Rente für Witwen und Witwer

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Hilfe in schweren Zeiten: Der Tod des Ehepartners ist ein schwerer Schicksalsschlag. Wer betroffen ist, muss vieles regeln. Dazu kommt oft die Sorge um die wirtschaftliche Existenz. Hier hilft die gesetzliche Rentenversicherung mit verschiedenen Leistungen. foto: pm

Den Verlust eines geliebten Familienangehörigen kann niemand ersetzen. Die Hinterbliebenenrenten aus der gesetzlichen Rentenversicherung helfen zumindest, fehlendes Einkommen zum Teil auszugleichen. Wir erklären, welche Varianten es gibt und was es zu beachten gilt.

hinterbliebene

von wolfgang büser

Auch wenn sie meist als „Witwenrente“ bezeichnet wird, gilt die Hinterbliebenenrente sowohl für Witwen und Witwer, aber auch für Waisen. Und natürlich auch für eingetragene Lebenspartnerschaften. Es gelten folgende grundsätzlichen Regeln:

Regeln und Voraussetzungen

-Im Jahr 2002 wurde das Hinterbliebenen-Rentenrecht grundlegend geändert. Das führt auch heute noch dazu, dass zwischen „altem“ und „neuem“ Recht unterschieden wird. Und bedeutet: Nach „altem Recht“ beträgt die Witwenrente 60 Prozent der Rente des Verstorbenen. Nach „neuem“ Recht sind es nur 55 Prozent. Die „60 Prozent“ gibt es aber auch heute noch, wenn vor 2002 geheiratet und entweder die (oder der) Verstorbene oder der Ehepartner vor 1962 geboren wurde.

-Die zweite wichtige Regelung: Witwenrente für nach 2001 geschlossene Ehen wird grundsätzlich nur noch gezahlt, wenn die Ehe mindestens ein Jahr bestanden hat – ausnahmsweise aber auch beim Tod innerhalb des ersten Ehejahres (wenn nachgewiesen wird, dass die Ehe nicht „aus Versorgungsgründen“ geschlossen worden war, etwa nach einem Verkehrsunfall mit Todesfolge).

Voraussetzung für die Zahlung ist aber auch, dass der verstorbene Partner mindestens fünf Jahre gesetzlich rentenversichert oder bereits Rentner war. Beim Tod durch Arbeitsunfall kommt es darauf nicht an. Natürlich gilt das nur für die Zeit „ohne neue Ehe“.

Große und kleine Witwenrente

„Klein“ oder „groß“? Witwenrenten können „klein“ oder „groß“ ausfallen. Die große Witwenrente beträgt 60 beziehungsweise 55 Prozent des Rentenanspruchs vom verstorbenen Ehepartner. Die kleine Witwenrente bringt nur 25 Prozent. Das Ergebnis ist auch davon abhängig, wie hoch der Rentenanspruch der oder des Verstorbenen war. Ebenso wichtig ist der Zeitpunkt, in dem die Witwenrente fällig wird.

Grundsätzlich gilt: Bei einem Todesfall im Jahr 2018 steht einer Witwe, die noch nicht 45 Jahre und sieben Monate alt ist, die große Witwenrente nur dann zu, wenn sie ein Kind unter 18 Jahren erzieht oder erwerbsgemindert ist. Sobald aber das für 2018 maßgebende Mindestalter erreicht ist, die Witwe also 45 Jahre und sieben Monate alt ist, gibt es die große Witwenrente – egal, ob ein Kind erzogen wird beziehungsweise eine Erwerbsminderung vorliegt. Einige Beispiele verdeutlichen die Regelungen:

-Beispiel 1: Die Witwe ist beim Tod ihres Mannes 30 Jahre alt, erzieht kein Kind und ist nicht erwerbsgemindert: Ihr steht die kleine Witwenrente zu.

-Beispiel 2: Die Witwe ist 25 Jahre alt und hat ein Kind. Sie bekommt die große Witwenrente.

-Beispiel 3: Die Witwe ist 45 Jahre und sieben Monate alt und hat kein Kind unter 18. Gezahlt wird die große Witwenrente.

-Beispiel 4: Die Witwe ist 45 Jahre und drei Monate alt, hat kein Kind und ist auch nicht erwerbsgemindert. Zunächst gibt es die kleine, vier Monate später die große Witwenrente.

-Beispiel 5: Eine Ausnahme gilt für Witwen mit Kindern unabhängig von deren Alter: Hier steht die große Witwenrente stets auch dann zu, wenn das Kind behindert ist und sich nicht selbst unterhalten kann.

Zahlung in der ersten Zeit nach dem Tod

Bitter: Die kleine Witwenrente endet bereits nach zwei Jahren. Das Gesetz unterstellt dabei, dass Witwen nach dieser Übergangszeit selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können.

Positiv: Für die auf den Sterbemonat folgenden drei Kalendermonate, auch Sterbevierteljahr genannt, wird die Witwenrente in Höhe der Versichertenrente gezahlt, die dem Ehepartner zum Zeitpunkt seines Todes zugestanden hätte, beziehungsweise schon gezahlt wurde. Stirbt also ein Ehemann Anfang April 2018, so steht seiner Witwe für die Monate Mai, Juni und Juli 2018 seine volle Rente zu. Erst ab August 2018 könnte die eigentliche Witwenrente beginnen.

Rentenabfindung bei erneuter Heirat

Die Rentengesetze halten eine weitere Regelung für Witwen parat, die nicht länger allein bleiben wollen: Heiraten sie wieder, dann fällt zwar ihre bisherige Witwenrente weg. Doch als „Starthilfe“ können sie eine Rentenabfindung kassieren. Die beträgt grundsätzlich zwei Jahresbeträge der Witwenrente – berechnet aus dem Durchschnitt der vorhergehenden zwölf Kalendermonate. Das kann stattliche Summen in fünfstelliger Höhe ergeben.

Anrechnung des Einkommens

Wer eine Witwenrente bezieht, bekommt sie quasi als Ersatz für den entgangenen Unterhalt des verstorbenen (Ehe-)Partners. Das bedeutet: Die Rente wird um einen Teil eigener Einkünfte gekürzt, da ja insoweit kein „Unterhaltsanspruch“ bestanden hätte. Doch ist das Gesetz gnädig:

Generell gilt ein Einkommens-Freibetrag von gerundet 819 Euro (im Osten: 784 Euro) vom pauschalierten „Netto“ pro Monat. Insoweit bleibt die Hinterbliebenenrente also unangetastet. Übersteigendes Eigeneinkommen wird dann nur zu 40 Prozent an der Hinterbliebenenrente gekürzt: pro 100 demnach um 40 Euro.

Was wird als Einkommen angerechnet? Es handelt sich dabei hauptsächlich um Lohn oder Gehalt (auch aus Minijobs), eine eigene Rente und/oder Betriebsrente sowie Einnahmen aus Mieteinkünften und auch Zinseinnahmen (jeweils um Pauschalbeträge reduziert), um auf das „Netto“ zu kommen. Riester-Renten werden aber ebenso wenig angerechnet wie sonstige Hinterbliebenenrenten oder Arbeitslosengeld II.

Mehrere Personen anspruchsberechtigt

Hat ein Ehemann wiederholt geheiratet, so können nach seinem Tod sowohl eine Witwe als auch eine oder mehrere frühere Ehefrauen Anspruch auf eine Hinterbliebenenrente haben. Die Witwenrente gibt es zwar nicht zwei- oder dreimal; sie wird vielmehr unter den Anspruchsberechtigten aufgeteilt: Jede frühere Ehefrau erhält den Teil der Rente, die ihrer Ehedauer mit dem Verstorbenen entspricht. Dieser Teilbetrag ist dann ihre Hinterbliebenenrente, auf die gegebenenfalls ihr eigenes Einkommen angerechnet wird.

Weiterführende Literatur

„Hinterbliebenenrente – Hilfe in schweren Zeiten“, eine kostenlose 44-seitige Broschüre der Deutschen Rentenversicherung Bund ist kostenlos im Internet erhältlich (www.deutsche-rentenversicherung.de). Die Broschüre kann auch bestellt werden, Telefon 030/865-0, E-Mail: info@deutsche-rentenversicherung.de.

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