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INTERVIEW

Zweckverband für mehr Wohnraum: In Traunstein wird der Landkreis aktiv

Immer mehr Menschen leben im Landkreis Traunstein. Der Wohnraum wird umso bedeutender. Klinger
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Immer mehr Menschen leben im Landkreis Traunstein. Der Wohnraum wird umso bedeutender.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Landkreis Traunstein – Der Zuzug ist ungebrochen. Doch leider ist Wohnraum knapp. Um Kommunen dabei zu unterstützen, mehr Wohnraum mit Mitteln des Freistaats zu schaffen, hat der Landkreis Traunstein den kommunalen Zweckverband heimat.chiemgau gegründet. Was hinter dem Konzept steckt, haben die OVB-Heimatzeitungen den Geschäftsführer von heimat.chiemgau, Lothar Wagner, gefragt.

Herr Wagner, wie hat der Freistaat Wohnraum bislang gefördert?

Lothar Wagner: Der Freistaat hat vor einigen Jahren erkannt, dass es Bedarf an Wohnraum gibt. Die Frage war, wie kann die Schaffung von Wohnraum gefördert werden? Zum Teil hatte damals der Freistaat selbst gebaut, allerdings meist in Ballungsräumen. Außerdem gab es den klassischen sozialen Wohnungsbau.

Lothar Wagner ist Geschäftsführer von heimat.chiemgau.

Wie kamen die Kommunen ins Spiel?

Wagner: Laut der bayerischen Verfassung ist die Schaffung von Wohnraum eine Aufgabe der Gemeinden und Städte. Aus diesem Grund hat der Freistaat ein Förderprogramm aufgelegt. Mit diesem Programm wird der Wohnungsbau auf kommunaler Ebene durch einen Zuschuss des Freistaats in Höhe von 30 Prozent der Kosten und einem zinsverbilligten Darlehen bei der BayernLabo (Anm. d. Red.: Die BayernLabo ist eine organisatorisch und wirtschaftlich selbstständige, rechtlich unselbstständige Anstalt der Bayerischen Landesbank München) für 60 Prozent gefördert. Zehn Prozent der Investition muss die Kommune selbst tragen.

Warum kümmert sich der Landkreis Traunstein um dieses Thema, wenn es doch Sache der Kommunen ist?

Wagner: Für viele kleine Kommunen ist der Aufwand sehr hoch, wenn sie selbst bauen. Das beginnt beim Verfahren, einen Architekten zu finden und bei Ausschreibungen. Viele Gemeinden können das personell nicht stemmen. Durch die Zuschüsse ist das Thema aber für Kommunen sehr interessant.

Hinzu kommt, dass wir beim Landratsamt auch Erfahrung mit diesem Thema haben, da wir eine eigene Wohnungsbaugesellschaft mit derzeit 357 Wohnungen bereits seit den 70er Jahren betreiben.

Warum baut dann der Landkreis nicht einfach selbst?

Wagner: Der Hintergrund ist das Förderkonzept. Der Freistaat war nicht bereit, dem Landkreis diese Zuschüsse zu gewähren. Lediglich für den Fall, dass wir als Landkreis für unsere Beschäftigten bauen. Das bedeutet für die Mitarbeiter im Landratsamt, in den Kliniken und den Kreisaltenheimen. Nutznießer sollten aber eben nicht nur die Mitarbeiter des Landratsamts sein. Daher haben wir den Zweckverband gegründet.

Welche Rückmeldungen haben Sie von den Kommunen?

Wagner: Wir haben sehr positives Feedback von den Kommunen. Wir bieten allen Gemeinden und Städten im Kreis den Beitritt an. Der jeweilige Gemeinderat entscheidet, ob die Gemeinde beitritt. Die Kosten sind aus meiner Sicht sehr niedrig, nämlich bei 5 Cent pro Einwohner. Bislang sind 14 Städte und Gemeinden bereits beigetreten, die Entscheidungen laufen aber noch.

Wie läuft das konkret ab, wenn eine Kommune bauen möchte?

Wagner:Der Zweckverband ist eigene Körperschaft des öffentlichen Rechts. Die Gemeinde geht an den Zweckverband heran und veräußert das Grundstück an den Zweckverband. Wir planen dann den Bau, schreiben aus und übernehmen auch die Vermietung. Der Zweckverband ist letztlich der Vermieter, die Gemeinde ist dann raus.

Gibt es auch Kommunen, die nicht beitreten wollten?

Wagner: In der Tat wollen sowohl Bergen als auch Trostberg nicht beitreten. Zum Teil bauen diese Kommunen schon selbst, daher brauchen sie unser Angebot derzeit nicht. Das ist aber völlig in Ordnung für uns und nachvollziehbar. Auf der anderen Seite hat ein Beitritt für eine Gemeinde angesichts der geringen Kosten keine Nachteile.

Wie viele Projekte haben Sie schon abgeschlossen und was ist geplant?

Wagner: In Traunreut ist unser erstes Projekt entstanden. Das Gebäude steht und ist bald bezugsfertig. Wir wollen weitere sieben bis acht Projekte machen und brauchen daher einen umstrukturierten Zweckverband. Unser Ziel ist es, mittelfristig einen Wohnungsbestand von 200 bis 250 Wohnungen aufzubauen.

In Siegsdorf könnte sich ein Projekt bald konkretisieren, auf dem 24 Wohneinheiten entstehen sollen. In Traunstein soll ein Personalwohnheim für die Mitarbeiter der Kliniken entstehen, außerdem könnte für den Campus Chiemgau ein Wohnheim für Schüler und Studenten möglicherweise über den Zweckverband gebaut werden.

Wer soll die Wohnungen bekommen und was werden sie kosten?

Wagner: Laut Förderrichtlinie sollen die Wohnungen breiten Bevölkerungsschichten zugutekommen. Grundsätzlich kann jeder die Wohnungen mieten, wobei wir vorwiegend Menschen ansprechen wollen, die nicht extrem einkommensstark sind. Die Mieten orientieren sich einerseits am Wohngeldgesetz und Hartz-IV-Grundsätzen, allerdings mit Aufschlag. Schließlich müssen die Mieten auch die Baukosten refinanzieren. Die konkreten Vergabekriterien sind noch offen. Hier werden wir den Wünschen der Kommunen nachkommen.

Landkreis Traunstein: 33 Millionen für über 200 Wohnungen

„Bezahlbarer Wohnraum ist eine der großen Zukunftsfragen unserer Zeit“, sagt der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch (CSU). Der Landkreis investiere derzeit 33 Millionen Euro für über 200 neue Wohnungen. Weitere Projekte seien bereits in der Planung. „Mit unserer eigenen Wohnungsbau-GmbH und dem Zweckverband „Heimat.Chiemgau“ haben wir einen bayernweit einzigartigen Verbund entwickelt, mit dem wir in der Lage sind, flächendeckend das Angebot von bezahlbarem Wohnraum in der Region zu erweitern“, so Walch. Er spricht von einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe, wobei das Augenmerk besonders auf bezahlbarem Wohnraum für Auszubildende, Schüler und Studenten liege, gerade in Hinblick auf den „Campus Chiemgau“.

Ein Konzept für den Landkreis Rosenheim?

„Der Landkreis Rosenheim ist mit seiner Wohnungsbaugesellschaft seit vier Jahren wieder sehr aktiv bei der Schaffung von neuem und bezahlbarem Wohnraum“, sagt Landrat Otto Lederer (CSU). In Wasserburg sei eine Wohnanlage mit 16 Wohnungen entstanden, in Kiefersfelden die Bauleitplanung für eine weitere Wohnanlage mit insgesamt 21 Wohneinheiten begonnen worden. Zahlreiche große und kleinere Gemeinden haben bereits die Möglichkeit der Förderungen durch den Freistaat genutzt und so Wohnungsbauprojekte umgesetzt, sagt der Landrat. „Bisher hat sich für den Landkreis der Bedarf nach einem Zweckverband nicht herauskristallisiert.“ Sollte sich dies in der Zukunft ändern, werde das laut Lederer mit den Mitgliedern der Kreisgremien diskutiert.

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