So schnell ist der Führerschein weg

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Wer von Polizisten rausgewunken wird, muss nicht nur mit einer Kontrolle, sondern auch mit einem Promille-Test rechnen. Doch nicht nur Alkohol-Delikte im Verkehr können Autofahrer den Führerschein kosten. Foto: dpa

Alkohol am Steuer, zu schnell unterwegs oder zu dicht aufgefahren: Der Führerschein ist bei falschem Verhalten im Verkehr in Gefahr – für mehrere Monate oder sogar ganz. Auch Fahrradfahrer können Probleme bekommen.

Verkehrsrecht

Von Claudius Lüder

Nicht nur im Fasching kann ein Arbeitstag auch mal in einer Feier enden. Wer nach mehreren Bieren das Auto stehen lässt, handelt richtig. Wer dann aber aufs Fahrrad steigt, riskiert seine Fahrerlaubnis auch. „Wer betrunken Fahrrad fährt und mit mehr als 1,6 Promille erwischt wird, muss seinen Führerschein abgeben“, erklärt Tobias Goldkamp, Fachanwalt für Verkehrsrecht. Gleiches gelte im Auto bereits ab 0,3 Promille Blutalkoholgehalt, wenn jemand Ausfallerscheinungen zeigt und etwa Schlangenlinien fährt.

Fahrverbot oder echter Entzug

Grundsätzlich wird zwischen einem zeitweisen Fahrverbot und einem Entzug des Scheins unterschieden. „Wenn ein Fahrverbot verhängt wird, dann für ein bis drei Monate“, sagt Stephan Miller von der Rechtsabteilung des ADAC. Dies sei bei groben oder beharrlichen Ordnungswidrigkeiten der Fall. Der Verkehrssünder könne sich innerhalb von vier Monaten ab der Rechtskraft den Zeitraum aussuchen, in dem er den Führerschein abgibt. „Dadurch ist es möglich, sich auf die autofreie Zeit auch in Bezug auf den Arbeitsplatz vorzubereiten und einen Teil mit Urlaub zu überbrücken“, sagt Miller.

Ab 1,6 Promille geht es zur MPU

Wird wegen einer Straftat der Führerschein komplett eingezogen, gibt es diese Wahlmöglichkeit nicht: „Dann wird die Fahrerlaubnis oft auch sofort eingezogen und nicht erst mit Rechtskraft des Strafbefehls“, erklärt Miller. Das könne der Fall sein, wenn jemand zum Beispiel mit mindestens 1,1 Promille Alkohol im Blut unterwegs ist – „also eine klassische Trunkenheitsfahrt“. Der Führerschein ist dann mindestens sechs bis zwölf Monate weg und neu zu beantragen.

Betroffene werden ab 1,6 Promille auch im Rahmen einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) ihre Eignung für den Straßenverkehr nachweisen müssen, erklärt Miller. Für Führerscheinneulinge, die auf Probe unterwegs sind, gilt generell die 0,0-Promille-Grenze.

Kein Ausweichen auf andere Klassen

Egal ob für einen Monat oder ein halbes Jahr: Ist der Führerschein weg, dürfen auch führerscheinpflichtige Fahrzeuge anderer Klassen nicht bewegt werden. „Wird die Fahrerlaubnis entzogen, betrifft dies alle Fahrerlaubnisklassen“, erläutert Goldkamp. Ausnahmen gebe es aber, wenn die Voraussetzung für eine bestimmte Fahrerlaubnisklasse wegfällt. Lkw-Fahrer müssten ab dem 50. Lebensjahr ein augenärztliches Gutachten vorlegen, um die Fahrerlaubnis verlängern zu lassen. „Wird das nicht vorgelegt, erlischt die Lkw-Fahrerlaubnis, die für den Pkw jedoch bleibt bestehen“, so Goldkamp.

Pedelecs bis 25 km/h bleiben erlaubt

Unterwegs sein dürfen Führerscheinlose unter Umständen mit einem Pedelec. Diese Elektrofahrräder sind führerscheinfrei, wenn die Tretunterstützung bei maximal 25 km/h abgebrochen wird und sie über einen höchstens 250 Watt starken Motor verfügen. „Da sie nicht als Kraftfahrzeuge gelten, dürfen solche Pedelecs auch bei einem Fahrverbot aufgrund einer Ordnungswidrigkeit gefahren werden“, sagt Miller.

Zu wenig Abstand kostet den Schein

Doch nicht nur Alkohol kann den Führerschein kosten. Ein Fahrverbot droht auch bei zu hohem Tempo, Fahren unter Drogeneinfluss, dem Missachten einer roten Ampel oder einem zu geringen Mindestabstand zum Vordermann. Auch geistige oder körperliche Mängel könnten zum Entzug der Fahrerlaubnis führen, sagt Goldkamp: „Es muss also nicht zwingend eine Verkehrsstraftat vorliegen, auch unverschuldete Umstände können der Grund sein.“

Nur selten wird ein Fahrverbot kassiert

Wird der Führerschein eingezogen, hat der Betroffene in der Regel keine Chance, dagegen etwas zu unternehmen oder den Entzug in eine andere Strafe umzuwandeln. „Die Fahrerlaubnis wird nicht zur Bestrafung des Täters, sondern zur Sicherheit des Straßenverkehrs entzogen“, sagt Goldkamp. Anders hingegen verhalte es sich bei einem befristeten Fahrverbot im Rahmen eines Bußgeldverfahrens. In außergewöhnlichen Fällen kann ein Gericht ein drohendes Fahrverbot auch in eine Geldstrafe umwandeln – etwa, wenn ein Arbeitsloser in der Phase der unmittelbar bevorstehenden Existenzgründung steht und ein Fahrzeug braucht.

Punkte in Flensburg werden nicht gelöscht

Wer ein Fahrverbot hinter sich hat, kann nicht davon ausgehen, dass sein Punktestand in Flensburg automatisch auf null gesetzt ist. „Die Eintragungen im Fahreignungsregister bleiben erhalten und werden erst nach Ablauf der jeweiligen Löschfristen entfernt“, so Goldkamp. „Grund ist, dass diese Eintragungen bei einem späteren Antrag auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis relevant sein können, um zu prüfen, ob der Antragsteller wieder fahrgeeignet ist.“

Ausländischer Schein ist kein Ausweg

Hat jemand acht Punkte angesammelt, wird ihm die Fahrerlaubnis in jedem Fall entzogen. Bei einem Fahrverbot auf einen ausländischen Führerschein auszuweichen, ist keine Alternative, erklärt Hannes Krämer vom Auto Club Europa (ACE): „Sollte trotzdem gefahren werden, handelt es sich um eine Straftat, die mit bis zu einem Jahr Gefängnis geahndet werden kann.“

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