Bücher prüfen. Das Interesse der Bayern an Alstom hat gute Gründe. Gemessen an der wirtschaftlichen Bedeutung Frankreichs ist Siemens dort mit gut zwei Milliarden Euro Jahresumsatz relativ schwach vertreten. Eine Übernahme wesentlicher Alstom-Aktivitäten würde das mit einem Schlag ändern. Frankreich bekäme für Siemens praktisch über Nacht den Status eines zweiten Heimatmarkts.

Die Alstom-Energiesparte mit Kraftwerken aller Art würde Siemens auch über deutsch-französische Grenzen hinaus in einem überdurchschnittlich profitablen Kerngeschäft gegenüber dem US-Erzrivalen GE entscheidend stärken. Der US-Riese kommt in Frankreich auf rund acht Milliarden Euro Umsatz und konkurriert mit Siemens global nicht nur mit Kraftwerken.

Seit einiger Zeit versucht GE in Europa und speziell in Deutschland Siemens vor der Haustür mehr Konkurrenz zu machen. Würde Siemens Alstom GE überlassen, wären die US-Amerikaner über Nacht in Europa nahezu auf Augenhöhe mit dem deutschen Vorzeigekonzern.

Im Augenblick hat aber Siemens die Nase vorn – vor allem bei der französischen Politik. Siemens garantiert auf drei Jahre den Erhalt aller 18 000 Alstom-Arbeitsplätze in Frankreich und bietet zudem das eigene Zuggeschäft mit dem Prestigeprojekt ICE zum Tausch an.

Vergleichbares kann GE nicht bieten. Richtet man den Blick auf die einzelnen Geschäfte, würde allerdings GE besser zu Alstom passen, weil es weniger Überschneidungen gibt. Doppelfunktionen bergen das Risiko eines größeren Stellenabbaus. Eine Kombination von Siemens und Alstom könnte auch an kartellrechtliche Grenzen stoßen. Ein Beispiel ist das Bahngeschäft, wo die beiden Hochgeschwindigkeitszüge ICE und der französische TGV dann aus einer Hand kämen. Ein anderes sind Wasserkraftwerke, wo Siemens als weltweite Nummer drei mit Alstom als Nummer zwei zu einem Weltmarktführer vereint würden. TH. Magenheim-Hörmann

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