„Wir müssen uns Mut zusprechen“: Regionale Brauereien haben in der Corona-Krise zu kämpfen

Bier hat besonders in Bayernseit langer Zeit einen hohen Stellenwert. Die heimischen Brauereien sind wie viele andere Betriebe auch von der Coronakrise betroffen, stellen aber ihre Produktion weiterhin sicher. dpa
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Bier hat besonders in Bayernseit langer Zeit einen hohen Stellenwert. Die heimischen Brauereien sind wie viele andere Betriebe auch von der Coronakrise betroffen, stellen aber ihre Produktion weiterhin sicher. dpa

Feste und Veranstaltungen fallen aus, Gastronomen retournieren Bier, die ausländischen Märkte brechen weg: Die Brauereien in der Region sehen sich im Zuge der Corona-Krise mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Trotzdem sichern sie weiterhin die Bierproduktion und unterstützen ihre Kunden.

Von Alexandra Schöne

Rosenheim/Landkreis – Restaurants und Cafés haben geschlossen, das öffentliche Leben ist massiv eingeschränkt. Die Maßnahmen, die im Zuge der Corona-Krise von der bayerischen Staatssregierung verordnet wurden, schlagen hohe Wellen in allen Bereichen des Lebens – auch in der Bierindustrie. Viele regionale Brauereien haben mit der momentanen Situation zu kämpfen.

Marisa Steegmüller, Geschäftsführerin der Flötzinger-Brauerei, beobachtet die Entwicklungen durch die Ausbreitung des Coronavirus mit wachsender Besorgung. „Ich sehe die Coronakrise wie eine Wirtschaftskrise. Da ziehe ich die Politik zur Verantwortung. Die Wirte müssen unterstützt werden, da die ganze Situation für viele existenzbedrohend ist.“

Hilfsportal für Wirte installiert

Die Bierproduktion sei zunächst trotz allem gesichert. „Die Brauerei und natürlich in erster Linie die Mitarbeiter sollen geschützt werden. Deshalb gibt es unter anderem keine Brauereiführungen mehr“, sagt Steegmüller.

Die Löhne und Gehälter würden weiterlaufen. Der wirtschaftliche Schaden durch die vielen Ausfälle von Festen, wie zum Beispiel das Starkbierfest in Raubling, sei groß. „Da müssen wir schauen, wie und vor allem wie lange wir das überbrücken können. Der wirtschaftliche Aspekt macht einem große Sorgen.“

Bei Auerbräu, Rosenheims zweiter großer Brauerei, wurden die internen Abläufe schon vor einer Woche an die Corona-Situation angepasst. Die Verwaltung und der Außendienst arbeiten vom Homeoffice aus, im Braubetrieb steht Sicherheit und Kontrolle nach wie vor an erster Stelle.

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„Natürlich ist die Gastronomie massiv von den Einschränkungen betroffen. Wir beschäftigen uns momentan intensiv mit den Schließungen und stehen in engem Kontakt mit unseren Wirten“, versichern Dirk Steinebach und Thomas Frank, die Geschäftsführer von Auerbräu.

„Derzeit arbeiten wir an einem Hilfsprogramm, um schnell und effizient helfen zu können. Zusätzlich gibt es ein neues Portal, auf dem für Wirte sämtliche Informationen zur finanziellen Unterstützung durch den Staat gesammelt werden.“

Abgesehen von der Gastronomie produziert Auerbräu auch für den Lebensmittelhandel. Das bleibe natürlich bestehen. Trotzdem rechnen die Geschäftsführer mit Umsatzrückgängen: „Welche wirtschaftlichen Auswirkungen die Situation genau hat, können wir im Moment noch nicht abschätzen.“

Ausländische Märkte brechen weg

Derzeit sehen Steinebach und Frank jedoch keinen Anlass, ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken. Man müsse die Situation aber weiterhin beobachten. „Gerade jetzt wissen wir um unsere Verantwortung für unsere Angestellten und werden immer versuchen, andere Lösungen zu finden, wie etwa Überstundenabbau.“

Wenige Kilometer weiter, in der Schlossbrauerei Maxlrain bei Bad Aibling, ist man sich ebenfalls noch nicht sicher, ob Kurzarbeit in Anspruch genommen werden muss. „Das prüfen wir im Moment noch. Aber es ist sehr wahrscheinlich, dass wir nach Abbau von Urlaub und Überstunden diese Maßnahme ergreifen müssen“, sagt Brauereidirektor Roland Bräger.

„Bei uns ist ja nicht nur die Gastronomie und die Hotellerie weggefallen, sondern auch der Auslandsfaktor“, gibt er zu bedenken. „Bayerisches Bier ist im Ausland sehr gefragt. Die italienischen Märkte sind beispielsweise komplett zusammengebrochen. Das sind schon gravierende Einschnitte.“

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Die Belieferung von Restaurants, Hotels und Ausland mache um die 50 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Die Einbußen könnten mit dem Flaschenbiervertrieb nicht kompensiert werden. „Die Flaschenbierumsätze werden jedoch auch zurückgehen, denn die Leute können ja nicht zusammen kommen und Zeit in der Gesellschaft anderer verbringen. Da wird auch weniger getrunken“, meint Bräger.

Miteinander reden und Mut zusprechen

Die Maxlrainer möchten wie viele andere Brauereien vor allem auch ihre Wirte unterstützen, „Es gibt einfach Leute, die es viel ärger trifft als uns, und deshalb pflegen wir ein enges Verhältnis zu unseren Gastronomen. In solche Zeiten ist es einfach wichtiger als je zuvor, miteinander zu kommunizieren, einander aufzumuntern und sich gegenseitig Mut zuzusprechen“, bekräftigt Bräger.

Alois Unertl senior, Chef der Brauerei Unertl in Haag, erwartet durch die Coronakrise ebenfalls Umsatzeinbußen und macht auf das bereits fertige Fassbier aufmerksam. „Das bleibt nämlich stehen und nach einer gewissen Zeit wird es schlecht. Bier ist keine Konserve, sondern ein frisches Lebensmittel. Wenn es so weitergeht, muss das Fassbier weggeschüttet werden“, so Unertl. „Wir bieten den Gastronomen an, das Bier, das schon bestellt und geliefert wurde, zurückzunehmen. Das Geld erstatten wir ihnen.“ Diese Maßnahme komme sehr gut an. „So fair muss man sein“, findet der Brauereichef. Zudem erlässt Unertl seinen drei Pachtwirtschaften auf längere Zeit die monatlichen Zahlungen.

Produktion der 13 Sorten Bier gesichert

„Wir wollen ja auch nach der ganzen Krise wieder mit den Wirten ins Geschäft kommen.“ Bei einer Sache ist er sich sicher: „Das Jahr wird mit aller Sicherheit sehr schwer werden.“

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Im Traunsteiner Hofbräuhaus bemüht man sich, positiv gestimmt zu sein. „Unsere Verkaufsleiter sind für die Fragen und Sorgen der Wirte da. Wir planen an allen Ecken und Enden und hoffen auf die Maßnahmen der Regierung“, so Katharina Gaßner, Pressesprecherin der Brauerei. Im Handel sei Nachfrage da, aber der Schwerpunkt der Brauerei liege auf der Gastronomie. „Wir rechnen mit einer Einbuße von um die 70 Prozent, aber genau lässt sich das noch nicht sagen.“ Die Produktion der 13 Sorten Bier ist laut Gaßner gewährleistet. „Wir müssen alle zusammenhelfen, auch um ein bisschen Aufbruchsstimmung zu schaffen“, bekräftigt Gaßner.

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