„Wir brauchen eine Holzbauoffensive“: Zimmerer informieren bei Messe in Rosenheim

Nicht gerade ein klassisches Zimmererprodukt, aber gerade deshalb ein Beispiel für die Innovationskraft des Handwerks: Franz Wörndl von der Rosenheimer Zimmererinnung auf einem Fahrrad mit Holzrahmen, das einer seiner Mitarbeiter fertigte.
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Nicht gerade ein klassisches Zimmererprodukt, aber gerade deshalb ein Beispiel für die Innovationskraft des Handwerks: Franz Wörndl von der Rosenheimer Zimmererinnung auf einem Fahrrad mit Holzrahmen, das einer seiner Mitarbeiter fertigte.

Bauen mit Holz boomt, dich nach Ansicht der Zimmerer ist noch viel Luft nach oben. Vor allem bei öffentlichen Bauten sollte ihrer Ansicht nach der natürliche Rohstoff deutlich öfter verwendet werden, wie sie bei der Holzbaumesse in der Rosenheimer Inntalhalle deutlich machten.

Rosenheim – „Die Bauwirtschaft kann helfen, unseren ökologischen Fußabdruck in Einklang mit der Ökonomie zu bringen: Der Holzbau hat die Lösungen dazu.“ Diese selbstbewusste Feststellung traf Thomas Pichler, Obermeister der Rosenheimer Zimmerer anlässlich der diesjährigen Holzbaumesse. Und er konnte sie auch begründen. 75 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid würden in Bayern pro Jahr bei der Energieerzeugung freigesetzt, 35 Millionen Tonnen aber schon jetzt innerhalb der Wertschöpfungskette in der Holzverarbeitung kompensiert: Dies sei die Menge an CO2, die das Holz bei seinem Wachstum, aber auch bei seiner Verarbeitung binde. Dabei liege die Holzbauquote in Bayern derzeit erst bei 20 Prozent so Pichler. Wenn dieser Anteil gesteigert und durch Maßnahmen zum Ersatz fossiler Brennstoffe ergänzt werde, sei ein klimaneutrales Bayern keine bloße Vision mehr.

Bauen mit Holz immer gefragter

Dies sieht, ergänzte Peter Aicher, Präsident des bayerischen Zimmererhandwerks, offenbar auch das Bundesumweltamt so. Denn dort habe man für den Holzbauanteil im privaten Sektor eine Steigerung auf 30 Prozent bis zum Jahr 2050 als Zielvorgabe gesetzt. Ein Ziel, das ziemlich sicher sogar überschritten werde, wie Aicher in seiner Begrüßungsansprache erläuterte: „Der Holzbau boomt, das zeigen nicht nur die Umsatzzahlen, die in den letzten Jahren um 20 Prozent gestiegen sind, es steigen auch die Beschäftigungszahlen“.

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Der Grund dafür, so Aicher, liege zum einen natürlich am Rohstoff selbst. In Zeiten eines steigenden Klimabewusstseins sei Holz einfach attraktiv: „Es ist ein Rohstoff, der nicht nur vor der eigenen Haustür nachwächst, sondern auch nach seiner Verwendung als Baustoff nicht am Ende ist“, sagte er und klopfte dabei auf Tisch vor ihm: „Dieses Holz stammt aus dem Dachstuhl der Burg in Wasserburg und damit aus dem Jahr 1640“.

Wesentlichen Anteil am Erfolgstrend des Holzbaus hat nach Aicher auch die Kundenorientierung der Zimmerer: Selbst in Zeiten gut gefüllter Auftragsbücher vergesse man bei den Betrieben nicht, sich intensiv um zukünftige Kunden zu kümmern. Die Holzbaumesse, die in dieser Form einzigartig in ganz Deutschland sei, beweise es.

Holzbau bietet große Bandbreite

Ziel der Messe mit insgesamt 30 Ausstellern sei es, den zukünftigen Kunden die ganze Bandbreite des Handwerks vorzustellen. Diese reiche von klassischer Zimmererarbeit im Denkmalschutz bis zur weitgehenden Vorfertigung von Hausbauteilen, die auf der Baustelle quasi nur noch zusammengefügt werden müssten. Dazu kommt nach Aicher auch die Kundennähe beim Bau selbst. Die Zimmerer entwickelten sich immer mehr zum Komplettanbieter, der seinen Kunden über Kooperationen mit anderen Gewerken ein quasi schlüsselfertiges Haus anbieten könne: „Das große Plus der Innung ist, dass sie in jedem Arbeitsfeld voller Innovationskraft steckt“, so Aicher.

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Ist man also, was den privaten Bausektor anbelangt, mit dem derzeitigen Stand und den Zukunftsaussichten durchaus zufrieden, besteht bei öffentlichen Bauten nach Ansicht der Zimmerer durchaus noch Luft nach oben. Dies räumte auch der stellvertretende Landrat Josef Huber bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Eröffnung ein. Er sagte, dass bei öffentlichen Bauvorhaben stets auch über den Holzbau diskutiert werde, man in Bezug auf Nachverdichtungen auch durchaus die Chancen des Holzbaus sehe. Trotzdem bestehe bei den Bauverwaltungen gerade im Hinblick auf mehrgeschossige Bauten immer noch eine gewisse Scheu vor Risiken und Kosten. Ein wichtiges Stichwort sei hier vor allem der Brandschutz.

Daher stecken die Zimmerer viel Geld in Untersuchungen zum Brandschutz, um nachzuweisen, dass Holz bei entsprechenden Querschnitten auch ohne teure und aufwendige Ummantelung nicht schlechter dasteht als andere Baustoffe. Ziel sei, so Aicher, durch diese Nachweise eine Harmonisierung in der bayerischen Bauordnung zu erreichen, um den Werkstoff Holz mit anderen Baustoffen gleichzustellen.

Wenn Rosenheims Zweiter Bürgermeister Anton Heindl in seiner Begrüßungsrede davon sprach, dass Rosenheim eindeutig das Zentrum der Holzkompetenz sei, so könnte und sollte sich das nach Ansicht der Zimmerer in Zukunft auch bei den öffentlichen Bauten in Stadt und Landkreis zeigen: „Rosenheim braucht im öffentlichen Raum eine Holzbauoffensive“, meinte Aicher.

Genügend Rohstoff und Nachwuchs

Bleibt die Frage, ob der Rohstoff und seine Handwerker für eine deutlich wachsende Nachfrage auch gerüstet wären. Für die Zimmerer kann es hier nur ein eindeutiges „Ja“ geben. Von der Rohstoffsituation her könnte man, so Innungsobermeister Thomas Pichler, sämtliche bayerischen Neubauten in Holz errichten und hätte immer noch eine nachhaltige Waldbewirtschaftung. Und auch was die Arbeitskräfte anbelange, gebe es keinen Mangel, wie Aicher betonte.

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Kreishandwerksmeister Gerhard Schloots hob das ebenfalls als besonders positiv hervor: Der Nachwuchs bei den Zimmerern habe sich in den letzten Jahren um ein Drittel erhöht und er bleibe den Betrieben auch erhalten. Nicht zuletzt, weil man bei der Zimmererinnung darauf achte, dass vor dem Erwerb des Meisterbriefs eine zweijährige Gesellenzeit stehe.

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