Roland Berger soll Desertec-Traum retten

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Die Wüstenstrominitiative Desertec gibt nicht auf. Sie setzt nun vor allem auf reiche Ölförderländer und Vorzeigprojekte in Nordafrika. Die Vision bleibt am Leben.

wüstenstrom-Projekt

Die Wüstenstrominitiative Desertec gibt nicht auf. Sie setzt nun vor allem auf reiche Ölförderländer und Vorzeigprojekte in Nordafrika. Die Vision bleibt am Leben.

von thomas magenheim-hörmann

München – Desertec will nicht sterben. Die Ideengeber der Vision vom grünen Solarstrom aus der Wüste nehmen nach der vorjährigen Pleite der deutschen Desertec-Industrieinitiative Dii nun das Heft des Handels selbst in die Hand und haben dafür als neue Galionsfigur den Unternehmensberater Roland Berger gewonnen. „Nicht in drei Jahren, aber in wenigen Jahrzehnten können wir in armen, aber sonnenreichen Regionen der Welt ein relativ hohes Wohlstandsniveau erreichen und Menschen müssen dann nicht mehr aus ihren Ländern fliehen“, wirbt nun der Mann für Desertec, der sonst Unternehmen fit macht und Spitzenpolitiker berät.

Das Aus für die Dii, hinter der immerhin einmal Konzerne wie Munich Re und Siemens, RWE und die Deutsche Bank standen, sehen die Desertec-Macher nicht als ein Scheitern auf ganzer Linie. Die Dii sei nur eine lokale Variante der Desertec-Idee gewesen und sie habe es immerhin geschafft, die Welt solartechnologisch zu kartografieren und Wüstenstromprojekte im Umfang von 70 Gigawatt zu initiieren, was der Leistung von 70 Atomkraftwerken entspricht.

Bis 2018 will Desertec rund um den Globus nun regionale Organisationen schaffen, um die Initiative voranzubringen und sich damit dezentral aufstellen. Den größten Zuspruch gebe es aus dem Kreis der Opec-Staaten, die sich auf eine Zeit nach dem Öl vorbereiten wollen. Dort können sich Wüstenstromprojekte auch besonders schnell rechnen und zwar binnen zwei bis vier Jahren, sagen die Desertec-Schöpfer. Mit jedem dortigen Sonnenkraftwerk werde Öl zum Export frei, dessen Verkauf den Aufbau erneuerbarer Energien finanziert. Schon jetzt gebe es mit Costa Rica in Mittelamerika ein Land, das seine Energie vollständig aus nachhaltigen Quellen bezieht.

Wenn man auf die Gesellschaft abgewälzte Kosten für Kohle- und Atomstrom ehrlich berücksichtigt, rechne sich eine Energiewende schon heute. „Wüstenstrom ist technisch machbar und wirtschaftlich attraktiv“, meint Desertec-Vorstand Andreas Huber. Derzeit sucht er Abnehmer für grünen Strom aus der tunesischen Wüste. Dort ist ein Solarkraftwerk mit 2000 Megawatt Leistung geplant, für das er eine Beteiligung deutscher Energieversorger oder Stadtwerke im Auge hat. Klappt das, könnte erster Strom schon 2018 fließen. Bereits im Bau befindet sich das bislang größte Sonnenkraftwerk der Welt in Marokko. In vier Jahren soll es 42 Prozent des gesamten marokkanischen Energiebedarfs decken. Die Vereinigten Arabischen Emirate produzieren aktuell Solarenergie zu sechs US-Cent je Kilowattstunde, dem weltweit bislang niedrigsten Preis, betont der ehemalige Weltbank-Direktor Jonathan Walters.

Auch ihn konnte Desertec für die eigene Sache begeistern. „Die Welt muss Wege finden, um ihre Wüstenenergie zu nutzen, statt sie zu blockieren“, wirbt Walters. Solarenergie in europäischen Breitengraden zu gewinnen, sei etwa so sinnvoll, wie dort Ananas anzubauen. Die Politik habe zumindest das Thema verstanden, sagt Berger. Vor allem China habe sich energiepolitisch schon sehr verändert.

Mit seinem Netzwerk an Kontakten will der Unternehmensberater, auch in Deutschland Desertec wieder auf die Sprünge helfen. Denn man dürfe die Zukunft nicht mit Technologie von gestern verbauen. „Wir müssen das dunkle Zeitalter der Ölverbrenner beenden, fordert auch Huber. Mittel der Wahl sei Wüstenstrom. „Das elektrische Licht geht heute nur an, weil Menschen über längere Zeit an etwas geglaubt haben“, entgegnet der Desertec-Vorstand allen Skeptikern.

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