Die Zeit wird knapp: Regionale Betriebe suchen händeringend Azubis

  • vonAlexandra Schöne
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1640 freie Ausbildungsplätze: Das ist die Zwischenbilanz der Industrie- und Handelskammer (IHK) München und Oberbayern für diesen Sommer. Insgesamt haben 1117 Schulabgänger noch keine Ausbildungsstelle. Doch die Zeit drängt.

Rosenheim/Mühldorf/Traunstein – In Stadt und Landkreis Rosenheim steht laut der IHK jedem Bewerber rein rechnerisch mehr als eine Stelle zur Auswahl. Doch für viele Betriebe in der Region bleibt es auch heuer eine große Herausforderung, alle Ausbildungsplätze mit Azubis zu besetzen. 849 Lehrstellen sind noch offen. Diesen stehen 699 Schulabgänger gegenüber.

Corona erschwert Suche nach Azubis

Die Anzahl der gemeldeten Berufsausbildungsstellen ist – laut IHK unter anderem durch die Corona-Pandemie – gesunken: In der Stadt um mehr als drei Prozent auf 589 und im Landkreis um fast ein Prozent auf 1486 Stellen. Gleichzeitig nahm jedoch auch die Anzahl an Bewerbern in der Stadt um rund neun Prozent (434 )und im Landkreis um zwei Prozent (1329) ab. „Für ausbildungsbereite Betriebe ist die Situation daher erneut sehr schwierig. Zumal der Corona-Stillstand die Suche nach geeignetem Fachkräftenachwuchs massiv erschwert hat“, sagt Andreas Bensegger, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Rosenheim.

Die Anzahl der gemeldeten Berufsausbildungsstellen und Bewerber in den Landkreisen Rosenheim, Mühldorf und Traunstein. Klinger

Der Rosenheimer Unternehmer geht außerdem davon aus, dass es über den Sommer bei den Vertragsabschlüssen zu einem Aufholeffekt kommen wird. Zwar bestätige sich auch in der Region Rosenheim der Trend vom Rest Oberbayerns: Bei Betrieben in Industrie, Handel und Dienstleistungen seien im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 fast zehn Prozent weniger Verträge abgeschlossen worden. Doch durch Corona haben sich Bensegger zufolge alle Abläufe verzögert. „Schnupperpraktika, Ausbildungsmessen und Bewerbungsgespräche konnten nicht stattfinden. Deshalb dürften manche Ausbildungsverträge mit zwei oder drei Monaten Verspätung abgeschlossen werden“, prognostiziert er.

Zahl der Ausbildungsstellen um 15 Prozent gesunken

Im benachbarten Landkreis Mühdorf sieht die Lage nicht viel anders aus. Hier sind noch 277 Lehrstellen unbesetzt. Jeder der 227 jungen Erwachsenen, die die Schule beendet haben, könnte sich auf mehr als einen Platz bewerben. „Die Anzahl der Ausbildungsstellen ist um mehr als 15 Prozent auf 633 gesunken“, sagt Ingrid Obermeier-Osl, IHK-Vizepräsidentin und Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Mühldorf-Altötting. Anders als im Landkreis Rosenheim stieg die Bewerberzahl sogar. Sie liegt bei 704. Im Gegensatz zu Rosenheim und Traunstein werden in Mühldorf insgesamt mehr Bewerber verzeichnet als Ausbildungsstellen vorhanden sind.

536 freie Plätze für 191 Schulabgänger

Genau wie im Landkreis Mühldorf gibt es auch im Landkreis Traunstein mehr gemeldete Bewerber. Die Zahl erhöhte sich um vier Prozent auf 966. Die Anzahl der Azubi-Plätze sank dabei – wie in den beiden anderen Landkreisen – um vier Prozent auf 1507. Jedem einzelnen der 191 Schulabgänger stehen rein rechnerisch fast drei Stellen zur Verfügung (536 freie Plätze).

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Nikolaus Binder, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Traunstein, verweist auf eine aktuelle Umfrage der bayerischen IHKs. Drei Viertel der befragten Betriebe geben hierbei an, dass die Ausbildung trotz Corona normal weiterläuft. Junge Erwachsene sollten sich bei ihrer Suche nach einem Platz von der Corona-Krise und ihren Auswirkungen nicht verunsichern lassen.

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