Richtig selbstständig

Eine Idee allein reicht nicht: Wer sich selbstständig machen will, braucht die richtige Strategie; vor allem die Finanzierung sollte gesichert sein. Daran scheitern viele Gründungen.
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Eine Idee allein reicht nicht: Wer sich selbstständig machen will, braucht die richtige Strategie; vor allem die Finanzierung sollte gesichert sein. Daran scheitern viele Gründungen.

Den festen Job einfach hinschmeißen und sich selbstständig machen: Viele haben mit diesem Gedanken schon einmal gespielt. Wir geben Tipps, wie es tatsächlich funktionieren kann.

existenzgründer

von lars becker

Im ersten Halbjahr 2017 wurden in Deutschland laut Statista 288 800 Unternehmen neu gegründet, davon 92 200 Kleinfirmen. Im gleichen Zeitraum gab es „nur“ 10 300 Unternehmensinsolvenzen hierzulande. Das zeigt, dass viele Deutsche erfolgreich den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Der Schritt sollte allerdings gründlich überdacht werden. Frustriert beim Chef kündigen und am nächsten Tag mit der eigenen Firma starten, sollte man definitiv nicht. Sinnvoller kann sein, das eigene Projekt erst einmal nebenberuflich zu beginnen. Das ist dann quasi ein Testlauf dafür, ob die Selbstständigkeit tatsächlich Spaß machen und sich finanziell lohnen könnte.

Idee & Businessplan

Wurden diese Grundfragen mit „Ja“ beantwortet, geht es in die eigentliche Gründungsphase. „Ein Monat ist vermutlich zu knapp, zwei bis drei braucht man dafür in der Regel schon“, beziffert Andreas Lutz die minimale Vorbereitungszeit für die Gründung einer eigenen kleinen Firma. Lutz ist Vorsitzender beim Verband der Gründer und Selbstständigen in Deutschland (VGSD). Der erste Schritt ist ein Businessplan, in dem man seine – möglichst mit einem Alleinstellungsmerkmal versehene – Geschäftsidee von allen Seiten durchleuchtet. Dabei muss auch die Konkurrenzsituation für die anzubietende Dienstleistung oder das neue Produkt analysiert und die finanzielle Tragbarkeit des Unternehmens abgeschätzt werden.

Kosten & Zuschüsse

Eine Gründung kostet nämlich zunächst Geld. Selbst wer im Home-Office arbeitet und nicht in teure Büroräume zieht, muss Miete, Kranken- und Pflegeversicherung plus den eigentlichen Lebensunterhalt bezahlen. Da kommen im Raum München schnell mindestens 1500 Euro zusammen. Auch ein Steuerberater oder ein Buchhaltungsbüro macht meist von Anfang an Sinn – weil der Dienstleister Zeit für die eigentliche Arbeit schafft.

Für die schwierige Anfangsphase gibt es verschiedene Fördermaßnahmen wie den Gründerkredit „StartGeld“ der KfW-Förderbank. Er bietet bis zu 100 000 Euro Startkapital für Investitionen und Betriebsmittel zu einem günstigen Zinssatz ab 2,07 Prozent. Wer sein Unternehmen aus der Arbeitslosigkeit heraus gründet, kann einen Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit (BA) beantragen. Ein stimmiger Businessplan ist Voraussetzung, dann können sechs Monate Grundförderung in Höhe des Anspruchs auf Arbeitslosengeld I bewilligt werden. Dazu gibt eine 300-Euro-Pauschale für Sozialausgaben, die auf Antrag für neun weitere Monate genehmigt werden kann. Insgesamt kommen so im Maximalfall bis zu 18 000 Euro zusammen – eine ordentliche Hilfe beim Sprung ins kalte Wasser.

Selbstvermarktung

Das A und O bei einer Gründung bleibt aber, dass man möglichst schnell eigene Kunden akquiriert und somit mit seiner Firma finanziell auf gesunden Beinen steht. „Man sollte vorher sehr gründlich drüber nachdenken, wie man vorgeht und welche Kontakte oder Netzwerke man schon hat“, sagt Lutz. Die Selbstvermarktung ist eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg einer Gründung. Dazu gehören neben Visitenkarten heute auch eine Website und ein ordentlicher Social-Media-Auftritt. Auch stimmige Profile bei Business-Netzwerken wie Xing oder Linkedin sind wichtig – Networking ist unverzichtbar.

Papierkram

Zum Start der Selbstständigkeit gehört auch jede Menge Papierkram. Was bisher über den Arbeitgeber lief, muss jetzt selbst erledigt werden: Ob nun die Auswahl und Beantragung der Krankenversicherung, die Anmeldung der Selbstständigkeit beim Finanzamt samt möglicher Steuer-Vorschusszahlungen oder der freiwillige Abschluss einer Arbeitslosenversicherung. Voraussetzung für den Abschluss dieser Absicherung ist, dass der Antragsteller innerhalb der letzten zwei Jahre vor der Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit mindestens zwölf Monate versicherungspflichtig beschäftigt war. Monatlich kostet das derzeit 89,25 Euro, die Höhe des möglichen Arbeitslosengeldes bewegt sich je nach Ausbildung zwischen 800 und 1400 Euro.

Unternehmensform

Entschieden werden muss auch die Unternehmensform. Die rechtlichen Möglichkeiten sind vielfältig: Man kann klein als einzelner Freiberufler starten, aber zum Beispiel auch eine GmbH, GbR oder oHG gründen. Je nach Unternehmensform muss der Gründer eine Gewerbeanzeige, Gewerbeanmeldung und einen Handelsregistereintrag veranlassen. Bestimmte Berufsgruppen (zum Beispiel Ärzte oder Architekten) müssen sich auch bei der Standeskammer eintragen lassen.

Hilfe suchen

Schon diese Aufzählung zeigt: In der Gründungsphase müssen zahlreiche Fragen beantwortet werden. Deshalb sollte man sich Hilfe suchen. Der Einsatz eines Gründungsberaters kann sich trotz der Kosten lohnen, weil der Experte alle Fördermaßnahmen kennt und den Businessplan auf seine Umsetzbarkeit checken kann. Weitere Informationen, Angebote und Anlaufstellen gibt es unter www.existenzgruender.de.

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