„Wir werden die Krise mit einem blauen Auge überstehen“

Normaler Arbeitsalltag trotz Corona: Viele Schreinereien bieten ausreichend Platz, sodass die Mitarbeiter den Sicherheitsabstand zueinander wahren können, so wie hier in der Schreinerei von Innungsobermeister Peter Moser aus Nußdorf am Inn. Steffenhagen

Rosenheim – Noch im Januar schaute Peter Moser, Obermeister der Rosenheimer Schreinerinnung, auf ein erfolgreiches Jahr 2019 zurück.

Die Auftragsbücher waren gut gefüllt. Die Baubranche boomte. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie herrscht in vielen Branchen Stillstand, zahlreiche Wirtschaftszweige leiden unter den Auswirkungen. Moser erklärt, wie es dem heimischen Schreinerhandwerk geht.

Herr Moser, welche Auswirkungen verspürt das regionale Schreinerhandwerk angesichts der weltweiten Corona-Pandemie?

Sowohl im Bauhauptgewerbe als auch im Bereich der Schreiner herrscht derzeit ein ausgewogener Betrieb. Wir fertigen Möbel und Inneneinrichtungen, sind aber auch als Bautischler oder als Spezialisten für den Einbau von Fenstern und Türen unterwegs. Alles Bereiche, bei denen es gut läuft. Dafür sorgte bislang die allgemeine Konsumfreudigkeit. Hier wirkte sich das niedrige Zinsniveau bei Privat- und Gewerbekunden positiv aus. Damit waren die Auftragsbücher bis zum Ausbruch der Pandemie gut gefüllt. Die Auftragsbearbeitungszeiten liegen im Durchschnitt bei rund 90 Tagen. Im Regelfall bestehen feste Lieferungs- und Leistungsverträge, die wir jetzt erfüllen können.

Wird das auch so bleiben?

Was die Zukunft anbelangt, verhalten sich die potenziellen Auftraggeber augenblicklich etwas zurückhaltend. Schwieriger sieht es jetzt für die handwerklichen Messebauer aus. Denn sie haben für die nächsten Monate fast 90 Prozent ihres Auftragsvolumens verloren, weil alle Messen abgesagt wurden. Ein wenig profitieren wir auch von der Pandemie, da wir uns kurzfristig mit Spezialaufträgen konfrontiert sehen, um Niesschutzwände in Apotheken, Banken, bei Ärzten oder im Einzelhandel einzubauen, damit dort der vorgeschriebene Abstand zwischen den Menschen eingehalten werden kann. Einige Betriebe, wie zum Beispiel die Gastronomie, haben die Krise sogar für Renovierungen oder Umarbeiten genutzt und investiert. Ein Kunde sagte mir: ‚Corona hin oder her, gegessen wird in Bayern immer gerne‘. Optimismus, den man sich allenthalben wünscht.

Schätzen Sie die weitere Entwicklung im Schreinerhandwerk auch so optimistisch ein?

Ja, denn aktuell ist die Auftragslage weiterhin gut. Die Auslastung der Betriebe liegt im Durchschnitt zwischen 60 und 90 Prozent. Nicht stattgefundene Messen schlagen natürlich bei unseren Messebauern voll ins Kontor. So hoffen wir zunächst auf die staatlich zugesicherten Unterstützungen und auf die finanziellen Erleichterungen für die Wirtschaft. Auch wenn der Geschäftsklimaindex auf ein Allzeittief gestürzt ist, gehen wir davon aus, dass der Sturzflug schon bald aufgefangen werden kann, denn schließlich gibt es auch eine Zeit nach Corona, in der das Leben weitergehen wird. Der Corona-Schock sitzt momentan recht tief, daher ist es psychologisch wichtig, dass der Staat weiterhin positive wirtschaftspolitische Signale sendet. Gerade hier ist es angesagt, für Optimismus zu sorgen, denn Trübsal blasen und im Kummer versinken hat in Krisenzeiten noch nie weitergeholfen. Dort wo Umsatzeinbrüche zu einer betrieblichen Schieflage geführt haben, setzen wir auf schnelle und unbürokratische Hilfen für die betroffenen kleinen und mittleren Betriebe.

Welchen Hindernissenwird sich das Handwerk stellen müssen?

Probleme könnte es geben, wenn Lieferengpässe auftreten. So haben bereits einige unserer Zulieferer davor gewarnt, dass sie in einigen Wochen wahrscheinlich nicht mehr wie gewohnt bedienen können. Dabei bestehen die Engpässe insbesondere bei den Produkten, die wir aus Krisenländern wie Italien oder China beziehen. Bei uns macht sich allerdings positiv unser ausgeprägtes Regionalprinzip bemerkbar, denn viele Rohstoffe, insbesondere Holz, beziehen wir im Regelfall aus der näheren Umgebung. Sicherlich wird das Jahr 2020 den positiven Trend der Vorjahre nicht fortsetzen. Trotzdem bleibe ich optimistisch, dass wir Corona, wenn auch mit einem blauen Auge, überstehen werden. Andere Branchen, wie zum Beispiel die Gastronomie, haben es da sicherlich deutlich schwerer.

Wie haben Sie den geforderten Schutz Ihrer Mitarbeiter sichergestellt?

Im Regelfall verfügen unsere Werkstätten über ausreichend große Räumlichkeiten, sodass der geforderte Mindestabstand von eineinhalb bis zwei Metern gut eingehalten werden kann. Darüber hinaus gehören Schutzmasken zu unserem Tagesgeschäft. Denn in Arbeitsbereichen oder bei Tätigkeiten, bei denen mit einer Holzstaubbelastung von mehr als zwei Milligramm pro Kubikmeter in der Luft zu rechnen ist, zum Beispiel beim Wechseln von Filterelementen, muss nach den Sicherheitsvorschriften der Berufsgenossenschaft immer ein Atemschutz getragen werden. Dazu gehören auch die mittlerweile berühmt gewordenen FFP2-Masken, die wir unseren Mitarbeitern bei Bedarf zur Verfügung stellen. Auch bei Montagen in den Räumen unserer Kunden können wir die geforderten Abstände einhalten. Ansonsten stellen wir auch hier den geeigneten Schutz bereit. Problematisch ist lediglich die Fahrt im Lieferwagen, da hier die Sitzmöglichkeiten keine Garantie für Abstände von mindestens eineinhalb Meter bieten. Dann setzen wir eben mehrere Fahrzeuge ein. Interview: Volkhard steffenhagen

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