INDUSTRIE

Schweizer Uhrenbauer unter Druck

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Luxusuhr auf der Genfer Messe Mitte Januar: Inzwischen glaubt die Branche, ihr Tief hinter sich gelassen zu haben. Foto: Reuters

Die Schweizer Uhren- industrie muss umsteuern, die Exporte brechen ein. Schuld daran ist unter anderem die Anti-Korruptionskampagne der chinesischen Regierung.

Von Jürgen Dunsch

Genf – Auf Messen neigen Aussteller gerne zur Schönfärberei. Aber wer sich genauer umhört, bekommt ein ganz gutes Gefühl für die Lage der jeweiligen Industrie. Auf dem Uhrensalon in Genf, dem ersten großen Branchentreff in diesem Jahr Mitte Januar, hieß es jüngst: „Das Schlimmste ist vorbei“.

Das Schlimmste: Das sind zwei schlechte Jahre für die erfolgsverwöhnten Uhrenhersteller in der Schweiz, die Matadore auf den Weltmärkten. Jetzt sah Cyrille Vigneron, Chef der zum Richemont-Konzern gehörenden Marke Cartier, in Genf „ein Ende der Kontraktion“.

Zuvor hatte Richemont einen überraschend guten Zwischenbericht vorgelegt. Nach den Worten von Haig Simonian, ehemals Korrespondent der „Financial Times“ in der Schweiz und ein initimer Kenner der Uhrenbranche, erwarten die in Genf vertretenen Aussteller allgemein ein ordentliches erstes Quartal.

Zumindest eine Stabilisierung konstatiert der Uhrenverband, obwohl im vergangenen Jahr die Ausfuhren nach 2015 ein weiteres Mal schrumpften und zwar um deutliche zehn Prozent auf 19,4 Milliarden Franken (18,1 Milliarden Euro). Die im Ausland verkauften gut 25 Millionen Uhren bedeuten die tiefste Zahl seit der Wirtschaftskrise 2009. Zum Vergleich: Die gesamten Exporte der Schweiz legten im abgelaufenen Jahr um 3,8 Prozent zu.

Eine schwache Konjunktur in vielen Ländern, ein von der Terrorangst gedrückter Tourismus in Europa – und die Anti-Korruptionskampagne der chinesischen Regierung auf dem überragenden Markt China und Hongkong hatten unter den Uhrenherstellern ihren Tribut gefordert.

Zur aktuellen Lage hat sich Weltmarktführer Swatch bisher nicht geäußert, aber auch für Branchendoyen Jean-Claude Biver vom Konkurrenten LVMH mit Marken wie TAG Heuer und Zenith ist die Talsohle durchschritten. Also Rückkehr zum „Business as usual“? Davon kann nicht die Rede sein.

Mit der Abzockerei bei vielen Uhrenmodellen während der vorangegangenen Hochkonjunktur ist es vorbei. Die Preise müssen runter, egal wie stark der Franken ist und wie hoch die Löhne in der Schweiz sind. In Genf hat Simonian eine neu entdeckte Vorliebe für preiswertere Uhren beobachtet, mit weniger kompliziertem Innenleben und mit Gehäusen aus Stahl statt Gold. Und Schnickschnack ist out.

Darüber hinaus müssen die Schweizer Anbieter mit neuen Ideen und der stärkeren Berücksichtigung von Trends konjunkturresistenter werden. Das gilt zum Beispiel für das Design, wo der deutsche Konkurrent Nomos Glashütte, der ausgesprochen puristische Zifferblätter anbietet, der Branchenbaisse trotzt.

Manche Hersteller setzen vermehrt auf Damenuhren, auf die schätzungsweise 60 Prozent des Weltmarktes entfallen. Smartwatches werden ebenfalls ein Thema. Für Biver von LVMH befinden sie sich technisch zwar noch auf Steinzeit-Niveau, aber er forciert sie bei TAG Heuer.

Swatch-Chef Nick Hayek hält dagegen bis heute nicht viel von den Multi-Helfern am Handgelenk, bei denen die Zeit- und Datumsangabe nur eine von vielen Funktionen ist. Die Zeit-Zeichen zu erkennen und entsprechend zu handeln: das wird die Hersteller in der Schweiz noch vor manche Herausforderung stellen.

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