Wie Rentner Steuern sparen können

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Geld zurück vom Finanzamt? Wie hoch beispielsweise die Freibeträge sind, hängt vom Datum des Rentenbeginns ab. Foto: Panthermedia

Millionen Rentner müssen bis Ende Mai eine Steuererklärung beim Finanzamt einreichen. Viele Posten lassen sich aber von der Steuer absetzen. Damit lässt sich die Steuerlast reduzieren, Rentner könnten unter Umständen viel Geld sparen.

Finanzen

Von rund 20,9 Millionen Rentnern müssen etwa 5,6 Millionen bis Ende Mai eine Steuererklärung für 2017 beim Finanzamt einreichen. Allein durch die Rentenerhöhung im letzten Jahr wurden 120 000 mehr Senioren steuerpflichtig, schreibt die Zeitschrift „Finanztest“ in ihrer aktuellen Ausgabe. Doch längst nicht alle müssen auch Steuern zahlen, so die Finanztester, denn sie können viele Posten absetzen wie Gesundheitskosten, Spenden und Kosten für Helfer im Haushalt.

-Wann muss ich als Rentner eine Steuer- erklärung machen?

Ist die gesetzliche Rente das einzige Einkommen, ist es einfach: Von der Jahresbruttorente des Jahres 2017 – das ist die Rente inklusive Versicherungsbeiträge – wird der Rentenfreibetrag abgezogen sowie 102 Euro Werbungskostenpauschale. Bleiben mehr als 8820 Euro, ist eine Steuererklärung Pflicht. Für Ehepaare liegt die Grenze bei 17 640 Euro. Wie hoch der Rentenfreibetrag letztlich ist, hängt vom Jahr des Rentenbeginns ab. War er bis 2005, sind 50 Prozent der Rente steuerfrei. Für jeden späteren Rentenjahrgang ist es weniger. Wer seit 2017 in Rente ist, für den sind 26 Prozent steuerfrei. Begann sie 2016, sind es 28 Prozent. Den Freibetrag ermittelt das Finanzamt anhand der Jahresrente im Jahr nach dem Rentenbeginn und weist das im Steuerbescheid unter „steuerfreier Teil der Rente“ aus. Dieser Freibetrag gilt für immer – wird also bei Renteheröhungen nicht angepasst.

Tipp: Man sollte die „Mitteilung zur Vorlage beim Finanzamt“ beim Rentenversicherer anfordern: Telefon 0800/100 04 80 70. Das ist kostenlos. Dort stehen alle Beträge für die Steuerformulare.

-Mein Mann verdient noch und ich erhalte eine Pension. Gilt für uns auch die 17 640-Euro-Grenze?

Ja, aber in diesem Fall muss anders gerechnet werden. Eine Steuererklärung ist dann nötig, wenn im letzten Jahr bei einem der beiden Personen ein Freibetrag berücksichtigt wurde, ausgenommen Kinderfreibeträge, Pauschalen für Hinterbliebene und Behinderte). Auch wenn einer der beiden mehr als 410 Euro Nebeneinkünfte hatte, ist die Steurerklärung Pflicht. Ebenso, wenn Lohnersatz wie Krankengeld bezogen wurde. Auch wenn einer die Steuerklasse VI hatte oder bei einem ein Ehepaar die Steuerklassen III und V oder IV+Faktor kombiniert wurden.

Wie bei gesetzlichen Renten bleibt auch bei lohnsteuerpflichtigen Pensionen abhängig vom Jahr des Pensionsbeginns ein Teil davon steuerfrei. Erhält jemand seit 2017 eine solche Pension, beträgt der Versorgungsfreibetrag 20,8 Prozent, maximal 1560 Euro plus 468 Euro Zuschlag. Bei 24 000 Euro Pension 2017 sind also 2028 Euro davon steuerfrei.

Tipp: Am besten vergleicht man, ob es als Ehepaar günstiger ist, wenn jeder seine Steuererklärung macht, oder ob eine gemeinsame besser ist. Meist ist die Zusammenveranlagung günstiger, selbst wenn ein Partner so wenig Rente hat, dass keine Steuern fällig wären. Zwar müssen darin beide Partner ihre Einkünfte (Rente, Pension) angeben. Doch durch die niedrige Rente des einen Partners sinkt aufgrund des Splittingtarifs der Steuersatz.

-Kann ich die Steuer- erklärung auf Papier- formularen einreichen?

Ja, die Formulare gibt es beim Finanzamt oder online (Formulare-bfinv.de). Man braucht mindestens die Anlage R, den Mantelbogen und die Anlage Vorsorgeaufwand.

Gibt es allerdings Einnahmen aus selbstständiger Tätigkeit – etwa weil die Photovoltaikanlage Strom ins öffentliche Netz einspeist und man damit als Unternehmer gilt –, muss die Erklärung online eingereicht werden (Elster.de).

-Zählen noch andere Einnahmen in der Steuererklärung?

Ja, dabei müssen auch Renten aus Privatversicherungen, Riester-Verträgen (Anlage R), Firmenverträgen und Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung (Anlage V) sowie selbstständiger Tätigkeit (Anlage S) angegeben werden. Zudem zählen Pensionen dazu und Gehälter, auf die Lohnsteuern gezahlt wurden (Anlage N). Tipp: Außen vor bleibt pauschal versteuerter Lohn wie bei 450-Euro-Mini- oder Saisonjobs.

-Was kann ich als Pensionär oder Rentner noch absetzen?

Steuerabzug bringen vor allem diese Posten:

-Versicherung: Basisbeiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zählen in voller Höhe (Anlage Vorsorgeaufwand). Es kann sein, dass sich andere Beiträge steuerlich auswirken – etwa für Zahnzusatz- (Zeile 45) oder Haftpflichtversicherung (Zeile 50). Automatisch prüft das Finanzamt, ob die Regeln aus der Zeit vor 2005 günstiger sind. Danach sind für 2017 pro Person bis 2234 Euro Versicherungsbeiträge voll anerkannt und weitere 1334 Euro zur Hälfte, sofern mindestens 3568 Euro Beiträge nachgewiesen werden.

-Rentenberater: Ausgaben wie für private Rentenberater gehen als Werbungskosten (Anlage R) ab – mindestens pauschal 102 Euro.

-Spenden & Co.: Neben Kirchensteuern und Spenden zählen auch Parteibeiträge (Mantelbogen). Zumindest gehen bei jedem 36 Euro pauschal für Sonderausgaben ab.

-Besondere Lasten: Ausgaben für Arzt oder Zahnarzt, ärztlich verordnete Therapien, Brillen, Hörgeräte, Arzneien und andere Hilfsmittel werden als außergewöhnliche Belastungen abgerechnet (Mantelbogen). Musste für Unwetterschäden aufgekommen werden, sollte auch dies mit angegeben werden.

Wie viel man davon selber tragen muss, lässt sich im Internet unter Lfst.bayern.de berechnen, dort unter „Steuerinfos“/„Steuerberechnung“. Bei einer Behinderung gibt es je nach Behinderung 310 Euro bis 3700 Euro Freibetrag oder man rechnet die tatsächlichen Kosten ab.

-Jobkosten: Wurde im Jahr 2017 noch gearbeitet und entsprechend Lohnsteuern gezahlt? Dann sollten Werbungskosten (Anlage N) wie etwa für Arbeitswege sowie das steuerlich anerkannte Arbeitszimmer daheim abgerechnet werden. Mindestens gehen pauschal 1000 Euro Jobkosten ab.

-Wie bekomme ich einen Alters- entlastungsbetrag?

Dazu muss ein jedem Fall ine Steuererklärung eingereicht werden. außerdem muss man älter als 65 Jahre sein. Wer vor dem 2. Januar 1953 geboren ist, erhält mindestens 20,8 Prozent, maximal 988 Euro Entlastungsbetrag. Für frühere Jahrgänge ist der Entlastungsbetrag noch höher – maximal beträgt er 1900 Euro (40 Prozent) für bis zum 2. Januar 1941 Geborene.

Einen Entlastungsbetrag gibt es für Einkünfte neben der gesetzlichen Rente, zum Beispiel für Kapitalerträge wie Zinsen über dem 801-Euro-Sparerpauschbetrag (Ehepaare 1602 Euro) im Jahr. mm

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