Wenn ein Delikatessen-Kenner Wäsche verkauft

Herbert Prost, Leiter der IHK-Geschäftsstelle in Mühldorf, eröffnete das „Zukunftsforum Handel“. re

Mühldorf. – „Im Handel ist nicht alles gut, was nach Digitalisierung glänzt!“ Mit kritischen Worten eröffnete Herbert Prost, IHK-Geschäftsstellenleiter in Mühldorf, das regionale „Zukunftsforum Handel Inn-Salzach“.

Wer Online-Handel betreibt und nutzt, müsse auch die Kehrseite betrachten. „CO2-Bilanz des Internets und zunehmende Gütertransporte und Warenrücksendungen, die Umwelt und Straßen belasten, zudem abnehmende persönliche Kontakte“, beklagte Prost.

Mehr als 50 Teilnehmer diskutierten beim Zukunftsforum über den stationären Einzelhandel und die Innenstadtentwicklung. „Eine Stadt ist mehr als die Summe ihrer Häuser“, so Stadtbaumeisterin Birgit Weichselgartner aus Mühldorf. „Städte entwickeln sich nicht, Städte werden entwickelt!“ Das Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) gebe dazu die Leitlinien vor. Ob eine Stadt auch Lebensqualität bietet, funktioniert und nachhaltig ist, liegt nach Worten der Expertin in der Hand von Behörden, Bewohnern und Betrieben. Mühldorf sei hier in einer glücklichen Lage, so Weichselgartner, da es Gebäudequalität mit südländischem Flair biete.

„Vom Shoppingzur Erlebniszone“

„Mit unserem Handeln im Handel gestalten wir die Städte. Einkaufen muss wieder zum Erlebnis werden“, sagte Susanne André von der Beratungsgesellschaft CIMA. Auch wenn sich mittlerweile ein Trend zurück zum Einkaufen vor Ort zeige, würden immer weniger Leute wegen des Einkaufens in die Innenstädte kommen. „Vom Shopping zur Erlebniszone“, lautete daher ihr Appell. Immer wichtiger werden demnach Gastronomie, Dienstleister, kulturelle Angebote oder schlicht das Schlendern in der Stadt. Über Emotionen könne man die sogenannten „Channel-Hopper“ gewinnen, die mal stationär, mal online nach Artikeln suchen.

Christian Göttlinger aus Neumarkt St.-Veit, der mehrere Geschäfte in Innenstädten und Einkaufszentren wie auch einen Webshop betreibt, bestätigte dies. „Kunden kommen mit dem Wunsch, dass beim Einkaufen mal wieder jemand mit ihnen redet“, so der Geschäftsmann.

Viele würden sich auch fragen, was beim Online-Einkauf so bequem sein soll: Stundenlanges Suchen im Netz, die Lieferung persönlich entgegennehmen können, Kleidung anprobieren und eventuell wieder zurücksenden bis hin zum Kontrollieren der korrekten Abbuchung und Gutschrift.

„Die Innenstadt lebt, aber man muss sich schon etwas einfallen lassen“, fasste Einzelhändler Anton Geith aus Burghausen seine Sicht zusammen. Er gab den Kommunalverantwortlichen und Händlern aus der Region Ideen mit auf den Weg: Eine Jazzwoche in den Schaufenstern, eine besondere Maibaumaktion oder eine Musical-Meile.

Besonders gut kam der Vorschlag an, dass Geschäfte ihre Verkäufer für einen Tag tauschen. „Spannend, wenn ein Verkäufer von Delikatessen plötzlich im Wäschegeschäft berät“, so Geith.

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