Schließt die HVB jede zweite Filiale?

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Hat die Bankfiliale bald ausgedient? Nach Informationen der „Welt am Sonntag“ will die HypoVereinsbank ihr Privatkundengeschäft radikal umbauen, dabei jede zweite Filiale schließen und knapp 1600 Stellen abbauen.

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Hat die Bankfiliale bald ausgedient? Nach Informationen der „Welt am Sonntag“ will die HypoVereinsbank ihr Privatkundengeschäft radikal umbauen, dabei jede zweite Filiale schließen und knapp 1600 Stellen abbauen.

München – Die HypoVereinsbank plant einen grundlegenden Umbau ihres Privatkundengeschäfts. Nach einem Bericht der „Welt am Sonntag“ könnten im Zuge dieses Umbaus fast die Hälfte der 584 HVB-Filialen geschlossen und knapp 1600 Stellen gestrichen werden. Vorstandschef Theodor Weimer wollte die Zahlen zwar nicht ausdrücklich bestätigen, dementierte sie aber auch nicht: „Filialen werden geschlossen, weil die Kunden diesen Vertriebsweg nicht mehr nutzen und andere Angebote einfordern“, sagte er der Zeitung. Die HVB wollte am Sonntag keine weiteren Details nennen. Es handle sich um reine Spekulationen, sagte eine Sprecherin gegenüber unserer Zeitung. Erst im März werden Details der Planungen öffentlich bekanntgegeben.

„Wir verlieren richtig Geld bei Kunden mit geringer Produktnutzung“, räumte Weimer ein. Das werde verschärft durch das Niedrigzinsumfeld. Die Bank wolle stark in den Ausbau ihres Multikanal-Geschäfts investieren und dafür insgesamt 300 Millionen Euro in die Hand nehmen, betonte Weimer. „Die Kunden kommen immer weniger in die Filialen. Sie nutzen für ihre Bankgeschäfte lieber das Internet, Tablets und Smartphones. Im Jahr 2000 liefen 70 Prozent der Kundenkontakte über Filialen. 2010 waren es noch 30 Prozent. 2015 werden es nur noch fünf Prozent sein.“

Bis Ende 2016 plane man massive Investitionen in mobile und internetbasierte Angebote sowie in die Attraktivität der Filialen. Über Details spreche das Unternehmen derzeit mit den Arbeitnehmervertretern.

Man schließe bereits jedes Jahr Filialen, sagte Weimar. 2013 seien es rund 50 gewesen. Auch dass es zukünftig weniger Filialen geben werde, sei „so sicher wie das Amen in der Kirche“. Viele Filialen seien nicht mehr rentabel.

Der HVB-Chef bestätigte in diesem Zusammenhang indirekt auch Einschnitte beim Personal. „Generell gibt es für das Filialgeschäft keine Lösung, die nicht wehtun wird.“

Eine Berechnung der „Welt am Sonntag“, dass 240 der 300 Millionen Euro Investitionssumme allein für den Personalabbau weggehen (durchschnittlich 150 000 Euro pro betroffenen Mitarbeiter), dementierte Weimer in dem Interview nicht. Dagegen betonte die Bank gestern gegenüber unserer Zeitung, dass es sich bei den 300 Millionen Euro um „echte Investitionen“ handle.

Weimer räumte auch Fehler der Vergangenheit ein: „Wir haben jahrelang zu wenig investiert, eine Kostenoptimierungsstrategie gefahren.“

Verkaufspläne für die Privatkundensparte gebe es nicht, betonte Weimer. „Es gibt ein ganz klares Bekenntnis von Vorstand und Anteilseigner zum Privatkundengeschäft.“

Die Serviceangebote der Bank werde man spezifizieren, sagte der Vorstandschef. „Wir haben eine überdurchschnittlich vermögende Klientel. Diesen anspruchsvollen Kunden, die viel Geschäft mit uns machen, werden wir künftig noch bessere Beratung und besseren Service bieten. Sie werden mit allen Produkten auf allen Kanälen von uns bedient.“

Umgekehrt bedeute dies: „Wir werden nicht mehr mit allen Kunden in jeder Region mit allen Produkten in allen Kanälen tätig sein können. Ein Kunde, für den wir die dritte oder vierte Bankverbindung sind, kann nicht das Gleiche erwarten wie ein Kunde, der sich eng an uns bindet.“   dpa/mp

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