Wenn betriebliche Praxis und Forschung zusammenkommen

Bernd Siebler, bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, bei den Seeoner Gesprächen 2018. jt

Rosenheim – Der Seeoner Kreis, ein Zusammenschluss von südostbayerischen Unternehmern, versteht sich als Nahtstelle zwischen Wirtschaft und Wissenschaft und ist der wichtigste Förderverein der Rosenheimer Hochschule.

Die alljährlich stattfindenden Seeoner Gespräche dienen der Standortbestimmung hinsichtlich der aktuellen Zusammenarbeit und der Diskussion zukünftiger gemeinsamer Herausforderungen. Thema in diesem Jahr war das Stichwort „Innovationen“. Diese sah man als das entscheidende Mittel, um in sich stark verändernden Zeiten von der Entwicklung nicht abgehängt zu werden, sondern die Veränderungsrichtung mitbestimmen zu können.

Den Part, den die Hochschule Rosenheim hierbei übernehmen kann, machten Vorträge des Hochschulpräsidenten, Heinrich Köster, sowie der beiden Vizepräsidenten, Professor Eckard Lachmann und Professor Peter Niedermaier deutlich. Einen weiteren Vortrag hielt Professor Dieter Benatzky, der Ehrensenator der Hochschule. Sie gaben einen Überblick über die Entwicklung von Forschung und Lehre innerhalb der nächsten drei, vier Jahre. Ziel ist ein Ausbau nah an den Bedürfnissen der Wirtschaft und in Zusammenarbeit mit ihr, dabei nicht alles nur auf Rosenheim konzentriert, sondern auch über die Region verteilt, um dort „Innovationspole“ zu schaffen.

Was damit gemeint ist, wird beispielhaft deutlich am neuen Studiengang Chemtronik, der in den nächsten beiden Jahren aufgebaut werden soll. Er ist, wie Professor Köster sagte, aus den Wünschen der Wirtschaft heraus erwachsen und wird angelehnt sein an das Rosenheimer Erfolgsmodell des Studiengangs Mechatronik: Dieser ist geradezu das Paradebeispiel für einen dualen Studiengang, bei dem die Studierenden von Anfang an einen Teil ihrer Studienzeit in den Betrieben verbringen. Das Ergebnis sind unmittelbare Innovationsimpulse aus der aktuellen Forschung heraus in die Betriebe, ergänzt durch ein direktes Feedback aus den Betrieben heraus zurück an die Hochschule. Auf diesen wechselseitigen Kontakt setzt die Hochschule aber nicht nur in ihren dualen Studiengängen. Auch sonst möchte man dies forcieren, durch Abschlussarbeiten beziehungsweise Promotionen, die nicht nur theoretisch oder in den Laboren der Hochschule, sondern direkt in den Betrieben erarbeitet werden sollen.

Dass der neue Studiengang in Burghausen und damit im südostbayerischen Chemiedreieck angesiedelt werden wird, ist Ausdruck des Willens, „die Hochschule in die Region hinaustragen“: Neue Studiengänge werden im Idealfall nah bei den entsprechenden Betrieben etabliert, in der Region damit zusätzliche Entwicklungsimpulse gesetzt.

In diesem Sinne, so Köster, sei auch das geplante „Forschungszentrum für biobasierte Materialien“ zu sehen, das in Waldkraiburg entsteht. Forschungsziel ist der verstärkte Einsatz von holzbasierten und damit biologisch abbaubaren Materialien zum Beispiel in der Autoindustrie. Überhaupt sollen Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz neben einem breit gefächerten Themenfeld Gesundheitswesen, das von der Medizintechnik bis zur Pflegepädagogik reicht, zu den zukünftigen Schwerpunkten der Rosenheimer Hochschule gehören.

Nicht zuletzt zeigt sich, beim Stichwort Nachhaltigkeit, dass die Rosenheimer Hochschule bestens vernetzt ist. Über das „Verbundkolleg Ressourceneffizienz und Werkstoffe“ ist man am BayWISS beteiligt, dem Bayerischen Wissenschaftsforum. Das Ziel dieses Hochschulverbundes ist es, Promotionen und damit Forschung zu ermöglichen, an der sowohl Universitäten als auch Technische Hochschulen beteiligt sind. jt

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