Wellenreiten üben auf dem Trockenen: Priener Start-up entwickelt Trainingsmatte für Surfer

Surfen und Bayern– hört sich schräg an, vereint sich aber in den beiden Chiemgauern Andy Lammerer (links) und Andreas Kranz. Sie sind seit Jahren leidenschaftliche Wellenreiter und haben nun ein spezielles Trainingsgerät für Surfer entwickelt: die „Popupmatic“. Privat

Es war eine Idee aus der Not heraus: Andy Lammerer aus Stephanskirchen und Andreas Kranz und Breitbrunn sind seit Jahren Surfer aus Leidenschaft. Doch in Bayern ist das Wellenreiten eher schwierig. Um sich bis zum nächsten Surfurlaub fit zu halten, entwickelten sie das Surf-Trainingsgerät „Popupmatic“.

Von Alexandra Schöne

Prien –Es ist ein typisches Start-up: klein, mit neuer Geschäftsidee und eigenem Kapital. „Wir sind quasi eine kleine Garagenklitsche mit guter Idee und Arbeit aus Leidenschaft“, sagt Andy Lammerer über sein brandneues Unternehmen „Popupmatic“ mit Sitz in Prien. Das nach vielen Monaten Arbeit entstandene Produkt: eine hochwertige Yogamatte, die zu Übungszwecken zum Ersatz-Surfbrett umfunktioniert wurde.

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Wie hat alles angefangen? Der 52-jährige Lammerer, „Wassersportler durch und durch“, ist seit Jahren begeisterte Surfer. Genauso wie sein Geschäftspartner Andreas Kranz, den Lammerer natürlich, wie könnte es anders sein, beim Surfen in Spanien kennengelernt hat. „Das muss man einfach mal gemacht haben“, sagt Lammerer. „Diese wenigen Sekunden am Ende, die man auf einer Welle hat, die machen all die Schinderei und Flucherei davor wieder wett“, schwärmt der Stephanskirchner. „Das ist einfach ein unglaubliches Gefühl.“

Daheim gibt es fast nur künstliche Wellen

Wo ihm das Surfen am meisten Spaß mache? „Jede Welle ist toll, egal ob künstlich oder im Meer. Aber die im Ozean ist hart zu verdienen, entsprechend wertvoller ist sie auch“, gibt er zu. Meistens sei er am Atlantik unterwegs, in Spanien, Frankreich oder Portugal. Aber: „Immer nur im Urlaub. Daheim haben wir ja leider kein Meer, sondern nur künstliche Wellen in speziellen Einrichtungen. Da sind wir ‚landlocked’- Surfer, also quasi trockengelegt“, bedauert Lammerer.

Doch dieser Umstand kam „Popupmatic“ letztlich zugute. „Ich wollte mich zwischen den Urlauben surffit halten, üben, mich vorbereiten“, erklärt er.

Zusätzlich zu Paddeltrainingseinheiten mit dem Surfbrett auf dem Simssee hat er auf einer Gymnastikmatte daheim die Schlüsselbewegung beim Wellenreiten trainiert: den „Popup“, das Aufspringen auf dem Brett, bevor es die Welle runtergeht. „Das war immer ein Schwachpunkt bei mir. Das wollte ich ändern“, betont der Firmengründer. Und schon war die Idee für das Start-up geboren.

Vom „Popup“ kommt übrigens auch der Name des Unternehmens und der Matte. Er ist eine Kombination aus besagter Schlüsselbewegung und der zweiten Hälfte des englischen Wortes „automatic“, also automatisch. „Ich hatte auf dieser Matte, auf der ich trainiert habe, keine Orientierung, wo mein Körper und meine Füße genau hinsollen. Deshalb habe ich mir mit schwarzem Klebeband Hilfslinien gezogen“, erzählt Lammerer. Die Idee sei sozusagen aus eigenem Mangel und Bedürfnis geboren worden.

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Surferkollege Andreas Kranz (51) aus Breitbrunn war nach der Unterbreitung des Einfalls prompt begeistert („super Idee“) und die zwei Chiemgauer machten sich an die Erarbeitung eines Firmenkonzeptes.„Wir wollten ein hochwertiges Trainingsgerät für Surfer schaffen, aber natürlich ist und bleibt es im Grunde eine Yogamatte“, meint Lammerer. „Sie könnte darum auch für Pilates oder eben Yoga verwendet werden, die gedruckten Linien geben hierfür auch gute Orientierungshilfen ab.“

Die Matte hat die Form eines Surfbrettes auf ihrer Oberfläche aufgezeichnet, dazu Kreise für Hände und Füße sowie eine Mittellinie, um die Balance besser halten zu können. Produziert wird die Matte in Deutschland, sie besteht aus medizinischem Polyvinylchlorid. „Das enthält keine Schadstoffe, ist recycelbar und nachhaltig. Während des gesamten Produktions- und Versandprozesses sind die Matten außerdem nie in Plastik verpackt. Wir haben kurze Transportwege und sind zudem nicht auf Importe von Materialien aus dem fernen Ausland hingewiesen“, erläutert Hobby-Surfer Lammerer.

Europaweiter Vertrieb in Surfcamps

Kürzlich ist der Onlineshop gestartet, im Warenhandel wird die Matte aus Kostengründen nicht erhältlich sein. „Wir wollen unser Produkt europaweit vertreiben, vor allem in Surfschulen und -camps.“

Der Verkaufspreis liegt bei 89 Euro pro Stück. Das liegt laut Lammerer im Durchschnitt der Kosten einer hochqualitativen Studioyogamatte. „Wir möchten auch keine Überproduktion. Deshalb werden in der Zukunft ein paar Matten auf Lager sein und ansonsten nur auf Zuruf der Kunden gefertigt“, berichtet er. „Die Strukturen sind soweit vorhanden, dass wir schnell reagieren können.“

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Das Ziel sei maximale Nachhaltigkeit. „Ich denke, dass man aufhören muss zu glauben, die Welt als Einzelner retten zu können“, sagt Andy Lammerer. „Wir können nur versuchen, es mit unserem Produkt so gut und eben nachhaltig wie möglich zu machen.“

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