Wenn Weihrauch, Myrrhe und Zimt in Rauch aufgehen

Interessierte übten sich auf dem Keltengehöft im Räuchern von Kräutern und Gewürzen und erfuhren nebenher viel über die uralte Tradition der Kelten, Römer und Griechen. Für sie hat das Räuchern einst zum Alltag gehört und wurde auch zu Heilzwecken eingesetzt. Oder, um prophetische Träume hervorzurufen.

Seeon-Seebruck– Als Jahresabschluss der Reihe „Geschichte erleben auf dem Archäologischen Rundweg Bedaium“ gab es erstmals eine von der Tourist-Information Seebruck organisierte Veranstaltung zur „Räucherkultur der Kelten und Römer“. Vom Regen gut geschützt hatten sich die Teilnehmer des Räucherseminars von Martina Ziereis im Wohnhaus des Keltengehöfts Stöffling eingefunden, um Interessantes über die althergebrachte Kunst des Räucherns zu erfahren und auch selbst zu räuchern.

Zuvor gab es noch ein wenig Theorie. Abgesehen von den archäologischen Funden wisse man von den Kelten relativ wenig, da sie keine eigene Schrift gehabt hätten, „doch die Römer haben vieles von ihnen überliefert“, so Museumsführerin Ziereis. Dass die Kelten begeisterte Räucherer waren, gilt jedoch als sicher. Als naturverbundene Menschen verwendeten sie beim Räuchern demnach getrocknete Harze von Kiefer, Fichte, Tanne und Lärche und je nach Anlass, Stimmung und Atmosphäre mischten sie bestimmte Pflanzenbestandteile und Kräuter bei.

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Nicht zu heiß räuchern

Pflanzen, die man nicht kenne, sollte man nicht räuchern, da sie giftig sein könnten, warnte Ziereis. Gefahrlos experimentieren könne man mit Gewürzen und Tees aus der Küche. Verwendet werden könnten auch Beifuß, Eisenkraut, Wacholder, Engelwurz, Baldrian, Mädesüß, Lindenblüten, Pappelknospen und Weidenrinde. Wichtig sei, dass man nicht zu knapp über dem Feuer räuchere, denn dann werde es zu heiß und das Räuchergut könne verbrennen.

Im Rauch die Zukunft sehen

„Bei den Römern hat das Räuchern zum täglichen Leben gehört“, verblüffte Ziereis die Teilnehmer. Jeden Tag sei Räucherwerk für die Hausgötter auf dem Hausaltar der Familie geopfert worden. Auch jedes wichtige Fest sei mit duftendem Rauch bereichert worden. „Die Römer glaubten, wenn sie bereit sind etwas herzugeben, bekämen sie auch etwas zurück. Im Falle der Götter erhofften sie deren Segen beziehungsweise deren Unterstützung“, so Ziereis. Zu den wichtigsten Räucher-Harzen der Römer zählte sie Weihrauch (Olibanum) und Myrrhe, „die zusammen ein Paar bildeten, denn der Weihrauch wurde als männlich, die Myrrhe als weiblich angesehen“.

Auch Guggul (indische Myrrhe), Opoponax (süße Myrrhe), Iris, Zeder und Zimt wurden sehr gerne verwendet. Abgeschaut haben sich die Römer viel von der Räucherkultur der Griechen. „Bei den Griechen wurde zu Heilzwecken geräuchert, aber auch um die Zukunft vorherzusehen und prophetische Träume zu bekommen“, verriet Ziereis. Letzteres passierte beim Räucherseminar in Stöffling zwar nicht, doch die Teilnehmer nahmen viel mit und werden sich noch lange daran erinnern. mmü

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