Rabatte sollen's retten: Wegen Corona sind die Lager der Einzelhändler in Wasserburg voll

Der Schlussverkauf bietet heuer besonders viele Schnäppchen, denn die Lager sind noch relativ voll.
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Der Schlussverkauf bietet heuer besonders viele Schnäppchen, denn die Lager sind noch relativ voll.

Corona-bedingt ist in diesem Jahr der Lagerdruck auch in Geschäften im Wasserburger Land besonders hoch. Viele Einzelhändler hoffen auf eine wiedererwachte Kauflaune im Sommerschlussverkauf.

Wasserburg/Haag – Der Sommerschlussverkauf (SSV) hat, wie sein Pendant im Winter, eine jahrzehntelange Tradition. Es geht dem Handel darum, durch Preisreduzierungen Waren der abgelaufenen Saison loszuwerden und Platz für Artikel der kommenden zu schaffen.

30 Prozent mehr Ware als im Vorjahr

Der Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern (HBE), Bernd Ohlmann, hat die Kunden angesichts der vollen Regale bereits auf die Rabattschlacht eingestimmt: „Der Schnäppchentisch ist in diesem Jahr reich gedeckt.“

In der Tat: Auch in Wasserburg sind die Regale voll. Die Geschäftsführerin des Gewandhauses Gruber, Sonja Schacherl, sagt, dass etwa 30 Prozent mehr Ware als im Vorjahr zum Abverkauf zur Verfügung stehe. Reduziert wurden die Preise schon vor Beginn des SSV – in Grubers Outlet-Laden gegenüber dem Hauptgeschäft gibt es bereits seit geraumer Zeit einen Teil der Kleidung mit einem Abschlag von bis zu 70 Prozent. Gängige Ware kostet in der Regel die Hälfte.

Schnäppchenjagd in vollem Gange

Die Schnäppchenjagd ist im Gewandhaus in vollem Gang, das Billig-Angebot wird laut Schacherl gut angenommen. Beziffern kann sie das Plus an Kunden nicht, doch sie stellt fest, dass ihr Geschäft – unabhängig vom SSV – auch von der wieder steigenden Zahl an Touristen profitiere: „Wir müssen die Sachen oft ganz klein zusammenpacken, damit sie in Fahrradtaschen passen.“

Christoph Klobeck, Wirtschaftsreferent in Wasserburg.

Gekauft würden zurzeit Sommerkleider, Sommerröcke, T-Shirts, Damen-Tops und kurze Hosen. Im höheren Preissegment, also bei Abendkleidern und Anzügen, herrsche hingegen Flaute. Auch Tracht finde weiter kaum Abnehmer – ein Grund sind die ausgefallenen Schulbälle und Großfeste.

30 Prozent Verluste aufzuholen

Zur Geschäftsentwicklung seit Ende des Lockdowns Ende April sagt die Geschäftsführerin des Gewandhauses Gruber: „Wir verkaufen schon wieder ganz ordentlich, aber die 30 Prozent Verluste infolge der Schließung holen wir in diesem Jahr nicht mehr auf.“

Auf jeden Fall leeren sich nach und nach die Regale – gerade noch rechtzeitig. Denn die Ware für den Winter rollt an, 35 warme Damenjacken sind im Gewandhaus bereits eingetroffen. Bestellt wurde die Bekleidung für die kühlere Jahreszeit lange vor der Coronakrise, nachträglich konnten die Stückzahlen nicht mehr gesenkt werden. Und was passiert mit den nichtverkauften Waren? „Die müssen wir bis zum nächsten Jahr einlagern“, sagt Schacherl. „So machen es die anderen Geschäfte auch.“

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Bei Christoph Klobeck, Chef des gleichnamigen Bettenfachgeschäfts in der Wasserburger Altstadt, stauen sich ebenfalls die Textilien: „Wir haben in diesem Jahr einen großen Verkaufsdruck.“ Um den zu mildern, hat er sich vor Beginn des Schlussverkaufs zu einer groß angelegten Prospektaktion entschlossen. Die Werbung wurde Anfang Juli unter anderem vom OVB verbreitet. Mit großem Erfolg, so Klobeck. „Der SSV spielt für unser Haus eine wichtige Rolle und deshalb haben wir einen zusätzlichen Kaufanreiz geboten“, betont er. Das corona-bedingte Defizit sei mit der Aktion gemindert worden: „Wir holen etwas auf.“ Einstweilen aber schreibt er weiter rote Zahlen. Wie hoch seine Verluste sind, kann er noch nicht sagen. Klobeck verkauft unter anderem Bettwäsche, Frottierwaren und Sommerdecken mit einem Rabatt von 20 bis 50 Prozent. „Das Geschäft läuft sehr gut, das muss man sagen“, freut sich der Unternehmer. Doch die Gewinnspanne sei gering.

Klobeck ist nicht nur Geschäftsinhaber, sondern auch Wirtschaftsreferent des Stadtrats und im Wirtschaftsförderungsverband Wasserburg (WFV) aktiv. Wie hat sich nach seiner Einschätzung das Kaufverhalten seit Ende des Lockdowns entwickelt? „Ich habe den Eindruck, dass die Leute bewusster einkaufen und die regionalen Betriebe stärken wollen.“ Für den Rest des Jahres zeigt sich Klobeck durchaus optimistisch: „Wenn es keinen weiteren Lockdown, keine extreme zweite Welle gibt, dann kommen wir mit einem blauen Auge davon.“

Kunden kaufen bewusster ein

Gabi Sax – sie führt Schuhgeschäfte in Wasserburg und Haag – verspricht sich vom Schlussverkauf hingegen keinen Nutzen. „Der SSV hat keinen großen Anteil bei uns, deshalb stellen wir ihn auch nicht in den Vordergrund.“ In ihren Augen wichtiger als kurzfristige Rabattaktionen sind ganzjährig faire Preise – und die Nähe zum Kunden.

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