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DWD warnt vor schwerem Gewitter in Teilen des Landkreises Rosenheim

Starkregen, Sturmböen und Hagel

DWD warnt vor schwerem Gewitter in Teilen des Landkreises Rosenheim

Landkreis Rosenheim – Der DWD veröffentlichte am Sonntagabend (26. September) eine amtliche …
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AMBITIONIERTES ZIEL

Zwei Pollinger wollen die weltweite Landwirtschaft revolutionieren

Kartoffelernte: Mitte September sind die Kartoffeln auf dem Acker reif und werden von Tassilo Willaredt, Gabriel Erben und fleißigen Mitgärtner*innen in wenigen Stunden eingebracht.
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Kartoffelernte: Mitte September sind die Kartoffeln auf dem Acker reif und werden von Tassilo Willaredt, Gabriel Erben und fleißigen Mitgärtner*innen in wenigen Stunden eingebracht.

2017 gründeten Agraringenieur Gabriel Erben und Gärtner Tassilo Willaredt die Solawi Lenzwald in Polling, mit der sie derzeit 121 Erwachsene und 58 Kinder mit Gemüse versorgen. Doch die Beiden haben Größeres vor. Sie wollen einen Weg finden, die Weltbevölkerung zu ernähren, ohne die Erde auszubeuten.

von Hedwig Unterhitzenberger

Polling – Tassilo Willaredt und Gabriel Erben haben ein ehrgeiziges Ziel: Sie wollen, dass Grundnahrungsmittel wieder vor der eigenen Haustür erzeugt werden – auf nachhaltige Art und Weise. „Corona hat gezeigt, wie abhängig wir von fragilen Lieferketten sind. Vieles kommt von weit her und ist an extrem getaktete Lieferzeiten gebunden“, konstatiert Gabriel Erben. „Das muss nicht sein.“

Tassilo Willaredt, Gründer der Solawi Lenzwald.

Bei Seminar kennengelernt

Die beiden lernten sich 2015 über ein Seminar kennen. Tassilo wohnte damals bereits in der Hofgemeinschaft in der Nähe von Mühldorf. 2016 fasste der Gärtner den Plan, den Selbstversorger-Hof zu einer solidarischen Landwirtschaft zu erweitern, und fragte Gabriel, ob er einsteigen wolle. Nach ein paar Wochen Schnuppern war klar, dass die beiden zusammen weitermachen.

Im Februar 2017 ging die Solidarische Landwirtschaft (Solawi) Lenzwald an den Start. 47 Kulturen werden auf einem Hektar über das ganze Jahr angebaut und geerntet. Gewirtschaftet wird nach dem Prinzip: Verantwortung und Ernte teilen.

Die Produzenten und die Konsumenten schließen sich im Verein zusammen und finanzieren gemeinsam die Jahreskosten der Landwirtschaft. Die Mitglieder sichern sich langfristig hochwertige, regionale und nachhaltige Lebensmittel – ohne lange Transportwege und ohne unnötige Verpackung. Abgeholt werden können die Kisten immer mittwochs. Die Depots sind in Polling, in Mühldorf, in Kraiburg und in Altötting.

Klare Aufteilung der Aufgaben

Während Tassilo Willaredt die Gärtnerei verantwortet, ist Gabriel Erben für die Organisation der Solawi, die Finanzen und die Werbung zuständig. Die Zahl der Interessenten wächst von Jahr zu Jahr: 2017 waren es 20 Mitglieder, 2018 etwa 35, 2019 waren 45 dabei. Trotzdem hatten sich die beiden immer etwas höhere Mitgliederzahlen erwartet. „Wenn wir nicht limitiert wären, was das Land angeht, dann wären wir schon größer“, versichert Gabriel Erben.

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Der Agraringenieur fürchtet: „Wenn die Solawis nicht größer und nicht mehr werden, werden wir immer in der Nische bleiben.“ Das größte Problem sei der Landzugang, so der 34-Jährige: „Es ist total schwer, an Flächen zu kommen.“ Die Flächenverteilung geht entweder über den Preis oder über Beziehungen. Die Pachtpreise steigen immer weiter – die hohen Preise können teilweise nur noch über Förderungen bewältigt werden, mit denen zum Beispiel Biogas-Betriebe von der Politik unterstützt werden. Da seien die Förderungen falsch verteilt, kritisiert Erben.

Gabriel Erben, Organisator der Solawi Lenzwald.

Das große Ziel der Solawi ist weit mehr als eine ökologische Landwirtschaft, die auf Kreislaufwirtschaft, Biodiversität und organische Dünger setzt. „Das allein reicht nicht“, weiß Tassilo Willaredt. Der Schlüssel ist der Humus-Gehalt in der Erde. „Wir müssen unsere Böden sanieren, indem wir wieder Humus aufbauen. Zur Sanierung sind neben dem Aufbau von Humus auch Mulchsysteme, langjährige Fruchtfolgen, eine schonende Bearbeitung und Züchtung neuer mehrjähriger Nutzpflanzen notwendig.

Jährliche Bodenproben

Einmal im Jahr werden in den Gewächshäusern und auf dem Feld Bodenproben gezogen, die dann im Labor untersucht werden. Als Willaredt 2016 mit dem Humus-Aufbau begann, lag der Humus-Gehalt bei 2,8 Prozent, derzeit liegt er bei 6,5 bis acht Prozent. „Weltweit sind unsere Böden im Moment bei durchschnittlich zwei Prozent Humus“, erläutert Willaredt. Ab fünf Prozent Humus sei die Erde in der Lage, sich zu regenerieren, ergänzt er.

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Das Ziel für die nächsten Jahre: mehr Land, mehr Mitglieder und ein breiteres Angebot. „Ab rund 300 Mitglieder lassen sich angemessene Löhne für Gärtner und Landwirte zahlen“, weiß Erben. Denn die Kosten steigen nicht linear. Der Beitrag von derzeit 73 Euro pro Anteil und Monat könne nach wie vor auf einem moderaten Level bleiben, und trotzdem sei mehr Geld für die Löhne da. Erben betont: „Der Selbstwert von Landwirten und die Zahlungsbereitschaft von Konsumenten müssen steigen.“

In zehn Jahren ist das Ziel ein Vollversorgungshof. Dazu gehören für die beiden Eier, Brot, Milchprodukte und Rinder, deren Mist ein kostbarer Bodendünger ist.

Gegen diese Art der Landwirtschaft spricht nach Einschätzung einiger Experten, dass weltweit bald zehn Milliarden Menschen ernährt werden müssen und die Flächen knapp sind. Erben hält dagegen, dass der hohe Ertrag der konventionellen Landwirtschaft auf einem sehr wackligen Fundament stehe, weil er nur noch mithilfe von Kunstdünger aufrechterhalten werden könne. „Das wird irgendwann zusammenbrechen.“ Deshalb sei es wichtig, den Humus-Gehalt in den Böden wieder aufzubauen, sodass die Erde ohne künstliche Beihilfe fruchtbar ist.

Visionen für die ganze Welt

Und wie kann man Land nachhaltig bewirtschaften und die Weltbevölkerung ernähren? Die beiden wollen ein Modell finden, dass sich global skalieren lässt. Für Tassilo Willaredt ist klar: „Wir brauchen Technik, da immer weniger Menschen auf dem Land leben und arbeiten möchten.“ Darin liegt die Kunst. Denn mit Technik greift man viel intensiver in den Boden ein, dennoch muss Humus auf- anstatt abgebaut werden.

Die Vision: Zu 25 Prozent sollen sich die Städte selbst ernähren. Die Städter sollen Gemüse in Innenhöfen anbauen. Kleine Rasenflächen werden für Beete genutzt. Statt einer Zier-Johannisbeere wird eine echte Johannisbeere als Hecke gepflanzt. Über die Müll-Einhausung wird keine Clematis wachsen, sondern eine Kiwi. Die restlichen 75 Prozent der Nahrungsmittel werden von Solawis aus dem Umland kommen, die größere Flächen effizient mit Maschinen bearbeiten. Tassilo Willaredt ist sich sicher: „Wenn wir hierauf den Fokus legen, haben wir in 50 Jahren ein blühendes Paradies auf diesem Planeten.“

Stichwort Solawi: Verantwortung und Ernte teilen

2011 gründete sich das Solawi-Netzwerk in Deutschland. Derzeit gibt es hierzulande mehr als 300 Soziale Landwirtschaften, sogenannte Solawis – dagegen stehen laut Statistischem Bundesamt fast 247000 konventionelle Betriebe. Verantwortung und Ernte teilen – das ist das Prinzip einer Solawi. Produzenten und Konsumenten schließen sich im Verein zusammen und finanzieren gemeinsam die Jahreskosten der Landwirtschaft. Die Verbraucher sichern sich langfristig hochwertige, regionale und nachhaltige Lebensmittel – ohne lange Transportwege und ohne unnötige Verpackung.

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