Rendite fürs gute Gewissen

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Grüne Investments: Eine verbindliche Definition für nachhaltiges Wirtschaften gibt es nicht. Wer sein Vermögen entsprechend investieren will, sollte deshalb immer auf die Details des jeweiligen Anlageprodukts achten. Foto: Myriam, Panthermedia

Wer nachhaltig anlegen will, sollte genau hinsehen. Denn es gibt für Nachhaltigkeit keine einheitlichen Standards. Anbieter können das nach Gutdünken auslegen.

Geldanlage

Von Manfred Fischer

Ein dreistelliger Milliardenbetrag fließt in Deutschland jährlich in ethisch-ökologische Geldanlagen. Die Renditen sind Studien zufolge in vielen Fällen vergleichbar mit denen konventioneller Finanzprodukte oder sogar besser. Ob Aktien, Fonds oder Sparanlagen, bei allen Anlageformen gibt es nachhaltige Alternativen. Doch der Markt ist unübersichtlich. Es existieren keine einheitlichen Standards, wofür „nachhaltig“ stehen soll. Jeder Anbieter kann das nach Belieben auslegen. Woran können sich Sparer orientieren?

Wachsender Nischenmarkt

Umweltzerstörung, Kinderarbeit, Herstellung international geächteter Waffen: Mehr und mehr Investoren legen Wert darauf, dass ihr Geld nicht schmutzigen Geschäften dient. Seit Jahren wächst dieser Nischenmarkt im Anlagebereich stärker als der konventionelle. Das liegt vor allem an institutionellen Anlegern. Nur zehn Prozent des Kapitals stammen bisher von privaten Anlegern. „Doch ihr Anteil steigt kontinuierlich. Die Tendenz, dass Kleinanleger nach Nachhaltigkeitskriterien fragen, verstärkt sich“, sagt Thomas Grimm vom Berater-Netzwerk Ökofinanz 21. „Das baut sich zu einer Welle auf, die zum Mainstream wird“, prophezeit er.

Was nachhaltig bedeutet

Nachhaltigkeit schließt drei Kategorien von Kriterien ein, abgekürzt mit ESG. Das Kürzel steht für Environmental, Social, Governance – Umwelt, Soziales, Unternehmensführung. ESG-Kriterien werden je nach Anlageform und Anbieter auf unterschiedliche Art und Weise bei Finanzprodukten berücksichtigt. Wie das genau geschieht, bleibt für Verbraucher vielfach im Ungefähren.

-Ein Anlageansatz richtet sich nach Negativkriterien. Es sollen also beispielsweise keine Gelder in die Waffenproduktion fließen.

-Positivkriterien dienen dazu, Kapital gezielt in nachhaltig wirtschaftende Firmen, Branchen oder Länder zu lenken, zum Beispiel ins Geschäft mit erneuerbaren Energien.

-Der „Best-in-Class“-Ansatz zielt darauf ab, in die „Klassenbesten“ einer Branche zu investieren – jene Unternehmen, deren soziales und ökologisches Engagement die Maßstäbe setzen. Orientieren können sich Anleger an einigen Online-Datenbanken. Der Finanzdienstleister Morningstar etwa hat ein Nachhaltigkeitsrating für Fonds entwickelt. Das „Forum Nachhaltige Geldanlage“ stellt ESG-Profile von Fonds bereit. Es gibt auch Nachhaltigkeits-Indizes. Der bekannteste ist der Dow Jones Sustainability Index (DJSI).

Indizes an deutschen Börsen sind unter anderen der Daxglobal Sarasin Sustainability Germany Index EUR, der Stoxx ESG Leaders (beide Frankfurt) und der Global Challenges Index (Hannover). Der älteste Nachhaltigkeitsindex in Deutschland ist der Natur-Aktien-Index, NAI (Stuttgart).

Unterschiedliche Anlageformen

Wer Geld unter ethisch-ökologischen Gesichtspunkten anlegen möchte, muss sich mit einem verhältnismäßig kleinen Marktangebot begnügen.

-Sparanlagen: Nachhaltige Finanzprodukte wie Tagesgeld, Festgeld und Sparbriefe bieten vor allem alternative und kirchliche Geldhäuser, zum Beispiel Triodos Bank, Umweltbank und GLS Bank. Was die Zinshöhe angeht, reichen die Produkte allerdings nicht an die besten konventionellen heran. Aber auch zahlreiche Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben ebenfalls nachhaltige sichere Zinseinlagen im Produktportfolio.

-Ethisch-ökologische Fonds: Mehr als 400 ESG-Fonds sind in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) zurzeit zugelassen. Etwa die Hälfte davon sind Aktienfonds, gehandelt werden internationale, breit streuende Fonds wie auch Fonds, die sich auf Regionen oder Branchen fokussieren. Überdies stehen Themenfonds zur Auswahl, sie setzen auf erneuerbare Energien, Wasser oder Umwelttechnologien.

-Außerdem gibt es zwei Dutzend ETFs, also börsengehandelte Fonds, die einen Index abbilden. Größter Anbieter ist der US-Vermögensverwalter Black Rock.

Nicht auf Kosten der Rendite

„Den Luxus kann ich mir nicht leisten“, antwortet Alfred P. Doolittle in dem Musical „My Fair Lady“ auf die Frage, ob er denn gar keine Moral habe. Die Antwort ähnelt jenen, die man zuweilen von Anlegern hört, wenn sie sich mit grünen Investments konfrontiert sehen. Aber: Studien räumen mit dem Vorurteil auf, dass Nachhaltigkeit Rendite kostet.

Nach einer aktuellen Analyse der Ratingagentur Scope zeigen sich zwischen nachhaltigen und konventionellen Aktienfonds nur kleine Unterschiede in der Performance. Tendenziell ist die Rendite ethisch-ökologischer Geldanlagen etwas höher. „Nachhaltige Unternehmen weisen langfristig höhere Ertragspotenziale und bessere Risiko-Rendite-Profile auf als Unternehmen, deren Nachhaltigkeitsprofil weniger stark ausgeprägt ist“, erläutert der Analyst Andreas Feiner.

Auch andere Studien kommen zu diesem Ergebnis. „Wenn man das Rendite-Risiko-Verhältnis betrachtet, sind nachhaltige Fonds genauso gut oder besser als konventionelle Fonds“, sagt der Finanzwissenschaftler Christian Klein, der für eine Untersuchung an der Universität Kassel 35 einschlägige Studien ausgewertet hat.

Mehr zum Thema

Das sechsseitige Dossier zum Thema gibt es unter der Fax-Abrufnummer 09001/25 26 65 51 (62 Cent pro Minute) bis 8. Dezember 2017.

Fax-Gerät auf „Polling“ oder „Sendeabruf“ stellen, Fax-Service-Nummer wählen und Starttaste drücken.

Kein Fax? Dann senden Sie einen mit 85 Cent frankierten Rückumschlag plus 1,45 Euro in Briefmarken unter dem Stichwort „Grüne Geldanlage“ an: Versandservice, Lerchenstraße 8, 86938 Schondorf.

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