Raiffeisenbank Rechtmehring/Soyen/Albaching (RSA): „Wir gehen einen anderen Weg“

Vorstand Alfred Pongratz (links) und Vorstandssprecher Thomas Rinbergervor einem Mitarbeiterplakat, das die tiefe Verwurzelung der Raiffeisenbank RSA in der Region symbolisiert. Duczek

Rechtmehring – Fusionen und Filialschließungen bestimmen derzeit das Bankenwesen – eine Folge der Ertragskrise aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase der EZB.

Die Raiffeisenbank Rechtmehring/Soyen/Albaching (RSA) geht als kleine ländliche Genossenschaftsbank einen anderen Weg: keine Schließungen, Mitarbeiterausbau, Bewahrung der Eigenständigkeit.

Klares Bekenntnis zumVerbleib in der Fläche

„Fusionen sind bei uns kein Thema“, sagt Vorstandssprecher Thomas Rinberger. Der letzte Zusammenschluss war 1977: Damals entstand der heutige Verbund der Raiffeisenbanken von Rechtmehring mit Soyen und Albaching, drei kleine Orte mit gemeinsam gut 6000 Einwohnern in den Landkreisen Rosenheim und Mühldorf. Das erweiterte Geschäftsgebiet reicht bis nach Wasserburg, wo die Genossenschaftsbank 2001 ein Beratungsbüro eröffnete. Im vergangenen Jahr kam eines in der Geschäftsmeile von München, der Leopold straße, hinzu. Eine seiner Stärken sieht das Bankhaus im Empfehlungsgeschäft. Gute Kunden leben im Speckgürtel von München bis zum Ammersee und nach Landshut. „Wir machen kein Investmentbanking“, unterstreicht das Direktorium, im Fokus stehe das klassische Bankgeschäft – mit sicheren Einlagen, Kreditvergaben an Gewerbetreibende, Handwerker und Landwirte sowie Häuslebauer. Seit Anfang 2020 ist ein eigener Wertpapierfonds im Angebot – „mit nachhaltigen Papieren, mit überschaubaren Risiken“, so Rinberger. Er und Pongratz betonen: „Wir bleiben in der Fläche, sperren keine Zweigstelle zu.“ Selbst beim Lockdown waren alle Filialen geöffnet. „Wir wollen damit auch symbolisch verdeutlichen: Wir sind für unsere Kunden da – persönlich.“ Auch der Digitalisierung um jeden Preis erteilt der Vorstand eine Absage. Online-Banking: ja, doch wer will, kann in Rechtmehring, Soyen und Albaching noch persönlich zur Kasse gehen, Geld abheben oder Überweisungen tätigen.

Klingt nach Banking wie aus den guten, alten Zeiten. Die Rechnung geht auf. 2019 war nach Vorstandsangaben „ein sehr gutes Jahr“ für die Raiffeisenbank: Sie schloss mit dem besten Ergebnis ihrer 120-jährigen Geschichte ab, freut sich Rinberger.

Die Bilanzsumme betrug nach seinen Angaben 456 Millionen Euro – 11,1 Prozent mehr als im Vorjahr. 242 Millionen Neukredite wurden – auch über Verbundpartner – vermittelt und vergeben. Das betreute Kundenvolumen betrug insgesamt 1,2 Milliarden Euro.

Das Personal wurde weiter aufgestockt – um sieben neue Mitarbeiter auf jetzt 73. Mit einem Eigenkapital von 45 Millionen Euro ging die Raiffeisenbank ins Jahr 2020. Ein gutes Polster für die seit der Corona-Krise begonnene Wirtschaftskrise, die sich auch im Alltag der Raiffeisenbank RSA bemerkbar macht. Die Zahl der Tilgungsstundungs- und Kreditanträge aus dem gebeutelten Mittelstand und von Familien mit Arbeitnehmern in Kurzarbeit steige. Mit der Gießkanne die Unterstützungsgelder mit voller Staatshaftung auszuschütten, macht nach Erfahrungen der Vorstandsmitglieder keinen Sinn. Sie stehen daher auch hinter einer 90-prozentigen Haftungsfreistellungsgrenze. Denn wer einen Kredit beantrage, müsse ihn auch zurückzahlen können.

Mittelstandnicht gefährden

Wie sich das Corona-Jahr 2020 weiter entwickeln wird, ist derzeit noch nicht absehbar, betonen Rinberger und Pongratz. Die ersten Monate bei der Raiffeisenbank RSA seien ebenso gut verlaufen wie im Jahr 2019, doch jetzt würden Einschnitte erwartet. Wichtigste Aufgabe der regionalen Banken sei es, in der Krise, den Mittelstand zu stärken.

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